Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Archiv Gesprächskreisprotokolle: 2016


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Zyklus Der gemeinsame Nenner
Zyklus Lustprinzip / Was ist lustig?


Der gemeinsame Nenner


Ankündigung

Unsere abendländische und globalisierte Welt ist stark bestimmt von den Eigeninteressen von Subjekten, seien es Individuen oder Machtzentren. Diese handelnde Sicht auf die Welt und die menschliche Umgebung birgt viele Probleme, denn sie verliert alles Interesse an Außer-Subjektiven.
Eine Kritik an der hybriden Vorstellung des selbst-bewussten Individuums als Krönung menschlichen Selbst-Verständnisses scheint nötig.
Wir fragen deshalb, was ist

Der gemeinsame Nenner

von je mir und dem je anderen (fremden).

Diskussionsverlauf

Heutige Menschen bei uns eher gegen 'Gleichmacherei'
Wirtschaft will Ungleichheit (Vermögensschere)

Gemeinsamer Nenner sind die Regeln / Gesetze / Verfassung (Menschrechtskonvention > Grundgesetz)
Probleme, weil 'einige' sich nicht daran halten

> Bedingungsloses Grundeinkommen

Andy Wahol: Alle trinken Coca Cola und rauchen Marlboro

Wirtschaftsdiskussion: Positive Bedeutung der Machtzentren (Wissenschaft, Medizin ...)

Einsicht schaffen in Richtung des Neuen Menschen (Konsumverweigerer)
Freiwillig auf eine Freiheit verzichten aus Einsicht, aber auch: 'Man muss diktatorischer drangehen'
Wie kann Integration organisiert werden?
Gefahr der Oktroierung bestimmter Meinungen als 'gemeinsamer Nenner'

Frage nach Absolutheit / Universalismus des 'Gemeinsamen Nenners' (Vergleich Menschenrecht aus Naturrecht vs. Konsensrecht)

kath holos > für alle (katholisches Thema?)

Interesse am Gemeinsamen Nenner bei den 'Benachteiligten' > soziales Thema

'Der kleinste gemeinsame Nenner' vs. Totalitätsanspruch des Umfassenden

Der Kreis hier als 'gemeinsamer Nenner', aber merkwürdige Eigenschaft der Dynamik und Frage, inwieweit wir hier zu gültiger gemeinsamer Sicht kommen

Konsensvorschlag: Weltfriede – abstrakt, winzig in Bezug auf Universum
Kategorischer Imperativ
Eid des Hippokrates
Verantwortungsvolles, gutes Leben (wenig Zahnschmerz, geringe Killerrate in Umgebung …)
Mathematik

Gemeinsamer Nenner als ein Vorgegebenes / als ein Gesolltes
Obwohl die Rechtsgrundlage fragwürdig, ungewiss ist, gibt es funktionierendes Rechtssystem
Unschärfe von realer Lebenswelt und z.B. Physik (als Universalismus)

Kann man aus dem Gemeinsamen Nenner ausscheren?

Wenn es eine zukünftige Menschheit geben soll, dann müssen wir Astronomie und Weltraumfahrt verstärken
Was ist mit denen, die da nicht mitmachen wollen?
Universeller Gemeinsamer Nenner: Wissenschaft, Physik, Mathematik
was kann ein Flüchtling damit anfangen? > Würde des Menschen (vs. IS)

T: Um sich über Gemeinsamen Nenner Gedanken machen zu können, muss ich aus mir herausschauen

T: Gemeinsamer Nenner ist ängstigender Zukunftsraum

Sein vs. Sollen

Warum das Thema?
Gesellschaftliche Problematik, Religion, Weltsinnsuche

Dogmatismus vs. Relativismus

Die Frage selbst ist der Gemeinsame Nenner

T: Politik und Religion sollten (jeweils) gemeinsamen Nenner finden
Gemeinsamer Nenner als Ideal der Gerechtigkeit (gegenwärtige Gegentendenz)

Wo / Wozu brauchen wir den Gemeinsamen Nenner? Warum gibt es den nicht automatisch?
Zumeist kein Gemeinsamer Nenner. Warum?
Bedrohtsein in Individualität, Machtwille, Suche nach eigenem Vorteil

T: Gibt mehrere Gemeinsame Nenner

Gemeinsamer Wunsch und zugleich Mittel: Kommunikation
Homo narrans ein Gemeinsamer Nenner?

