Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Archiv Gesprächskreisprotokolle: 2005


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Zyklus Wollen wir alles wissen?

Zyklus Was meint 'Seiendes'?


Wollen wir alles wissen?


Ankündigung

Wollen wir ewig leben oder erwarten wir lieber, dass endlich alles vorbei ist? Wollen wir gar nicht mehr wissen, was dies hier für ein Leben ist, wofür noch gelebt werden will, oder wollen wir auch die letzten Schleier lüften? Wollen wir den Wissenschaften Grenzen setzen oder wird eigentlich viel zu wenig geforscht? Wollen wir Wissen um jeden Preis oder ist Wissen ein Risiko geworden? Was wollen wir wissen? Was wissen wir schon? Was ich nicht weiß: macht es mich wirklich nicht heiß oder aber gerade doch?

Diskussionsverlauf

Schwerpunkt Wissen
Wissen wir überhaupt etwas?
Neuzeitliche Subjektphilosophie: Weiß, weil ich wissen will
Erkenntnistheoretisches Thema oder Alltagswissen / Wie wird das Wetter morgen?

Frühe Philosophie: inspiriert
neuzeitlich: selbstbestimmt > Systemgegensätze

Beispiel: Physiker weiß nicht, was Elektron ist, baut aber Radios

Allgemein gilt: Systematik soll jeweils mir kohärent sein; individuelle Ebene des jeweiligen Systems
Gesellschaftliche Komponente des Gewußten und der Forschungsrichtung

Wissen und Verstehen

Wissen, das man erwirbt, ohne danach zu suchen
Seit Descartes Wissen nicht mehr im Horizont von Objektivität

Täuschungsmöglichkeiten (im Wollen / im Wissen)
These: Technik verstellt

Welche Vorstellungen von Wissen sind die akzeptablen?
Wenn Wissen heißt: Ich habe gesehen > 'Man sieht nur mit dem Herzen gut'
emotionales und rationales Wissen

*

Will ich wissen?
Will ich alles wissen?

Teile separieren und zusammensetzen oder m Ganzen verstehen?

Praktisches Wissen – ästhetisches Wissen – Sein-Wissen – biographisches Wissen

Lernen als Vermeidung von Redundanz, als Vermeidung von Irrelevanz

Alles: als Mannigfaltigkeit / als Seinszusammenhang

Beispiel des String Modells: angelegt auf Nicht-Verstehbarkeit

Aufklärung anders als Wissen: psychosozialer Vorgang

Wissen ist keine Tätigkeit (wie haben, können ...)

'Bedeutsames Wissen': geht auch nicht um Wohlbefinden (z.B. medizinisches Wissen); Geheimnis, was eigentlich los ist

Ist Wissen wertneutral?

'Gesehen haben wollen': Monisten und Dualisten: wollen schon gewußt haben > Pluralismus

*

Wollen:
Wenn nach 'wollen' gefragt wird, ist dies nicht erste Präferenz
ursprünglicher: Nicht-alles-wissen-wollen
Wo kommt die Angst her?
Filter des Ich gegenüber dem Wollen (Es) ursprünglich > Alles-wissen-wollen ist neurotisch

Historisch: Menschen dumm gehalten; jetzt mit Wissen (was die Schüler nicht wissen wollen) in Schulpflicht überhäufen
Möglichkeit der Entscheidung heute: Wissensüberdruß (insbesondere bei Jugendlichen); Überflüssiges Wissen; Lustaspekt des Wissens, Lustaspekt des Lernens
Jugendliche: Wollen reflektiert nicht auf Wissen (Intellektualität) abzielen (Abschied von Aufklärung, Abschied von Wissen)

Wissen aus Abstand von dem, was passiert

Nicht-wissen-wollen als existentielle Entscheidung (bzgl. sinnvollem Leben)

Stufe zu ganzheitlichem Wissen / Unbefriedigt bleiben im konkreten Wissensüberdruß
Können nicht alles wissen, was wir wollen: Vieles Wissen, das auch uns betrifft, ist uns ncht zugänglich (über uns selbst; über Hintergründe des 11.9. ...)

