Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Archiv Gesprächskreisprotokolle: 2014


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Zyklus Was ist Glück?
Zyklus Zukunft


Was ist Glück?


Diskussionsverlauf

Die Frage sei individuell zu verstehen > Kommentar: Wäre ja nicht das Schlimmste

Viele / Alle streben nach Glück > Glücksstreben angelegt?

Glück sei das Erreichen des Machbaren

Glücksforschung: Hedonismus, Aktivität, Neugierde

Optimist – viel Freude – viel Geld
wenn es nicht funktioniert, dann ist man selbst schuld

Zufriedenheit: länger andauernd, Glück kurzzeitig

Abhängigkeit von Geld > Abhängigkeit von kulturellem Umfeld

Vergleichshorizont 'erlahmt' mit zunehmendem Wohlstand
Im Vergleich liegt das Unglück

Gebot der Religion: Sei glücklich!

Glück ist mehr als die Abwesenheit von Unglück (mehr als die Abwesenheit von Leid)

Zum Glück gehört: Keine Angst haben

Glück: Mut mit sich identisch zu sein
gelingt den wenigsten > Warum? Angst

Repressivität des 'Jeder ist seines Glückes Schmid'

Kant: Wer um des Glücks willen handelt, ist nicht frei, nicht moralisch; Bedingung der Möglichkeit von Glück ist der kategorische Imperativ

Mill: Utilitarismus – größtes Glück (größter Nutzen) für die größte Menge
Popper: negativer Utilitarismus: Vermeide/minimiere das Leid

Glück ethymologisch: Lücke ausfüllen

Kann nur für mich sorgen, wenn ich für andere sorge

Glücksstreben als 'Naturmotor'

Humanum: Besser, nicht individuell zu streben, sondern allgemein(es) Leid zu mindern
auch eine Form von 'Macht Euch die Welt untertan'

Kriterien: gesundheit (relative) Angstfreiheit, Auskommen …

Vielleicht ist Glück keine Empfindung, sondern ein Zustand, der vielleicht nicht einmal bewusst sein muss
Widerspruch: Der glückliche Zufall (aber: 'luck' entspricht nicht 'happiness')

Voraussetzung: Aufmerksamkeit / Achtsamkeit

existentielles Gefühl des positiven Daseins / Willkommen-Sein in der Welt

Über den Weg des Unglücks das Glück begreifen > Glück ist ungestört

Glück an sich ist 'Null', 'Nichts' > Glück kann man nicht merken
Augenblicksmoment – Ist das nicht zugleich Unglück?

Kann man nach Glück streben? Man kann nur nach Bedürfnisbefriedigung streben, nicht nach Glück als solchem

Muss ich für Glück entscheiden, muss es aktiv wollen, sonst tritt es nicht ein
muss es mir gestatten // z.B: Versagung des Glücks in katholizistischer Erziehung

'Glück gehabt': positive Zufälligkeit / Welt sagt Willkommen-Sein

T: Nicht nach Glück streben, sondern aus moralischen Gründen das allgemeine Unglück minimieren
bringt der Glücksverzicht den Unterprivelegierten einen Glückszuwachs, eine Unglücksverminderung?

Willens- und Kompetenzabhängigkeit

Verbindung Glück – Moral (>Kohlberg-Schema)

T: Für Glück gibt es kein Kriterium

Glück: Wenn für mich in dem betreffenden Moment alles stimmt
muss jeder für sich selbst finden und Weg dahin finden

Alternative Verbindung: Glück-Freiheit
Abschaffen des Gefühls von Ohnmacht, Nicht-Anerkanntsein als Unglücksminderung

Alternative Verbindung: Glück-Sinn

T: Glück ist Souveränität, Selbstbestimmung, Autonomie

Postmoderne: Nichtwissen ist Glück

Schon in der Antike: Das 'gute' Glück und das 'schlechte' Glück
Ob man lieber dem dunklen Dionysos in der Unterwelt huldigt, dem sie (zit. Heraklit) "das Lied singen vom Phallos" oder ob man besser dem lichten Apollon auf dem hohen Olymp ein tugendhaftes Leben darbringt. Das schnelle, sinnliche, subjektive, ungestüm-jugendliche, romantische Glück auf der einen Seite, das nachhaltige, geistige, objektive, gesetzt-altersweise, aufgeklärte auf der anderen. Hölle und Himmel, Faust I und Faust II …
Bandbreite des griechischen Glücksbegriffs: der Hades – das Geistige und: die Mitte

Wer ist zuständig für das Glück? Die Philosophen? Die Medien?

