Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Archiv Gesprächskreisprotokolle: 2011


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Zyklus Was ist notwendig?,
Zyklus Das Böse ....


Was ist notwendig?


Ankündigung

Sind wir noch auf dem Weg zum Glück, streben wir zu einem vorzüglichen Leben?
Wann ist etwas (dezidiert) so gemeint
wann ist es (doch) nicht so gemeint?
Was nehmen wir im etablierten Horizont von Virtualität überhaupt noch ernst?
Wie bekommen wir dies alles noch in den Griff?
Bräuchten wir nicht ein neues Ethos
kann es das überhaupt geben?
Viele Fragen umschwirren uns und kulminieren:

Was ist notwendig?

Diskussionsverlauf

„Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit“

ethische Fragestellung / erkenntnistheoretische Fragestellung

Not abwenden

„alles ist möglich“

Logische Notwendigkeit: wenn p dann q
Aristoteles: Vier Ursachen (Materie, Form, Antrieb und Zweck)

Gibt es überhaupt Not? Naturgesetze z.B. stellen keine Not dar
Selbstschutz-Mechanismus

Zusammenhang Not – Leid?

Subjektive und objektive Erkenntnis (Entscheidung) der Notwendigkeit

Wer bestimmt, was notwendig ist?

Entsteht Notwendigkeit aus dem menschlichen Wollen?

Besserer Begriff: Bedingtheit?
Denken nötig für Sprechen oder umgekehrt?
Mathematik nötig für sich oder/und für Welterklärung?
Fragen nach dem Wofür wesentlich oder nicht?

Not z.B. aus Forderung der Abschaffung von vor-wittgensteinscher Philosophie – reduktionistischer Physikalismus

Thema (?) Selbstvergewisserung der Philosophie – Selbstvergewisserung des Menschen

Ethisches oder erkenntnistheoretisches Problem? In beiden Bereichen 'zwingend'

Jeder hat seine Not (und immerzu)

Dreiteiligkeit der Fragestellung: zentrale Bedeutung > Was heißt 'ist'? (Doch anderes als: Der Hund ist im Garten)

Was west an als Not?

Nichts ist notwendig vs. Ich bin notwendig und daraus: die Welt ist notwendig

T: Es ist notwendig, sich auszukennen
Ist das handlungsanweisend? (für alle gleich handlungsanweisend?)

Gerechtigkeitstheorien: Wer/Was wird ausgeklammert?

Ist die Ergänzung 'Wofür' notwendig zur Frage „Was ist notwendig?“
Die Wofürs abfragen, welche einem von Bedeutung sind
T: Philosophie ist notwendig > wofür?
'Ich bin notwendig > mit/ohne Bezug Wofür?
Notwendig nur in Bezug auf ein zu erreichendes Ziel

Diskrepanz früher: Alles ist Gewolltes / Determinismus heute: Physiologie

Unterscheidung Determinismus / Notwendigkeit
Gleichsetzung von Notwendigkeit und Objektivierbarkeit?

Problematik der Deutungshoheit

T: Geist der Gesetze ist notwendig (genetivus subjectivus und genetivus objectivus)
Sowohl die Gesetze, die der Mensch macht, als auch die, die er nicht macht

Ist Liebe notwendig?
Ist Wachstum notwendig?

T: Allgemeine Tatsache, dass wir alle unsere Notwendigkeiten haben
Ist aber das Universum notwendig?

Bezug Zahnweh: „Wenn es nicht notwendig wäre, hätte es die Natur vermutlich nicht erfunden.“

Geburt und Tod notwendig: Ich kann nicht verhindern, geboren zu werden / worden zu sein
Aber bezüglich Zellforschung (Alterungsprozess): Wenn hier etwas gelingt, müssten ganze philosophische Werke neu oder umgeschrieben werden. „Es ist zu früh zu sagen, der Mensch ist endlich.“

Aktuelles Beispiel: Guttenberg-Rücktritt notwendig? Falsche philosophische Frage? Fehlt die Notwendigkeit des Gesetzes

Wirklichkeit, so wie sie ist, sei notwendig; das, was wünschenswert ist, sei Utopie

Staat: Welches sind die (notwendigen) Hoheitsfunktionen des Staates? Welche davon sind unverrückbar? Wie sind sie zu sichern?
Politische Notwendigkeiten; Notwendigkeit von Staatsbelangen
Warum ist Egalität notwendig? Fähigkeit der Selbstbeschränkung; Kollektiv ist überlebensfähiger
Zusammenrücken der Menschen in Katastrophen (?)

'Notwendig' ist unvermeidbar

Bedürfnishierarchie (> Maslow)

Erklären die Philosophen die Welt?

Determinismus: Nichts geschieht ohne Ursachen; auch freier Wille hat Ursachen
oder ist das Kausalität?