Philosophische Beispiele für Gemeinsamen Nenner bei Kant oder in Sein und Zeit – konsensfähige Antworten?

Demokratie als Mehrheitsentscheid, aber mit Minderheitenschutz

- In philosophischer Terminologie ist die Suche nach dem gemeinsamen Nenner vielleicht die Suche nach der unhintergehbaren Substanz von allem, es ginge demnach um (Substanz-)Monismen

- Philosophiegeschichtlich bedeutsam sind v.a. der theistische Monismus (Gott als Substanz), der subjektivistische Monismus (Ich-Bewusstsein als Substanz) und der materialistische Monismus (kleinste Teilchen bzw. Atome als Substanz)

- Zwischenruf: Die Philosophie findet auch keine Lösung, aber ebensowenig ein Ende; sie schafft es nicht zu sterben, das ist die Situation

- Einwand: es gibt neben der Substanzontologie auch die Prozessontologie, die jegliche Substanz abstreitet; der gemeinsame Nenner wäre dann, dass alles entsteht und vergeht, also nichts bleibt, wie es ist (Gegeneinwand: “Das einzig Konstante ist der Wandel” ist paradox)

- Schon wenn einer fragt: “Wie geht es dir?”, braucht man eigentlich eine Referenz bzw. einen gemeinsamen Nenner, ansonsten müsste man zurückfragen: “Im Vergleich womit?"

- Der gemeinsame Nenner klingt so nach Anpassung – wo jeder mutig zu seiner Individualität steht, braucht es keine Vereinbarungen; der Staat etwa ist so ein Monstrum, das alle gängelt; die ängstlichen Bürger geben ihre Freiheit für vermeintliche Sicherheit her

- Einwand: wenn der Staat nicht wäre, könntest gerade du deine Individualität gar nicht leben, weil ein paar Psychopathen an der Macht wären, die stärker sind als du, dich unterwerfen bzw. dir deine Individualität verbieten bzw. gar mit dem Tod bestrafen

- Gemeinschaftlich sinnvoll wäre eher der individuelle Machtverzicht als die individuelle Machtergreifung

- Die Menschen sollten eine Art von Mönchen werden, sich auf Grundsätzliches (etwa das richtige Atmen) besinnen und statt des westlichen Aktionismus lieber auf das östliche Nicht-Tun (Wu-Wei) setzen

- Beispiel Westerwelle bei Jauch – Protagonist des Neoliberalismus mit Egobotschaft lernt Loslassen: “Das sollen die jetzt mal machen!”

- Von wegen östliche Gelassenheit vs. westlicher Aktionismus – China ist auch ein Industrie-Riese, dort trägt man schon Masken gegen den Smog; Industrie (industria, Fleiß) als gemeinsamer Nenner?

- Ja, und noch schlimmer als mit den paar reichen industriellen Staaten (evt. schon an der Schwelle zu postindustriellen) wird es mit den vielen armen präindustriellen Staaten, die alle industriell werden wollen

- Wenn wir den gemeinsamen Nenner anstreben, müssen wir von den Kindern lernen, denn die sitzen sozusagen noch an der Quelle – aber die Erwachsenen formen sie nach ihrem Bilde, treiben sie zur Eile an

Ruhige 'Befürworter' und lautere 'Gegner' (Besorgnis Richtung Gängelung)
Aber wir fragen uns das alle, was es mit dem Gemeinsamen Nenner auf sich hat

T: Das Wir ist der Gemeinsame Nenner
lebenswichtig, überlebenswichtig
Wir als Gefängnis?
Wo fängt das Wir an?
Ist das Verständnis des Gegensatzes von Ich und Wir richtig? Kategorisierung: ja, Gewichtung: nein
Dominanz des Wir?
Wir sind zusammen / Ich bin bei euch
Autist der hier nicht switchen kann – Pathologisierung?
Aufdringlichkeit der anderen in der Lebenswelt
Kriterien des Wir: Entschluss, auf andere zu achten (?)