Bildung ist nicht Wissen; Erfahrung erschöpft sich nicht in Wissen bzw. reflexivem Wissen
suche Erfahrung, die micht übersteigt > Grenzerfahrung

Kontrollgesellschaft, die über Wissen bestimmt

Erfahrung als Nicht-Wissen, das aber keine Unwissenheit ist

Wissensform: Erfahrung / Mythos – Faktenwissen - Reflexion
> 'Die psychische Verfassung des Menschen ist psychologisch'

*

Suche nach dem Notwendigsten – Keiner weiß, was das ist, deshalb wird alles aufgesogen
These: heute existentiel, nicht Luxusgut

Verhältnis Wissenschaft - Philosophie
W. Handelt mit Wissen, gießt Wissen in Form; Wissen als Mittel zum Zweck
P.: Erkenntnisse, die nicht reproduzierbar sind; Wissen als Selbstzweck
Wissen-wollen der Philosophie anders, als das der Wisssenschaften: Einlassen auf Ungewißheit

Wollen wir alles wissen?
- Immer als Fragen im moralischen Kontext (als Entgegnung der Angst)
- Einfinden in Gewißheit
Informationsüberfluss: Wollen wir alles verstehen?

Wäre ja schön, wenn man objektives Wissen erlangen könnte, aber 20. Jahrhundert zeigt die Historizität von Wahrheit. Nicht Subjekt, das wissen will, ist wichtig, sondern wie ich mit dem Geschehen umgehe

*

Wissen und Freiheit
All-Wissen – All-Mächtigkeit: das ist alles möglich, nicht: das ist alles getan / Wissen ist Macht als Vermögen
philosophisch immanent, dass man aus Philosophie heraus will (Wissender sein)
Zweck des Wissens ist nicht das Wissen, sondern das Handeln
Wenn ich alles weiß, hebt sich das Wissen auf / Was der Fall ist ist das Streben, nicht das Wissen

Wissen (wollen) als anthropologische Konstante, die mit Urbanisierung (Vergesellschaftung) instrumentalisiert wurde

Begriffe der objektiven Wahrscheinlichkeit (nachvollziehbar) und der subjektiven Wahrscheinlichkeit

These: Wenn ich sage 'ich weiß', dann heißt das 'ich will, dass es sicher so feststeht'

*

Noch einmal: Wollen wir alles wissen?
Als moralische Fragestellung (weil willensbestimmt) > wissen, wann ich sterbe
Voraussetzung: Wissen aushalten
nicht naturwissenschaftliche Fragestellung

Wissen ist etwas Absolutes, dem ich nicht entgehen kann (wenn ich es habe)

Übersetzungen:
Will ich weise sein? Entscheidendes Wissen (z.B. Sterblichkeit, nicht konkretes Datum)
Will ich ein Gewissen haben? Wissen, was ich zu tun habe; was ich zu tun gehabt hätte

Wissenerwerb: trägt er oder verweist er (immer wieder erneut) auf Brüchigkeit?

'Ich glaube, der Wahrheit nicht gewachsen zu sein.'

Kat. Imperativ > Gibt es menschliche Situationen, in denen es Wichtigeres gibt als Wissen? (z.B: nicht nachfragen aus Mitgefühl)
Vernunft erlaubt sich eigentlich keine persönliche Note (eigene Note meiner Emotionalität ist anerzogen)
Wissen wollen, wenn Verbesserung dadurch absehbar? Maßstab für Verbesserung?

Suchtcharakter des Wissen-wollens?