Bereits bei Mill: Der technische Fortschritt wird letztlich alles Übel in der Welt abschaffen

[Ein Teilnehmer verlässt die Runde mit der Bemerkung, er habe schlechte Laune]

Wohlstand heute – Wohlstand im Mittelalter > Bezug zum 'jeweiligen Glück'

Was ist das Wesen des Glücks vs. Was ist ein Glück

Sexuelles Glück
Wilhelm Reich: Glück Liebe Arbeit Erkenntnis

Unterscheidung Glück - körperliches Wohlbefinden

Kapselt sich die heutige (analytische) Philosophie ab von den tatsächlichen dringenden Probleme der heutigen Welt?

Aufklärung – Emanzipation des Individuums – Gesellschaftlicher Fortschritt – finale Glückswelt > wie kommen wir aus der universellen Kontrolle heraus?
Kosmische Harmonie reicht nicht (mehr) aus > Wir leben in einer Gesellschaft, die ständig falsche Bedürfnisse weckt
Wie kommen wir da heraus?

Transhumanisten: Ende des Strebens nach Glück – Abschaffung des Menschen?

vs Altmännertraum: Man setzt auf den Fortschritt der Technik und entkommt irgendwann dem vergehenden Körper

Extreme Formen des Strebens nach Glück
geht das nicht auch ohne Ellenbogen
müssen wir nicht den bisherigen Menschen überwinden

'Böses' Glück der Jugend vs Altersweise (früher Alte der Maßstab, heute umgekehrt)

Glück ist kein Ziel (> Seneca), sondern ein Geschenk / Seelenruhe (> Epikur)
Nicht-getrieben-Sein

Unglück kommt schneller als Glück

Freude ist die Schwester des Glücks

antike Unterscheidung: Umstände – Empfindung

Aufgabe des Staates, Glück herzustellen / Glück zu ermöglichen (?)

Glück als Gefühl oder Zustand

Progresshaftigkeit / Beeinflussung Glück-Unglück

Glück immer auf Kosten des Unglücks anderer (?)

Schopenhauer: Glück als Menschenziel ist ein Irrtum > "dann macht's ja keinen Spass"
Depression / Melancholie als Lebensgefühl

Kultur dominiert (zunehmend) Natur
dem Grenzen zusetzen?
"Mit Philosophie kann man nicht viel falsch machen"

"Der Aktionismus ist das Unheil"

T: Das Glück (des Einzelnen) ist ein Auslaufmodell
Bevölkerungswachstum, Verwahrlosung der Rechtskultur vs Rechtskultur als solches ist schon ein Problem (> Gewalt)

Philosophen laut ihren Biographen allzeit recht kauzige Individualisten, reden aber selber i.a. vom Kollektiv, von gesellschaftlichen Utopien, dem gemeinschaftlichen Glück. Ab dem 19. Jhd. dann nicht mehr selbstverständlich.
Schopenhauer erklärter Misanthrop: einer, der einsam sein kann, versteht sich aufs Geschäft des Sterbens besser als die vielen, und Philosophie sei ja seit Plato eben dieses: Sterben lernen
Bedeutu der Eremiten, welche idealerweise weder glücklich noch unglücklich seien.
Nietzsche: Menschheit als Kollektiv eher ein Greuel, ihm gings v.a. um den individualistischen Ausnahmemenschen, der idealerweise sowohl glücklich als auch unglücklich in stetig zunehmendem Maße sei.
Postmoderne propagiert die Emanzipation des Einzelnen von der Gesellschaft, wobei das Glück etwas Kontingentes sei, das ausnahmsweise gelänge.