- Wenn der gemeinsame Nenner das “Wir” ist, bis wohin soll dann dieses Wir gehen? Wer oder was gehört noch dazu und wer oder was schon nicht mehr?

- arabisches Sprichwort: "Ich gegen meinen Bruder; ich und mein Bruder gegen unsere Vettern; ich, mein Bruder und meine Vettern gegen die, die nicht mit uns verwandt sind; ich, mein Bruder, meine Vettern und Freunde gegen unsere Feinde im Dorf; sie alle und das ganze Dorf gegen das nächste Dorf.”

- Spruch an einer psychoakustischen Versuchskabine: “Eine Versuchsperson ist wie keine andere Versuchsperson; eine Versuchsperson ist wie einige andere Versuchspersonen; eine Versuchsperson ist wie die meisten anderen Versuchspersonen; eine Versuchsperson ist wie alle anderen Versuchspersonen.”

- Gemeinsame Nenner sind zumeist Verhandlungssache; man kann sie halt nicht messen oder berechnen, wenn es um Ebenen überhalb des streng positivistisch bzw. streng logisch Erfassbaren geht, also bleibt uns nichts anderes übrig, als sie debattierend zu erarbeiten

- These: wichtiger für eine Gemeinschaft als der allen Individuen gemeinsame Nenner ist das Sich-gegenseitig-Ergänzen der Individuen – gerade weil ich das ein oder andere nicht habe/bin/kann, brauche ich den Gegenpart, der es hat/ist/kann

- Frage dazu: braucht die Gemeinschaft jeden möglichen Gegenpart? Sollen selbst noch die vorsätzlich Bösen integriert werden? Oder braucht jede Gemeinschaft ihren außerhalb liegenden Orkus für die notorischen Abweichler?

- Das erste falsche Ausgrenzen aus dem Wir besorgt doch schon der Materialismus; die Behauptung der “toten Materie” als Substanz von allem, mit der wir machen können, was wir wollen, ohne deshalb ein schlechtes Gewissen haben zu müssen

- Entgegnung: aber das Starke beutet das Schwache aus; wer bzw. was nicht neinsagen bzw. sich widersetzen kann, wird ausgenutzt; an dieser natürlichen Hierarchie kommt keiner vorbei; Bäumeumarmer können auch nur auf symbolische Art eins mit der Natur werden

- der Verlockung, in der Gemeinschaft aufzugehen, darf man nicht nachgeben; das Uniforme bzw. der Gleichschritt gibt Diktatoren die Möglichkeit, Unheil im großen Stil anzurichten; man könnte fast sagen: die Menschen sollen ruhig Dummheiten machen, bloß nicht alle zugleich dieselbe

- Religion/Kirche und Kommunismus/Sozialismus lasten dem Atheismus bzw. Kapitalismus das Grassieren eines Individualismus an, dem die gemeinsamen Nenner zum Opfer fallen

- These: der Individualismus ist gegen den vorgenannten Kollektivismus in Schutz zu nehmen, sehr wohl aber ist ein Übergang von der materiellen Äußerlichkeit zur geistigen Innerlichkeit anzustreben

- Frage: warum immer Entweder-Oder, gibt es nicht auch einen gemeinsamen Nenner von Individualisten und Kollektivisten, von Innerlichkeit und Äußerlichkeit?