*

Schwerpunkt Wille
Parlament des Willens > gibt auch eine Regierung (z.B. Diktatur)?
gemeinsamer Wille, der hier entsteht – Prozeß der Willensbildung auf ein Ziel hin
Problem der relativen Machtlosigkeit des Bewußtseins

Wissen als: Wie funktioniert etwas? / Warum ist etwas so und so? (Kinderfragen)
Kann mehr Wissen zu besserem Wollen führen? (Pers. Ebene / gesellsch. Ebene)
Aufklärung meinte: Ja
Unterscheidung: causa efficens – causa finalis

*

Überlegungen zu einem Antwortapparat, der auf alle Fragen Antwort und dabei verläßlich die richtige Antwort gibt
Wer darf fragen? Wie viele Fragen?

*

Ein Wissen, das Sicherheit verschafft
Ein Wissen, das uns verunsichert
Alles: nicht als Summe von dies und jenes
Jeder hat Tendenz des Allwissender-sein-wollen

Gemeinschaftskonstituierendes Wissen > Aufteilung des Wissens in Institutionen
alle Wisssenchaften haben Gegenstände / Philosophie hat keinen Gegenstand > Frage: Was ist Wissen?
Nicht-alles-wissen-wollen als Widersrpuch zu Philosophie

*

Resumee:
Verbindung zum Philosophiebegriff: statt 'Wollen' Lieben, Mögen (auch Potentialität)
paßt aber besser zu Weisheit
leidenschaftlich oder eher kontemplativ?

Was gibt es Wesentliches für den Einzelnen zu wissen?

Wissen im Zusammenhang zum Handeln

Wissen - Weisheit
These: Weisheit ist akkumuliertes Wissen unter Voraussetzung: Liebe zur Weisheit
2. Gruppe: Wissen zu Eigennutz
3. Gruppe: Will nichts mit Wissen
These: Weisheit kann jeder erlangen, bestimmtes Wissen nicht

Meist unsere Frage: Wollen wir weise sein (im umgangssprachlichen Sinne)?
Weisheit ist ein Wissen, das durch eine Krise gegangen ist und auf einen Zustand vor dem Wissen verweist


Was meint 'Seiendes'?


Ankündigung

Im Herbstzyklus steigen wir hinab in die geheimnisvollen Kellergewölbe der Philosophie.
Hier steht über dem Eingang:
'Nichts ist selbstverständlich.'
Auch keine philosophische Position ist schon abgesichert. Deswegen fragen wir:

Was meint 'Seiendes'?

Zu diesem Thema wollen wir uns unsere eigenen Gedanken machen und sie rege und fruchtbar austauschen.

Diskussionsverlauf

Seiendes - ist
außerhalb? Nichts – Nicht-gegenständlich / Erfahrungsqualität

These: Zukünftig Erträumtes, das nicht eintritt, ist nicht seiend

Verschiedene Weisen zu sein, des Seins

These: 'kommt Sein zu' = ist seiend = ist ein Seiendes = ist = ist irgendwie

Materiell Seiendes – 'nicht der Rede wert'

Vorhandenes, das nicht greifbar ist (z.B. Liebe) oder aber nur Seiendes: Liebende, Geliebte

Postion des objektiven Idealismus: z.B. Keplersche Gesetze seiend gegenüber den Planeten

War zum Zeitpunkt des 2. Weltkrieges noch nicht, aber da ist eine Seinsweise, nämlich: Noch-nicht-Seiend

These: Ich ist (bin) das Seiende schlechthin, denn ich kann mir mich nicht ohne Ich vorstellen

Nicht-Metapher: Stille
aber: kann nicht wissen, wie der Gehörlose die Welt wahrnimmt (entsprechend Farbenblinder)
Nichts: kann nicht direkt kommuniziert werden
Alltag: Seiendes Sein und seiendes Nichts (als gegenwärtige Erfahrung und gegenwärtiger Entzug)
aber auch: Nichtseiendes Sein und nichtseiendes Nichts