Epikur: die Zwischenlösung zwischen den zu vermeidenden Extremen des Politischen und des Einsamen: Kommune befreundeter Philosophen.
Auch: Weg von den Göttern
Heilsgedanke des Christentums: Man ist nicht glücklich, man wird glücklich

Medien: Sind deren Helden unsere Role Models fürs Glück, denen wir nacheifern?
Das (wahre?) "Glück" wird den Motivationstrainern und Glückspropheten zum Fraß vorgeworfen, gerade heute, in unserer Zeit. Inflationärer Begriff geworden.
Wollen wir nicht vielmehr im sicheren Sessel zu sitzen und virtuelle Katharsis praktizieren? Wiederum Zwischenlösung: die (Denk-)Arbeit abwechselnd mit jener beschriebenen medialen Entspannung - nur eins von beiden haut nicht hin.
Glück nicht eine Sache von "Experten", kann in den TV-Serien durchaus spannend aufgegriffen werden.

Hinweis auf "Les Vacances de Monsieur Hulot" und die Unmöglichkeit, sich in den modernen Glücksbrei einzufügen. Was ist, wenn man partout nicht glücklich sein will oder kann? Hat man dann keinen Platz in der Geschichte? (> Sarte – Der Ekel)
Man kann nicht mitlächeln mit dem Glücksbrei der Alltäglichkeit.

Ideal: ein Alltag, der ausschließlich aus kontemplativer Betrachtung besteht! Sich nicht mehr von der Gesellschaft zum Workoholik formen lassen. Der moderne Mensch dem entgegengesetzt als Flipperspieler, der mit großer Anspannung seine Kugeln im Spiel hält, deren Bahn immer nur ganz ungefähr vorherzusehen ist - Stress pur.
Wichtiges Element in Utopien: Fehlen des Unglücks

Wir: Schockiert vom Agieren der Generation vor uns in Weltkrieg, Industrialisierung etc., wie erschütternd kommentiert durch Frankfurter Schule, Anders, Club of Rome etc., hält erschrocken inne, während schon die Generation nach uns wieder ins aktionistische Gegenteil verfällt, ins Rennen ums Glück.

Glück als Emanzipation von Gesellschaft

Schicksal, das das Glück zerstört vs Glück, das sich am 'Bewältigen' des Schicksals herstellt
Bedeutung der 'Schicksalsschläge' für Möglichkeiten späteren Glücksgefühl
Bedeutung der 'virtuellen Schicksalsschläge' in medialer Vermittlung

"Gott bewahre uns vor dem, das eben noch als Glück gewesen ist."

Zusammenhang Achtsamkeit – Glück-Unglück

Bedeutung der Autonomie
Jeder ist seines Glückes Schmied, aber auch: Jeder ist des Glücks des anderen Schmied

Warum geht es dem Einzelnen so schlecht, wo es doch uns allen so gut geht?
T: Innerhalb des bestehenden Systems ist Glück nicht Möglichkeit Glück nicht ohne Unglück
Wenn ich Glück habe, muss ein anderer Unglück gehabt haben (> Maßstab für Glück)

Glück in Bezug zu Verhalten setzen – was mir gut tut

Glück passiert vs Glück muss man anstreben / kann man es (aktiv) erreichen?

Glück als Vergessen der Zeit

Sisyphus als glücklicher Mensch
spricht Camus Sisyphus Sinn zu oder nicht?
> Ausgang von Himmel und Hölle

- ob Pessimisten unglücklich sein wollen
- das Glück i.S.v. luck, den Unglücksflieger zu verpassen, welches nur existiert, weil andere Unglück haben
- happiness als evt. ebenso leichten Begriff wie luck, im Ggs. zum evt. schweren Begriff im Deutschen (?)
- die Frage, ob man nach Glück erfolgreich streben kann oder ob es einem immer nur passiert
- der Unterschied zwischen gehaltvollem Glück und banaler Zufriedenheit
- Glück als "primitiven" Zustand von Tieren, Babys etc. vs. elitären Zustand des klugen Menschen
- das passive, geborgene vs. das aktive, im "Flow" tätige Glück
- das Glück als leicht fassbaren Begriff der Allgemeinheit vs. als schwer fassbaren Begriff der Philosophen
- Trotz bzw. Rebellion wider das Absurde
- wäre van Gogh ohne Malerei evt. noch unglücklicher gewesen
- Glück, das man trotz Schmerzen hat, sogar zugleich mit Schmerzen haben kann, ohne Masochismus zu sein
- religiöses Glück in der Barmherzigkeit
- Glück, von dem der Glückliche gar nichts weiß
- das philosophische Experiment, Glück eben nicht im Moment und im Gefühl zu postulieren

Warum fallen Menschen auf die Glücksratgeber herein? - Illusion, Glück sei machbar
Unterrichtsfach Glück?