- Antwortversuch: kommt drauf an, wes Geistes Kind man ist – als mystisches Ineinsfallen der Gegensätze sowieso, eine philosophische Synthese der Gegensätze wäre evt. zu erarbeiten

- Einwand: der Begriff "gemeinsamer Nenner” steht doch eher für Schnittmenge als Vereinigungsmenge, eher für Minimalkonsens als maximale All-Einheit (evt. Unterscheidung zw. kleinstem und größtem gemeinsamen Nenner?)

- “Der gemeinsame Nenner der Leute in meinem Freundeskreis: alles Individualisten"

- Kritik: solche Modelle wie etwa das obige mit zwei Gegensatzpaaren (individuell/kollektiv und innerlich/äußerlich) sind zu schlicht, um in unserer komplexen Welt noch Gültigkeit bzw. Legitimität zu haben

- Verteidigung: Philosophie darf erst mal stark abstrahieren, um (hypothetisch) Wesentliches herauszuarbeiten, für die nähere fachliche Beurteilung in Wissenschaft oder Politik mag das zugegebenermaßen nicht gelten

- These: der gemeinsame Nenner sollte das allgemeine Streben nach einem gesunden Leben sein

- Einwand: das ist ideologisch

- Gegenvorschlag einer möglichst unideologischen These: der gemeinsame Nenner ist, dass wir alle Seiende sind

- Einwand: nichts gegen ontologische Betrachtung, aber ohne nähere Bestimmung ist diese Aussage trivial

- Haben die Philosophen einen gemeinsamen Nenner, vielleicht die Jagd nach Heureka-Erlebnissen mit evt. daraus folgenden Weichenstellungen für’s Leben?

- Anmerkung dazu: “Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält, oder ein ganze Reihe von Geschichten.” (Max Frisch)

- noch eine Anmerkung dazu: Weichenstellungen werden i.a. erst in der Rückschau bewusst, “solange die Schwabinger Krawalle im Gange waren, fanden wir als Beteiligte die Situation in erster Linie lustig”

Ein anonymer Zwischenruf außerhalb der gemeinsamen Diskussion:

Mir fällt schon während des ganzen Zyklus auf, dass der gemeinsame Nenner interessengesteuert ist. Die Religiösen wollen Gott als gemeinsamen Nenner, die Kapitalisten den Konsum, die Individualisten das Subjekt, die Kollektivisten das Koinon, die Philosophen den Grund, die Esoteriker und Buddhisten das gesunde Leben und so weiter und so fort.

Was wäre, wenn es weder einen Minimal-Konsens geben würde, noch gar einen gemeinsamen Nenner, sondern nur die wütende und gleichgültige Natur, der wir ausgesetzt sind. Ob wir es wollen oder nicht. Wir sind ein Teil eines Universums, dessen Grösse wir nicht im Entferntesten abschätzen können. Und sehr wahrscheinlich nicht alleine. Wir sind ausgestattet mit einem Körper, der einer Vielzahl von Imponderabilien ausgesetzt ist, aussen wie innen.

Die Frage ist nicht, was wir tun können oder sollen. Es ist überhaupt keine Frage. Es ist nur die unvermeidliche und ewige Folge der Ereignisse und Epochen. Wir werden nicht aufhören zu "machen". Alles werden wir machen, das ist in unserer überwiegenden Natur. Das Menschliche und das Unmenschliche. Im 24. Jahrhundert werden wir Geschichte sein und die Menschen werden uns genauso belächeln, wie wir das heute gelegentlich tun, im Hinblick auf längst vergangene Zeiten. Sie werden sagen, die postindustriellen Barbaren machten sich Sorgen um Herzinfarkte und hatten Geräte, die sie Computer nannten. Unser heutiges Dasein wird sich verglichen mit unseren Nachfahren so darstellen wie "Schiffe versenken" zu "Schach".