Erdbeben/Tsunami in Japan, Erdbeben von Lissabon: Wie damit umzugehen? Philosophischer Zugang?
Leibniz / Kant hatte gegen den Zusammenbruch (durch Lissabon) das mechanistische newtonsche Weltbild
wir haben heute gegen den Kollaps des Weltbildes kein Paradigma
> Beschäftigung mit östlichem Denken?

Ist es notwendig, pünktlich zu sein?
Dumme Angewohnheit oder Notwendigkeit
contrafaktisches Verhalten

Regel / Bedingung
Notwendigkeit vs. Trend

Was ist notwendig, damit ich von der Gesellschaft nicht geächtet werde?
Notwendigkeit, gesellschaftliche Regeln zu erarbeiten und zu befolgen
Notwendigkeit der Festlegung einer gesellschaftlichen Struktur (Staat)
Die Fundamente wären überdemokratisch zu bestimmen: Energie, Wasser, Kommunikation – nicht privatwirtschaftlich zu organisieren

T: Humor ist Notwendigkeit (Schadenfreude / Selbstironie)
entlastendes, auflösendes Moment
Humor macht vor nichts Halt

Notwendig als naturwüchsig / als Gesellschaftsvertrag

Im Zuge des Empirismus fällt Rationalität, gesellschaftlicher Konsens als Fundament aus – geht dem Empirismus nicht um Verständnis, sondern um statistischen Beleg

Ausgespart bleibt die Kunst: geht über Notwendigkeit hinaus, ist aber quasi notwendig
Gehört zu den Fundamenten der Gesellschaft?

Was ist förderungswürdig?
Wie kann man das durchsetzen? Langt Einsicht?

Bedeutung des Gestimmtseins

Thesen:
Grundkonstitution > bedingt Handeln – Freiheit gering
was motiviationsbildend ist, können wir nicht bestimmen
Narzißmus: Bedürfnis zur Selbstdarstellung, Rücksichtslosigkeit, Macht (manipulative Tendenz)
> gesellschaftliche Wirkung: Eliten
Gegenpol: Sachorientierung, soziales Miteinander, kollektives Entscheiden

Kann man etwas gegen den Narzißmus tun? Wie sich dazu verhalten?
Ankämpfen > Scheitern
Mitmachen (als nicht primär narzißtisch geprägter)
Sozialer Rückzug

Notwendig sind Essen und Dach über dem Kopf

Was ist für uns notwendig in Bezug auf Zukunft?

In-München kündigt unsere Veranstaltung an mit „Was ist notwenig?“

Was ist notwendig? Als Fundamentalfrage – Geschichte der Philosophie als Geschichte der Fundamentalfragen
Parmenides: Notwendigkeit des Seines
Sein ist Abstraktum vs. Sein ist das Überzeitliche
Widerspruch von Kategorien der Vorstellung (Zeitlichkeit) und sich aufdrängender 'Zeitlosigkeit' von Wille, Sein, Unbewusstem

Die Philosophie ist die Fundstelle des Notwendigen

Das (Vor-)Gegebene, nicht selbst Gemachte


Das Böse


Ankündigung

... oder: das Schlechte,
... oder: die dunkle Seite der Philosophie?

Diskussionsverlauf

Woher kommt das Böse, wenn es in der Philosophie doch um das Gute als das Erstrebenswerte geht?

Beginn aus jüdisch-christlicher Tradition?
Bereits Aristoteles: Kakon
Hinduismus: Dämon

Verbechensproblematik auch atheistisch behandelbar

Trennung Böse – Schlecht?

Böse Kinder – gibt es nicht. Warum? Aspekt der Absicht

Nicht absolute Bestimmung der Begriffe Gut – Böse
Saulus – Paulus: Wandel vom Guten zum Guten

Kann ich tun, was ich will? > Kann ich wollen, was ich will? (Bsp. Finanzmärkte)

Dem Bösen entgegenstehen nicht nach Maßstab der Handlung, sondern in Kontrolle der Gedanken (schon vor der Handlung)

Moralischer Konflikt und moralisches Dilemma – kommt aus dem nicht heraus
Bsp: Abschuss Terrorflieger; Organverpflanzung)

Aufstellen von Regeln, die Gut und Böse bestimmen
Böses im Einzelnen lokalisiert?
Das menschliche moralische Programm setzt sich gegen die Natur

Der Böse ist wahrscheinlich der Glücklichere

Das Böse als das Ungerechte

Kann man wirklich absichtlich Böses tun? (> Platon)
T: Wer sich Freiheit des Denkenwollens nimmt, ist abgeschnitten von der Absicht zum Bösen
Viele Beispiele dafür, dass es diese Freiheit gar nicht gibt
Nietzsches Pessimismus der Stärke
Wirtschaftsentwicklung: Aushebelung (auch absichtlich) der Nation / des Staates

Offenbart sich das Gute von sich selbst her?