Glückstyp früher: Zukunft; Glückstyp heute: Glück jetzt!
Glückstyp zukünftig (vielleicht): glücklich war früher (vor der Postapokalypse)

Pascals Wette: Glaube an Gott – wenn es ihn gibt, belohnt er dich; wenn es ihn nicht gibt > macht nichts
dritte Möglichkeit verschwiegen: böser Gott – straft, wer an ihn glaubt; belohnt, wer nicht

Dem Streben nach Glück nicht nachgeben

Aristoteles: Eudämonia (von gutem Geist geleitet) nicht als Gefühl / gelungenes Leben
kein von innen kommendes Glücksstreben, sondern von mir Empfangenes / Teilhabe

Bedeutung der Frage 'Was ist Glück?'
Müssen weg von der Frage hin zu: Welche Umstände sind nötig dafür, dass ich vielleicht sagen könnte, ich bin glücklich?
Frage 'Was ist Glück?' eigentlich nicht zulässig bei 3,5 Milliarden Glücken von glücklichen Menschen
Wenn wir Antwort finden, was dann?

Glück bislang noch gar nicht wirklich erfasst
T: Glück will nicht thematisiert werden ("Beschrei es nicht")

Glück als Balance – wenn alles in mir und um mich in Balance ist

Allgemein: Welche Begriffe sind in ihrer Bestimmung dem Einzelnen überantwortet, welche nicht? (Freiheit, Moral, Liebe, Glück?)

Glück als besondere ekstatische Situationen?

Glück und die Freiheit der eigenen Zielsetzung

T: Glück ist kein philosophischer Begriff mehr

Glück an Empfindung gebunden oder verstehbar aus sich heraus (wie 2+2=4)?

T: Glück ist, keine Angst zu haben

T: Fünf Kriterien: Gesundheit, Arbeit, Freunde, Wohnung, Philosophie

"Wir wollen es dauernd haben, obwohl es nicht unserer Natur entspricht"

T: Ohne Neugier kein Glück

T: kann auch in der Katastrophe glücklich sein

Glück, das erst im Nachhinein 'diagnostiziert' wird
Illusion: Max Frisch: Entwurf, den ich mir von mir mache, und denke, dass ich das bin

paradoxe Situation: Klagen auf hohem Niveau – Wie viel Glück man hat, weiß man, aber glücklich ist man nicht

T: Glück, wenn das Leben bejahenswert – was über den Moment hinaus geht

Warum ist das Thema so schwierig und will verlassen werden?

T: Im Glück wird Welt wiedergewonnen
auch: nachdem sie mit Aufklärung verloren gegangen war


Was bringt die Zukunft?
Welche Zukunft wollen wir?
Wie wollen, wie können wir Zukunft gestalten?


Diskussionsverlauf

T: Zukunft ist auch nicht mehr, was sie einmal war
Keine Zeit für Utopien
Gibt Probleme, aber keine Lösungsansätze (Politik)
Wirtschaft: Von Managerleitung zu Fondgesellschaftsinteressen
Kissinger: Die Globalisierung ist der Sieg der amerikanischen Wirtschaft

Globalisierter Pessimismus

T: Chancen für Utopien aus Problemen, die gegenwärtig offen liegen – dass dennoch keine Utopien mehr, liegt an Niederlage des Sozialismus

Problem, dass wir uns unsere Lebensgrundlage zerstören.
Wie sollen Gegenmodelle eine Mehrheit finden können?

Frage der Werte, die wir haben wollen
Gerechtigkeit und 'präformierte Demokratie'– Wirkmächtigkeit eines Rawls (Theorie der Gerechtigkeit) gegenüber einem Ian Budge?
Bedeutung des Prestige, wofür Reichtum ausgegeben wird, das selbst von den Ärmsten bewundert wird

Problem der Duchsetzung – Idealist, der aber einen Altruismus nicht verlieren darf
Trend geht ins Unsoziale (auch Gesundheitsbereich)

Muss es erst radikal schlimm werden, bevor eine Gegenbewegung beginnt?