 ***

Gemeinsamer Nenner ist gemeinsamer Feind (Natur)
Gegenthese: Letztlich immer gegen uns selbst gerichtet

T: Feind des Mannes: er selbst - Feind der Frau: die andere

Kritik am Gemeinsamen Nenner: Ende des Wunschkonzerts
Gemeinsamer Nenner ist das Gesetztsein in Natur - und das ist gut so
> Wenn was schief läuft, dann ist der 'Nachbar' schuld

Gesetztsein in Natur ist das eine, es gilt aber auch zu beachten: Als Mensch gesetzt
'Projekt Mensch' - offene 'Aufgabe'

Gibt es eine Sehnsucht nach einem Gemeinsamen Nenner?
Sowohl die Brexit Leaver als auch die Remainer spekulieren nach der Abstimmung mit einem Gemeinsamen Nenner

Gemeinsamer Nenner: Liebe / Eros-Thanatos

GN Hölle: Was Menschen alles tun, um diesem Jenseitsaspekt zu entgehen

Sprache als Gemeinsamer Nenner > Musik (als übergreifende Sprache)

Das leidende Wesen Mensch (Leidensgemeinschaft als GN), das sich freuende Wesen > anthropologische Konstanten (?)

Vom Homo erectus (sich zeigen) zur Verletzlichkeit

T: GN ist Macht und Knechtschaft / Genie und Masse

Konstante Erfahrung eines gemeinsamen Nenners, ohne das in Worten ausdrücken zu können > weil der Gemeinsame Nenner so


Lustprinzip / Was ist lustig?


Ankündigung

Begriffsklärungen, die nächste.

Was ist eigentlich

das Lustprinzip,

dem wir alle so gerne folgen?
Tun wir das tatsächlich?
Und überhaupt:

Was ist lustig?

Diskussionsverlauf:

- Nietzsche musste, um philosophiehistorisch anknüpfen zu können an die noch ungezügelte Lust, bis vor die sokratische Antike zurückgehen, etwa zu den ekstatischen Praktiken des Dionysoskultes

- Demnach gab es vor der klassischen Philosophie eine archaische Epoche der Lust, nach der klassischen Philosophie holte erst die unernst-ironisch gestimmte Postmoderne die Lust wieder aus der Versenkung

- Dazwischen zwei Jahrtausende Ernst, Pflicht und Entsagung; als Lustphilosoph par excellence galt Epikur, der als Nachsokratiker schon eine asketische Form der Lust lehrte, definiert als Abwesenheit von Schmerz

- Besonders die Religion war/ist humorbefreite Zone; und es steht zu befürchten, dass sie wieder Aufwind kriegt; man sollte nicht glauben, wie viel Platz in den Medien die Religion (noch bzw. wieder) einnimmt

- Wir sind erst kürzlich wieder bei der echten Lust angelangt; statt nach dem langfristigen Glück auf Basis göttlicher Vernunft suchen wir jetzt erneut nach dem kurzfristigen auf Basis tierischen Vergnügens

- Ist das evt. auch eine Art der Ernüchterung, werden wir realistischer und damit bescheidener? Zurückfahren des hehren geistigen Glücksideals auf Befriedigung der schnöden physisch-psychischen Triebe?

- Dringende Empfehlung, auf die eigenen Emotionen zu hören; "ich bin Hedonist, habe all meine Lebensentscheidungen getroffen, indem ich stets den lustvolleren Weg wählte”

- "Lust hat eine 'negative Presse', aber sie überzeugt mich unmittelbar; ich besuche z.B. einen Kurs, wo man die Kunst des Liebens lernt"; die Lust ist zwar immer momentan, aber man kann sie immer wieder haben

- Ratten, denen man eine Elektrode ins Lustzentrum ihres Hirns einpflanzt, damit sie jenes per Knopfdruck selbst stimulieren können, machen gar nichts anderes mehr, bis sie sterben

- Zu viele Grillen, zu wenige Ameisen: Gefahr der Dekadenz; wenn keiner mehr arbeiten gehen will, alle nur noch ihrer Lust frönen wollen, dann stürzt die Menschheit ins Verderben