Aspekt der Verantwortung – keiner übernimmt sie mehr

Historische Zeit der Negierung des Bösen
dann Zeit der Bekämpfung des vorhandenen Bösen
dann Zeit des Überwältigtseins vom Bösen
jetzt Zeit der Faszination vom Bösen (mit Erlaubnis der Philosophie!)

T: Ausgangspunkt des Bösen ist eine menschliche Entscheidung

T: Böses hat seinen Ursprung im Subjekt (als Herr von Welt)

T: Das Böse liegt im Mathematischen
„Die Mathematik ist die Waffe“
Mathematik dient zur Bekämpfung der irrationalen, natürlichen Aspekte
wird zum Bösen, das uns selbst bedroht

T: Die Wurzel des Bösen ist, dass wir uns auf die Könige eingelassen haben

Anstrengendes Anarbeiten gegen die Gefahren des Bösen in einem selbst

Misst sich an: Religion / mir selbst
langfristige / kurzfristige Perspektive

Das Böse an sich oder als Abkünftiges, unter dem Licht von …, zu sehen?
Vergleich Mathematik: 2+2=4 ist von sich her richtig, von da her alle anderen Ergebnisse falsch

Interesse als Ausgangspunkt, daraus Böses (interessehindernd) und Gutes (interessefördernd)
also: Gut und Böse als Funktion eines Dritten (z.B. böser Fuß)

T: Gut und Böse sind Kategorien, die nicht dienlich dafür sind, Nützliches zu tun

Christentum und Aufklärung: Glück und Moral gehen Hand in Hand – dann Umkehrung

Wer soll bestimmen, was gut und böse ist?
Autoritäten vs. Ich bin mir selbst der Maßstab
Erfahrungsforschung / Weltwissen / Erkenntnistheorie

Können wir übereinkommen in der Beantwortung der Frage nach einem 'inhaltlichen' Bösen?
Oder gibt es etwas, das wir alle verächtlich finden?
Das Böse ohne mildernde Umstände
Macht über andere Menschen / Gewalt
Schelling: Wenn sich der Individualwille über den Allgemeinwillen erhebt
Handlungen , deren Vermeidung zumutbar ist
Idee des Bösen ist verallgemeinerbar

Wahrscheinlich nichts, das nicht irgendwie irgendwo legitimiert wurde

Kritik am Bösen als metaphysischem Begriff

Dem Bösen durch Selbstbeschränkung Herr werden wollen

Angenommen, wir wären determiniert, so hieße das nicht, dass das gut (oder böse) wäre

Was ist eigentlich so schlecht am Bösen?
z.B. Bedeutung von Feindbildern

Historisch: Das Neue ist das Böse vs. Wir müssen uns vom (ehemaligen) Bösen befreien

Das Böse ist frei (von Gewissen, Regeln …)

Was ist das Böse am Bösen?
Dass es meinen Interessen widerspricht (?)
Gesetze auch gegen Individualinteressen, aber nicht per se böse

T: Böse, was den Mitmenschen Leid zufügt
Problematik: medizinische Operationen
T: Das Böse kommt aus dem Leiden – wenn Bereich der Notwehr überschritten

T: Böse ist die Überhöhung eines Willens durch einen anderen

T: Das Widerliche

Warum ist es so unangenehm zuzugeben, dass man 'böse' Anteile in seinen Handlungen hat?

T: Umkehrung der Ethik in den gegenwärtigen Medien
früher z.B. John Wayne: Lieber tot als böse; heute umgekehrt

Unterschiedliche Koordinatensysteme gut-böse, gut-schlecht
und: individueller Blick auf die gleiche 'Tat'

Böses führt eher zum Glück; dass Gutes zum Glück führt ist Lüge der Religionen

Wie ist das Interesse mit dem Schlechten/Bösen verbunden?

Antike Tragödie: Will das Gute, Schicksal ist stärker

Zusammenhang Freiheit – Böses
aber auch: Askese als freiwilliger Rückzug vom Bösen der Eigeninteressendurchsetzung ohne Grenze
Rottet Askese das Böse aus?

Bedeutung für denjenigen, der etwas bewirken will, Machtpositionen hierfür zu entwickeln

Bedeutung des Begriffs 'Banalität des Bösen' > Spießbürgermentalität?

Das Böse des Nicht-Tuns

Böses als Frustration des Interesses
Moralisch: Wenn das unterlegene (verletzte) Interesse das siegreiche überragt)
Problematik, dass ein hohes Maß an Wissen nötig ist, dies zu beurteilen

Zunächst: Abwehr des Leidens (Notwehr; unabsichtliches Tun in Hinblick auf Leid anderer; auch Skrupel, weil der Anfang des 'Wolf-werdens' schwer ist) > andere Leidenschaften (entgleitet) > Böses
Dagegen Gut: Luxus, 'etwas zurückzugeben' (Charity) – ein Prozent, die es schaffen, so gut zu sein, dass sie das durch sie veranlasste Böse mehr als aufwiegen können