T: Abschaffen der Utopien
Was sind Utopien? 'unrealistischer' Aspekt, umfassendes System (?)

T: Beschäftigung mit Physik und Kosmos

'Der Mensch ist kleinkariert geworden' – Keine Leute für die großen Themen > Visionen

Was ist Bestimmung des Menschen? Verstand weiter entwickeln oder wieder dem Tier annähern? (?)

Expertenavantgarde vs. Eigene Verantwortung

Kontroverse um den "Club of Rome":
T: Die selbsternannten Zukunftsforscher. Ein elitäres Netzwerk von Ökonomen und Industriellen und deren Abhängige mit dem Ziel eine Art Risk Management für Reiche und Einflussreiche zu entwickeln, die Ihre Pfründe so lange wie möglich erhalten wollen und ihr schlechtes Gewissen beruhigen wollen. Die können dann später sagen: "Wir haben Euch ja gewarnt". Einiges mag ja seriös sein, aber es dient dazu, die Etablierten zu warnen und nicht in erster Linie, die Welt zu verbessern.

Hinsichtlich der Möglichkeiten der Zukunf gibt es "etwas Unkontrollierbares". Es hätte sich herausgestellt, dass "Wachstum" keine Leitinstanz mehr sei für die Zukunft. dass sich komplexe Systeme nicht kontrollieren liessen und schon gar nicht vorhersagen. Auf der anderen Seite gebe es eine Art "negative Systementwicklung", die sich als Erfolg des Widerstandes zeige. Dieser Widerstand wird produktiv gegen die Dinge, die sich nicht bewähren und die sich evident nicht mehr abbilden lassen. Nicht mehr der Einzelne sei gefragt, sondern die Gruppe als ein Erfolg der Zivilgesellschaft. Das sei ein Modell für die Zukunft.

T: Dass "alles gegen die Wand laufe" und in den Zeiten des Ausbleibens der Ressourcen sich marodierende Banden bilden würden und der Kampf ums Dasein entbrennen würde.

Die Reichsten sollten ein Beispiel abgeben um die Welt zu verändern.

- Zukunftsvisionen sind für die Philosophie seit Marx, spätestens seit der Frankfurter Schule, zwiespältiger denn je: einerseits sind Vorschläge gesellschaftlich konsensfähiger Zielsetzungen weiterhin gefordert, andererseits haftet jeglicher Ideologie von vornherein der Vorwurf von illegitimer Konsolidierung der Machverhältnisse, Verschleierung der realen Missstände etc. an.

- Zwiespältig z.B. der Konsumismus: einerseits Handel statt Krieg, ökonomische Globalisierung statt durch religösen oder politischen Fundamentalismus motivierte Auseinandersetzung bzw. fortschreitende ideologische Partikularisierung; andererseits Umweltzerstörung, unaufhaltsames Gegen-die-Wand-laufen einer Industrialisierung, welche sich auf Ressourcen gründet, deren Versiegen unmittelbar bevorsteht.

- Plädoyer: Erneuerung speist sich aus dem Individuellen; katastrophal ist nicht, dass kollektive Systeme mit der Zeit an die Wand fahren, das ist normal; katastrophal ist vielmehr, dass individuelles Potential zur notwendigen Erneuerung von systemischen Kräften aktiv behindert wird: "ein Kreativer hat nur eine kurze Zeit, in der er was reißen kann - wird er solange blockiert, ist sein Potential perdu"; es müssen die richtigen Unternehmer gefördert werden.

- Entgegnung: Unternehmensförderung? Unternehmen werden heute von internationalen Konsortien, die jenseits der nationalen Gesetze stehen, genauso auf die Schnelle ausgebeutet und weggeworfen wie früher von den Unternehmen die gesetzlich nicht ausreichend geschützten Arbeiter. Nicht mehr die "echte" Innovationsfähigkeit bzw. Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zählt, sondern wie diese in einem sehr groben Top-oder-Flop-Auswahlprozess taxiert wird. Hochrisiko-Spiel …

- Frage: Wieso reden alle beim Thema Zukunft immer gleich von der politischen bzw. ökonomischen? Gibt es nicht zahllose andere Gebiete, deren Zukunft relevant ist?
Antwortversuch: Es geht bei der Frage nach der Zukunft v.a. um die prekären Entwicklungen; die Vorstellung des Zusammenbruchs des Wirtschaftssystems liegt halt näher als die Vorstellung des Zusammenbruchs der darstellenden Kunst.

