Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Archiv Gesprächskreisprotokolle: 1990


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Während des ganzen Jahreslaufes ergab sich das eine aus dem anderen. Die Themen assoziierten sich von Abend zu Abend und vorgeschlagene Zyklen-Themen entwickelten sich anders als vorgesehen oder wurden gar abgewandelt und ersetzt. Dies entspricht allerdings nicht einer mangelnden Diskussionsdisziplin, sondern ist im Rahmen des Philosophischen Gesprächskreises (nach wie vor) erlaubtes, wenn nicht gar gewünschtes Vorgehen.

Die hier ausgeführten Protokolle sind Gedächtnisnotizen, die nicht an die Teilnehmer weitergegeben wurden.


Einzelabend zum Thema Feindbild (keine Unterlagen)

Zyklus Denken:
Keine Bücher mehr - Kleist: Über das Marionettentheater - Denken? - Denken und Dialog - Nichtsprachliche Mitteilung und Aufnahme von Gedanken.

Themenabende Was wird man in 20 Jahren über den Sozialismus denken?

Einzelabend zum Thema Naturalismus-Realismus-Streit

Zyklus-Versuch "Alles schon mal dagewesen"

Zyklus Wahrheiten:
Wahrheiten I; Wahrheiten II; Mord und Verantwortung; Aktivität und Passivität.


10.1.90 Feindbild


Denken


24.1.90 Autorität - "Keine Bücher mehr!"

7.2.90 Kleist - Über das Marionettentheater

Ausgehend vom Ende der letzten Stunde, daß Wissen dazu führt (führen kann), daß Unterschiede und Pluralismus eingeebnet/vereinheitlicht wird (Kulturbeispiele: Coca Cola, Hamburger; Bulgaren wollen US-Bundesstaat werden): Denken stört den 'geglückten' Lebensablauf?
> Neue Ansätze: Meditation-Denken, Denken als Tätigkeit und Denken über das Tun, Mitteilung der Gedanken und eventuelles Scheitern.

21.2.90 Denken?

Weiter mit Denken als Tun und Denken des Inhalts (denkende Reflexion auf das Denken selbst).

7.3.90 Denken und Dialog

Was passiert beim Mitteilen der Gedanken; warum versteht man sich oft nicht? Beispiel: Alice hinter den Spiegeln.
Denken dazu da, um den Dingen einen Namen zu geben, um das Unbekannte auch zu begreifen; Gleichsetzung oder Unterscheidung von Ding und Name?

21.3.90 Nichtsprachliche Mitteilung und Aufnahme von Gedanken

Künstlerische Mitteilung: Will der Künstler etwas sagen? Dialog mit dem Zuschauer?


4.4., 25.4.90 Was wird man in 20 Jahren über den Sozialismus denken?


Diskussionsverlauf

Menschen unterwerfen sich blindlings den Verhältnissen; von einer Abhängigkeit in die nächste. Einzelner kann historischen Lauf nur im kleinen bewegen. Diskussion zu wahren und falschen Bedürfnissen. jeweils erreichte Kulturform setzt Kriterium wahre Bedürfnisse (?) Recht auf Lust und Glück?
Politisch; zur Frage, ob Inhalt des 'sozialistischen Ansatzes' sich durchsetzt, obwohl 'Sozialismus' als Bewegung diskreditiert ist? Beispiel DDR: Menschenverachtende Maßnahmen kommen nur in zivilisierten Kulturen vor. Ideologiestreit überflüssig, weil das, was bisher unter Namen Sozialismus definiert war, sich unter anderem Begriff weiterentwickelt: als Inhalt hat der Sozialismus sich durchgesetzt (?)


18.7.90 Naturalismus vs. Realismus


Diskussionsverlauf

NATURALISMUS: Alles aus Natur erklären. Ethik: Sittlichkeit aus natürlichen Trieben. Ästhetik: In künstlerischer Gestaltung der natürlichen Wirklichkeit und im Herausarbeiten des unverfälscht Naturhaften die Aufgabe der Kunst.
REALISMUS: Im Gegensatz zum Nominalismus: An Ideenlehre anknüpfend; Allgemeinbegriffe vor den individuellen Dingen. Erkenntnistheorie: Im Gegensatz zum Idealismus: Gibt unabhängige Wirklichkeit und wir kommen durch Wahrnehmung und Denken zu ihrer Erkenntnis. -> Kritischer Realismus: Entsprechungen, hypothetisches Näherkommen. Ästhetik: Im Gegensatz zum Formalismus (Durch Bedeutung des Gegenstandes) und Subjektivismus (durch Verpflichtungsgefühl, sich vom naturgemäßen Gegenstand nicht willkürlich zu entfernen)
NOMINALISMUS: Allgemeinbegriffe nichts Wirkliches, sondern nur Namen.