- Lust ist evt. auch viel subtiler als wir sie hier postulieren; den selbstverständlich scheinenden Begriff lieber meiden, vorsichtig herantasten, statt uns gleich als Lust- bzw. Spaßgesellschaft zu diffamieren

- Gegenthese: Wir leben heute lustfeindlicher denn je; "alle sind grad auf veganer Diät"; je wohlhabender einer ist, desto krampfhafter überlegt er, was er sich bzw. seinem Körper noch alles versagen könnte

- Keiner hat mehr die für echte Lust unabdingbare Muße und Aufmerksamkeit; "keiner lässt sich meine hochwertige Schokolade auf der Zunge zergehen - alle schlingen sie rein als wäre sie was minderwertiges”

- Unsere Sinneskanäle sind zugestopft mit einem Zuviel an allem, daran ist die kapitalistische Überflussgesellschaft schuld; "wenn ich im Laden vor den zahllosen Angeboten stehe, könnte ich weinen"

- Empirische Studien beweisen: der Mensch ist mit weniger Auswahl glücklicher; Gegenthese: Der Mensch will Vielfalt; solche Studien sollen nur die moderne Konsumgesellschaft desavouieren

- In der U-Bahn trifft man keine Menschen mehr, nur noch in die virtuellen Welten ihrer Smartphones abgetauchte Zombies (sog. Smombies) - "in so einer Welt mag ich eigentlich gar nicht mehr leben!”

- “Aber ich mag da leben! Mein Mobiltelefon ist ein tragbares Fernsehstudio und noch tausenderlei anderes"; wer nicht mit der Zeit geht, verpasst den ganzen Spaß; heute überbietet Lust an der Technik Lust an der Natur

- Es geht um die Emanzipation zur Lust; “ich bin ein ganzes Leben lang aus dem gesellschaftichen Hamsterrad nicht rausgekommen; erst im Alter habe ich es geschafft, da auszusteigen”

- “Lust empfinde ich v.a. dann, wenn ich etwas gut kann”

- Aber wir werden gesellschaftlich auf Wettbewerb bzw. die Lust am Sieg abgerichtet, suchen die Lust also gerade nicht in der Selbsterfahrung, sondern im ständigen Messen an unseren Konkurrenten

Zwischen Ausgelassenheit und Disziplin

Zusammenhang Lust - Trieb? unklar

Lustprinzip vs. Realitätsprinzip / Pflichtprinzip
(Realitätsprinzip: durch Druck von Außen internalisiert)

Angstprinzip und Vermeidungssteuerung
Lustfeindlichkeit (durch Religion?)

Lust ersetzen durch Begehren? - Wiederherstellung / Heilung eines nicht mehr Erreichbaren

Katharsis (Aristoteles) - Spiel auf dem Theater statt realer Krieg / Katharsis im Erleben der Zuschauer / Asket, der nach innen statt außen schaut

Bedeutung des Maßhaltens im Sinne von 'nicht bis zum Exzess gehen'
sonst zerstört Lust sich selbst?

Lust nicht alleine im positiven Sinne, auch Enthemmung > Aggression / Destruktion

Faktor der Gewöhnung - Bedürfnis der Abwechslung aus Eintönigkeit

Von vorn herein (lebensgeschichtlich) Ablenkung von der ursprünglichen Lust (Frustration, Verschiebung)
'Kann Lust nicht wirklich ausleben' als anthropologisches Prinzip > Lust nicht unhinterfragbar
Nicht (allein?) durch hindernde Umwelt?
Burnout: Lust stößt auf unpassende Realität > Frustration (?)

Divergenz ekstatisches Erleben - Lust (>Geniesser)

Bedeutung des Minderwertigkeitsgefühls als Ausdruck des Durchsetzens (Kompensation)

Burnout

Lust stößt auf unpassende Realität > Frustration

Bsp. Fußball – Ideal des Kampfes / immer für den Stärkeren; David-Goliath-Situation
Bsp. Gröhlen als Lustausdruck?