- Um rauszukriegen, welche Zukunft wir wollen, müssen wie die Vergangenheit analysieren und rauskriegen, was sich im Verlauf der Geschichte wirklich bewährt hat.

- Speziell bei der philosophischen Analyse muss es auch dazu kommen, dass die eigenen Denkwerkzeuge kritisch hinterfragt werden; Das “Was denkst du?” reicht nicht, es geht auch um die Metaebene des "Wie denkst du?"

- Wollen wir wirklich so aggressiv bleiben bzw. immer aggressiver werden im menschlichen Umgang? Ist die Ellenbogenmentalität wirklich etwas, das den Kindern anempfohlen werden soll? Sogar Werbung ist heute nicht mehr einlullend, sondern provokativ.

- Überkommene Leitideen werden von einer konservativen Politik künstlich fixiert bzw. als alternativlos dargestellt; Neues passiert heute v.a. in Form eines spontanen, individuell entstehenden Widerstands gegen die Kontrollgesellschaft.

Gegenwart ist zukunftsprägend? Oder: Gegenwart ist von Zukunft geprägt? (Wie Vergangenheit von gegenwart geprägt ist)

Fortschrittsdenken - seit dem 17. Jahrhundert – ist seit einigen Jahrzehnten am Ende
Philosophie als Vergangenheitsbewältigung
Was ist Zukunft, wenn Fortschritt kein Kriterium mehr ist (also aus veränderter Betrachtung der Vergangenheit)?

Verantwortungsauftrag an Menschheit (?)

Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus vs. Wir sind Riesen (die alles vermögen, wenn sie es wollen und sich nicht zu Zwergen machen)

Frage der Individualisierung, Problem der Distanz – wird gelebt als Widerstand
Sensibilisierung in kulturellen Nischen > Gegenkultur
Kreativität als Schlüssel? Oder Freiheit?

T: Wer kreativ ist (sich 'etwas einfallen läßt'), gestaltet Zukunft, ewr 'sich gehen läßt' perpetuiert Gegenwart
aber: 'nichts wollen' kann auch eine Form von Kreativität sein

- Die Geschichte zeigt, dass die wesentlichen gesellschaftlichen Entwicklungen von großen Philosophen vorausgesagt oder sogar vorgezeichnet worden sind. (Philosophische Prognosen können durchaus richtig liegen, also lasst uns welche wagen!) Die momentan evt. prominenteste Disziplin in der Philosophie, die Neurophilosophie, lässt sich z.B. mindestens zurückverfolgen bis zu La Mettrie, “l’homme machine” (1748); einen zentralen, mit freiem Willen ausgestatteten "inneren" Homunculus, der "äußere" Sinnesdaten des Körpers auswertet bzw. "äußere" Handlungen des Körpers steuert, gibt es nicht; monistisches Abstreiten von Descartes' Dualismus; res cogitans wird aufgegeben zugunsten der einzig existenten res extensa; Metzinger, selbst ein materialistischer Monist, sieht in dieser Entwicklung hin zum naturalistischen Weltbild aber durchaus die Gefahr der Stärkung eines vulgären Materialismus; der vulgäre Materialist lebt angesichts seines sicher endgültigen biologischen Todes einen kalten Egoismus, am effizientesten gar unter äußerlicher Prätention "altmodischer" moralischer Ansichten.

- Entwicklung des Zeitgeists Richtung Empirismus: in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts verdrängt die analytische Philosophie, welche von der Logik her kommt, zunehmend die "kontinentale Philosophie" der idealistischen Tradition und versucht sich nach der formalen Auflösung metaphysischer "Sprachmissverständnisse" inzwischen v.a. als philosophy of mind am Leib-Seele-Problem, wobei der natur- bzw. neurowissenschaftliche Ansatz immer prominenterer Faktenlieferant für die Modellbildung geworden ist.

