Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Archiv Gesprächskreisprotokolle: 1989


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Es werden hier nur ausgewählte Protokolle veröffentlicht. Diese Protokolle wurden nicht an die Teilnehmer des Gesprächskreises verteilt. Teilweise (in diesem Jahr insbesondere im Frühsommer, aber auch gegen Jahresende) waren die Themen für die Diskussionsabende ohne Zyklus-Horizont, teilweise durch Aktualität überlagert (Auflösung der DDR).


Zyklus Verantwortung:
Begriff Verantwortung
Euthanasie
Gesundheitsreform
Theorie der atomaren Abschreckung
Hans Jonas - Das Prinzip Verantwortung

Zyklus Macht und Moral (keine Protokolle)

Themenabende Ewige Wiederkehr


Verantwortung


18.1.89 Begriff Verantwortung

Ist der Mensch überhaupt in der Lage, Verantwortung zu übernehmen? Warum soll der Mensch überhaupt Verantwortung übernehmen?
Verantwortung für andere ist Fortsetzung der Verantwortung für mich selbst aus Eigennutz (?); wenn ich Verantwortung übernehme, habe ich Kontrolle; "du mußt Verantwortung für dich übernehmen, heißt, du mußt dich so verhalten, daß wir nicht für dich verantwortlich sein müssen". Wer setzt die Werte, was verantwortlich ist? Verantwortungsfrage vor der Entscheidung, oder erst im Nachhinein die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen? Hat ein Idol Verantwortung für das, was seine Anhänger machen durch seine Wirkung? Verantwortungsloses Leben bedeutet innere Stärke?


1.2.89 Euthanasie

Anläßlich 'mordender' Krankenschwestern Wien. Begriff: Schöner oder leichter Tod.
Platon: Aussetzen mißgebildeter Kinder. 3. Reich: Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens.
Natürliche E.: >Coma, Hinüberschlummern ohne Hilfe von außen.
Indirekte E.: Hilfe im Sterben (Schmerzmittel, die evtl. tödliche Wirkung haben).
Passive E.: Hilfe durch Sterbenlassen (lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen).
Aktive E.: Hilfe zum Sterben (tödliche Injektion)
Rechtlich: Beihilfe zur Selbsttötung straffrei, aber Außenstehender muß alles versuchen, um Selbstmordgefährdeten von Handlung abzubringen; passive Sterbehilfe: Tötungsdelikt durch Unterlassung; aktive Sterbehilfe: echtes Tötungsdelikt § 212 (> 5 Jahre), Tötung auf Verlangen § 216 (1/2-5 Jahre)
Hippokrates: Niemandem werde ich ein tödliches Gift verabreichen oder nur anraten, selbst wenn er darum bitten sollte.
Genfer Deklaration (1948): Selbst unter Bedrohung werde ich mein medizinisches Wissen nicht entgegen den Gesetzen der Menschlichkeit anwenden.
Wer entscheidet, welches Leben lebenswert ist? Ist es eine Anmaßung, einen Selbstmörder nicht sterben zu lassen? Verantwortung übernehmen, jemanden sterben zu lassen, und Verantwortung übernehmen, jemanden leben zu lassen. Erhaltung des Lebens als Wert ist Konvention. Hat man auch Verantwortung, sich Gedanken über Leben, Tod, Wesen des Menschen zu machen?


15.2.89 Gesundheitsreform

Gesetzestext über Rotes Kreuz bekommen, Gesundheitsreformbroschüre verteilt
Durch Gesetzesinitiative etwas in Bewegung bringen - geht das überhaupt? Gesundheit muß bewußt gemacht werden, geht nicht durch finanzielle Druckmittel. Was heißt es, daß nicht der Einzelne allein für seine Gesundheit verantwortlich ist? Lebt man nur aus Unwissenheit ungesund? Wie verhält sich Selbstdestruktion zu heute gesteigertem Gesundheitsbewußtsein? Gibt es eigentlich keine Selbstdestruktion, weil jeder gesund leben will? Sind Politiker die passenden Verantwortlichen?


1.3.89 Theorie der atomaren Abschreckung

Zur Magisterarbeit von Wolfgang Pichler.
Zum Begriff Abschreckung (Forderung: Anschauen ohne normative Forderungen, Ist-Zustand verstehen):
Strategie: Als technische Interpretation der Bedrohung; tritt auf als Krisenmanagement; beherrscht von Aporien, Dilemmata, Paradoxien (Beispiel: NATO-Flexible response - soll noch funktionieren, wenn halbe Menschheit ausgerottet); Menschenleben spielen fast keine Rolle. > Anderer Abschreckungsbegriff (nicht technisch).
Institutionalisierte Lebenspraxis (deshalb auch Problem für die Philosophie): (technische Interpretation spielt nicht mehr die Hauptrolle) Rückhalt für Strategen (Bereitschaft für Einsatz); auch hier Aporien, Paradoxien: Gewißheit des kollektiven Todes? Absurdität des menschheitlichen Todes nicht zu fassen, in ihr gilt es aber, sich 'häuslich' einzurichten. Sicherheitsbedürfnis (Verleugnung der Bedrohung), Perfektionieren der Sicherheitsmaßnahmen unterstütze Abschreckung; Angst soll sein vs. Angst darf nicht sein.
Problemfeld: konkrete-abstrakte 'Vorstellungen' - jenseits aller Verarbeitungsmöglichkeiten.
Philosophisches, psychologisches, ökonomisches Problem?
Leichter oder schwerer, mit eigenem bzw. mit kollektivem Tod zurechtzukommen?


15.3.89 Hans Jonas - "Das Prinzip Verantwortung"

Verantwortung für Kinder, Verantwortung für das Sein; was bedeutet Zukunft für uns, denken wir im Handeln an die Folgen? Man kann für Kind nicht verantwortlich sein, weil Naturprodukt; Verantwortung wird als Begriff so aufgebläht, daß man ihn nicht mehr praktisch anwenden kann, daß man nur über Abstraktionen an ihn herankommt.


Macht


Diskussionsverlauf

Zyklus Macht und Moral

Keine Protokolle zu

5.4. Rushdie-Kohmeini-Kontroverse
19.4. Macht, Moral und die Ohnmacht des Einzelnen
3.5.89 Europa (Wahl)
7.6.89 Aufstand in China
21.6.89 Europawahl (zu den Ergebnissen)


Ewige Wiederkehr


Diskussionsverlauf 4.10., 18.10.89

Gibt es nicht: ständiger Wandel. Braucht man durchgängiges Ich (kann Illusion sein)? Verschiedene Ich-Begriffe in Philosophiegeschichte. Ewige Wiederkehr des Gleichen als ethisches Projekt. Ist ein Ich-habe-es-nicht-so-gewollt überhaupt möglich? Wonach richtet man sich da? Heißt Ich-habe-es-so-gewollt, daß man alles tun kann? Wie kommt Nietzsche auf den Gedanken? Wo kann man ihn einsetzen? Kann das als Entschuldigung gemeint sein? Muß die Außenwelt beständig sein? Welchen Sinn hat das Leben, wenn sich alles wiederholt?
Identitätsfrage als der rote Lebensfaden eine Illusion; jetzt: Nietzsche: Ich habe es so gewollt.
Muß immer Not entstehen, damit Menschen etwas machen. Es ist alles schon mal gesagt worden. Fehler machen im Leben und wie man dazu steht. Wer nicht auf seine Kosten kommt ist selbst schuld. Die Gemeinschaft ist so gut wie der Einzelne.