PROTOKOLL:
Naturalismus und Realismus als moralisch-ethische Kategorie; z.B. Piktogramme als erkenntnistheoretisches Problem (Verweis "Name der Rose": Nominalismus-Realismus-Streit).
These: Real ist die Welt in der wir leben, Natur ist die Welt die wir uns wünschen - Natur ist alles, Realität ist ein Ausschnitt mit dem wir umgehen. "Sei mal realistisch", "sei mal natürlich".


"Alles schon mal dagewesen"


Ankündigung 28.8.1990

Mit dem Herbstsemester starten wir nun in das 8. Halbjahr unseres Philosophischen Gesprächskreises zu aktuellen Themen. Bei solch einem 'alteingesessenen' Unternehmen ist es immer gut, neue Teilnehmer mit neuen und erfrischenden Ansätzen aufzunehmen; wir möchten also herzlich einladen, an unserer Runde teilzunehmen.
Und wenn es um Neues oder zumindest einen Neustart nach den Ferien geht, was liegt da für einen Philosophischen Kreis näher, als dies auch gleich zum Thema zu machen.
Wir wollen deshalb am 12. September beginnen mit einer Diskussion zu dem allgemeinen Satz "Alles schon mal dagewesen". Zwei Möglichkeiten können uns in unserer Auseinandersetzung leiten:
Stimmt solch ein Satz überhaupt? Und: Inwieweit könnte ein philosophischer Ansatz in der Betrachtung von allen möglichen Phänomenen und Sachverhalten etwas Neues darstellen?
Darauf aufbauend wollen wir uns sodann 14-tägig treffen, um uns gemeinsam mit verschiedenen Themenbereichen zu beschäftigen. Die einzelnen Themen sollen bei dem ersten Treffen, aber auch mittelfristig in der Folge gemeinsam abgesprochen werden.

12.9.90 "Alles schon mal dagewesen"

Naturkreislauf wiederholt sich ständig, Emotionen sind gleich, Technik setzt als einzige Neuigkeiten, Mensch ist aber dank seiner Individualität unwiederholbar; mit dem Leitsatz will man nichts an sich herankommen lassen.
Kreisförmigkeit - Gradlinigkeit - Spiralform
Man macht was Neues, damit es nicht so langweilig ist; Aspekt Mode.
Zwei Positionen: Wahrheit war schon immer und gleich da - stete Erkenntnisannäherung vs. Wahrheit entwickelt sich als konkreter Zustand ( bspw. Hegel) (3. Position: gibt gar keine Wahrheit)
1. Position: > Wahrheit als Reaktion auf unverständlich Neues-Fremdes; bei Wahrheit bleibt kein Ungenügen; Einordnung in Gesetze


Wahrheiten


10. und 24.10.90 Wahrheiten

Zielbegriff, Wesensbegriff oder überhaupt?; Wahrheit in Zusammenhang mit Inhalten?; Natur-Wahrheiten und Beliebigkeiten; Subjektive Philosophie > Problematik
Rationale Begründung und Erleuchtung; Religionsstifter; Unbefragte Grundlagen, was für wahr (richtig, gut) gehalten wird.

7.11.90 Mord und Verantwortung

Die Frage, inwieweit es 'sinnvoll' ist, durch Setzen einer Tat Wahrheit (Wirklichkeit) zu konstituieren, um daraus eine verantwortliche Position beziehen zu können
Subjektive Wahrheit > praktische Wahrheit, Verantwortung. Mörder hat mehr Verantwortung für sein Tun als normaler Mensch; mörder unmenschlicherer Mensch? Was machen Menschen, wenn es keine Gesetze gibt? Strafe als Abschreckung, Strafe als Bestrafung? Kann Staat es nicht zulassen, daß man sein Leben selbst in die Hand nimmt? Warum tut man bestimmte Dinge nicht? Wird uns durch Kriminalität des anderen Spiegel vorgehalten?

12.12.90 Aktivität und Passivität

Warum eigentlich etwas aktiv tun und nicht sich zurückziehen ins Biotop?