- Von der voraussetzungslos bleibenden Philosophie aus gesehene Gefahr: Science wird totalitär, indem sie ihre Prämissen (Urknall, Evolution etc.) nun für bei weitem ausreichend gesichert hält; nach der pluralistischen Stimmung der 90er und evt. auch noch 00er Jahre wird eine materialistisch-naturalistische Auffassung zunehmend auch außerhalb der einschlägigen Akademie zur Selbstverständlichkeit unter "vernünftigen" Menschen. (Ein Grund: die sich immer mehr dorthin verschiebende Gewichtung entsprechender Fächer in den schulischen Lehrplänen.)

- Narrativität; nach Lyotards soziologischer Auffassung von Religion, Philosophie und Wissenschaft als heterogene Sammlung von Erzählungen nun bei Gottschall in den naturalistischen Kontext gerückt: the storytelling animal - how stories make us human.

- Frage: Sind Freiheit und Kreativität die Trumpfkarten der Zukunftsgestaltung? Gegenfrage: Sind wir nicht dabei, uns diese systematisch abzugewöhnen? Übers Smartphone gebeugte "Head Down"-Generation setzt auf den immer engeren Anschluss ans Internet; "Self Tracking" - man misst und sammelt persönliche Daten in großem Stil und lässt sich per App optimieren, z.B. Fitness; "Big Data" - das Netz kennt dich. Es ist ein Riesenunterschied, ob die Werbung "blind" auf mich schießt oder mir eine auf mich persönlich hin konfektionierte Welt anbietet.

- Reflexive Risikogesellschaft (Beck, 1986); Fokus wandert von der Industrialisierung zu den von ihr verursachten Problemen (z.B. Tschernobyl).

- Bringt Technik uns endlich die heile Welt? Wird Technik überschätzt, bricht das System schnell von selbst wieder zusammen? use the system? destroy the system? Wären gar anarchistische Angriffe auf diese "schöne neue Welt" bzw. dieses "1984" unsere letzte Rettung? Müssen das Einzelne sein (Hacker-Kultur)? Könnte das sogar ein Flash Mob gigantischen Ausmaßes sein (vgl. Fall der DDR-Mauer, von dem kurz zuvor kaum was zu erahnen war?).

Bedeutung der Freiheit für Zukunft
Globalisierung als extremste Verhütungsform von Freiheit

Bedeutung der Privatsphäre
Problemfeld Internet – Befürworter/Gegner der Transparenz
Wo ist der Anfang?
Technikbegriff – als Phänomenfeld, das nicht von Menschen aufgemacht ist
Technik als etwas, das den Menschen umgibt wie eine Helikoptermama (> erweiterter Werkzeugbegriff)

Wenn ich als Kind immerzu unter Beobachtung stehe, stört es mich später nicht (mehr)

Was nicht funktioniert:
Die richtigen Vorbilder sollen's richten
Die Politik soll's richten
Moral und Recht sollen/können/müssen es richten (funktioniert das?)

T. Tertium datur – zwischen Kosmos und Chaos gibt es einen kreatien Handlungsspielraum
Eigendynamik der Dinge ablauschen

Nochmals: Die Zukunft ist auch ncith mehr, was sie einmal war

Zukünftiges Menschenbild:

alteuropäisch 'humanistisch'
neuamerikanisch 'ökonomischer Mensch'

Ende der Politik?

Wissenschaft als weiterer Fortschrittsmotor?

Zeit der monopolistischen Geschichtsbilder ist vorbei – in komplexen Systemen gibt es Unbeherrschbarkeit

Erfindung, dass Erfinder sich mit Geldgerber verbindet (Ende des 18. Jahrhunderts)
T: Neue Erfindung – Durchdringung von Wirtschaft, Wissenschaft etc. durch Liebe

Askese als überzeugendes Argument einer postmateriellen Welt

Wissenschaftliche Rationalität führt in Naturbeherrschung > Naturzerstörung
Vernunft muss asketisch werden (nicht mehr instrumentell sein)
Vernunft ist nicht (nur) Objektivierung (Gefühl, Liebe, subjektive Empfindung – Moral, Sich-ausdrücken-Wollen, Sensibilität: in der Eigenlogik der Dinge lesen)