Solange Denken nicht dazukommt – immerzu nach Lust suchen
Antike: Brot und Spiele
Narr ist Installation der Herrschenden

T: Lust nicht selbst herstellbar / Konsumprozess
Gegenbeispiel Künstler

Lust als Moment von Befreiung

Verhältnis Philosophie – Psychologie
Metaphysik: Lust als Zweck
Biologie: Lust als Mittel

Lust als das bejahende Prinzip – Konventionen, die einschränken
auch: Konditionierung der Lust

Ver-Lust: vermiesen, sanktionieren

Schlecht für die Lust ist die Erwartungshaltung

Schadenfreude als Befreiung von eigenem Schaden

Differenzierung von Lust und dem, was lustig ist
Zeitgemäßheit von Satire, Kabarett, Witz mit archetypischen Wurzeln
Lust kann ansteckend sein und Lust kann genommen werden

Glück und Lust

Mehr an Lust im Sinne von Wahrnehmen der Lust (?)

Lust in Bezug auf Privatheit (und heute: Auflösen der Privatheit)

Lust als Gegenwert von Würde

Epikur nicht, wie oberflächlich oft gemeint, Hedonist / luststrebend, sondern Umlustvermeider
T. Lustprinzip Moment der Jugend / Unlustvermeidung Thema des 'Seniorenbereichs' (nicht grau, sondern angenehm)

Lust etwas anderes als Freude

Frage der Authentizität (bzgl. Altersunterschieden)

Lust als radikales auf den Moment Gehen? (als Privileg der Jugend?)

Freud: krank durch gehemmte Lust

Problem der Unternehmungslust

Problem der Lust am Negativen (Aggression, Hass)
Zusammenhang Lust – Katharsis?
„Macht kaputt, was euch kaputt macht“ als lustbetont zu verstehen

W. Reich: Soziales Leben gewinnt durch sexuelle Befreiung
Umkehr: Sexualität als Mittel des Abhängigmachens im Kapitalismus

Grusellust / Angstlust
gar nicht ausgemacht, was alles Lust machen kann

Unterscheidung Lust auf etwas – Lustempfinden
Unterscheidung Lust – Fun

Warum gibt es so viel Lustfeindlichkeit in der Menschheitsgeschichte?

Was ist lustig?

T: Lust hat immer mit Über-Heblichkeit zu tun

Vier Aspekte: Lust-Unlust, Neutral/Askese, jenseits dieser drei

inflationärer Begriff, der ernster genommen werden will/soll
Abgrenzung Fun / kommt nicht an die Emotionalität heran

Wissenschaft als Arbeit oder Vergnügen?

Lust sehr persönlich
zu empfinden und zu benennen
aber damit auch 'Freiheit', sie auszuleben oder zurückzustellen etc.

T. Zu viel Lust, zu wenig Wissenschaft in unserer kulturellen Gegenwart
Warum dieser Widerspruch?

Lust als Loslassen von Disziplin

Arbeitsaufwand, der hinter dem Erschaffen von etwas Lustigem steckt – Befriedigung/Flow im Arbeitsprozess als Ideal (?)

Lust kann man nicht bestellen, muss kommen

T: Beim Sex denkt man nicht an Fortpflanzung (obj. Grund Fortpflanzung, subj. Grund Lust)
Verhältnis Sex – Lust – oder geht es bei Sex um anderes (Macht?)?
Sex als Kommunikationsform
in jeder Kommunikationsform spielt Macht eine Rolle
Emotionaler Aspekt Nähe mit hochgradiger Möglichkeit von Verletzung / Basis der Suche nach Nähe

T: Wo keine Liebe entsteht Macht

Warum Sex?
Bedürfnis nach: Lust empfinden, Nähe, Auflösung der Individualität / Entgrenzung / Selbstvergessen /Auflösung Körperlichkeit (?)
Liebe und Macht nicht zwingend dabei (aber sehr oft)

Sind wir primitive Lüstlinge? Und ist das zu verachten gegenüber den Versuchen, da heraus zu kommen?