Seiendes zeichnet sich aus durch Mangel an Sein und auch Mangel an Nichts
Mangel an Vollkommenheit (platonisch) ist das Nichtseiende

Aspekt des Intersubjektiven: kommunizieren Beobachtungen

*

Seiendes innerhalb eines (kommunizierten) Systems des Verständnisses
(Hintergrund: Seiendes nur im Horizont des Kommunizierbaren)

These: Seiendes alles, was man attributieren kann
Abhängigkeit von Zustimmung > Objektivität

Seiendes als Gegebenes und als etwas, das wir machen
(> alles ist erzeugt, nur dann können wir es wahrnehmen)
Vorrang der Ästhetik: Sein ist Medium
Als die Konstituierenden sind wir aber selbst nur eine Stelle im System
> Seiendes als tragfähiges?

Wir haben kein Kriterium für Seiendes / nicht krasser Gegensatz Sein vs. Nichts > Grade von Seiendem

*

Seiendes
gegeben
kommuniziert > \
interpretiert > - ist / nicht willkürlich (Grade von Willkür)
je meines > /

These: Ohnmächtig der Tätigkeit ausgeliefert, das 'Gegenständliche' zu setzen; zur Konstruktion verurteilt

Seiendes als das, was auf die Frage 'Was ist?' ausgesagt wird
nicht materialistische Tendenz des Gegenwärtigen (Beziehungshaftigkeit)

Problem haben mit dem, was als 'wesentlich' seiend angesehen wird > Wechsel zu anderem Seienden; zum Sein?

Mensch als der, der noch-nicht-ist
Seiendes ist die Utopie; Seiendes als Entwurf

Seiendes – Nichtseiendes – Nichts / Nichtseiendes als logisch Widersprüchliches oder nicht existent (schwarzweiße Blume)

*

Sein und Werden – Problem der Substantivierung
Identisch? Gewordenes und Ungewordenes
Veränderung und Identitätserleben

Es gibt Möglichkeiten:
Sein – spielt keine Möglichkeiten (mehr) aus, bleibt sich gleich
Werden – spielt Möglichkeiten aus, verändert sich

Nütze den Tag, pflücke den Tag – in den Tag hineinleben

Wir sind so gebaut, dass uns die Dinge anders erscheinen als sie sind; sehen Gegenstände stabil und andauernd, was sie nicht sind

Exkurs: Anthroponzetrik von Astrophysik und Hirnfroschung
Menschliche Entwürfe der Interpretation von 'objektiv Vorliegendem'

'Seinsqualitäten von 3 Städten: der, in der man war; der, von der man nur aus Berichten weiß; der, die als Fiktion beschrieben ist
Wertigkeit der Bilder
Phantasiereise und Zugreise: bzgl New York geht beides, bzgl. Phantasia nur eines
Seinsqualität abhängig von Dimensionen
> seiend im Unterschied zu real und fiktiv

*

Bedeutung des Seienden als Wirkendes
Was mehr wirkt ist seiender?

Subjektive Abstufungen: wirklich wird, wofür ich Begriff habe

> unermessliche Bandbreite der Interpretationen
Konkurrenz der Erzählungen: subjektivistische, objektivistische, materialistische, idealistische

Ohne ein Ding an sich ist keine Ordnung der Dinge möglich
liegt nahe: Ich als Organisationsstruktur

*

Wovon es kein Bild gibt, das ist nicht real
Medienwelt: alles ist vermittelt, medial
Problem des unhinterfragten Übernehmens

Seiendes als das, was ist vs. Wertigkeit (an den Dingen?)

Aus Alltäglichkeit heraus: Seiendes als Auszeichnung: Vertrautheit, Tragfähigkeit, sinnstiftend
Kriterien für die Verläßlichkeit des Seienden: Übernahme und Erarbeiten, eigene Prüfung

Philosophie. Das So-ist-es in Frage stellen

Aufgabe des Auf-sich-Besinnens