Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Archiv Gesprächskreisprotokolle: 1996


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Die hier ausgeführten Protokolle sind Gedächtnisnotizen, die nicht an die Teilnehmer weitergegeben wurden.
Erst seit August 1998 werden die Protokolle einigermaßen regelmäßig aktuell auf der Website veröffentlicht.


Zyklus 'Ich' und 'Selbst'

Zyklus Entfremdung


'Ich' und 'Selbst'


Ankündigung

Der Philosophische Gesprächskreis ist ein Forum für gemeinsame Überlegungen auf der Grundlage unterschiedlicher persönlicher Meinungen. Dabei hat er das Bestreben, in so freier Form wie möglich miteinander ins Gespräch zu kommen und philosophische bzw. philosophierelevante Themen zu durchdenken.
Der philosophische Gehalt unserer gemeinsamen Unternehmung entwickelt sich nicht aus der Übernahme bestehender philosophischer Theorien und Postulate, sondern aus der eigenen Kreativität, der argumentativen Vertiefung und dem kontroversen aber fruchtbaren Austausch.
Der Gesprächskreis dient dabei nicht als Stätte der reinen Wissensvermittlung sondern als philosophischer "Aufwachraum".
Unsere Diskussionen werden zu Beginn des neuen Jahres zunächst um das Begriffspaar "Ich" und "Selbst" kreisen.

Thesenpapier: Begriffs- und Phänomenfeld ICH und SELBST

Thesen zu einer begrifflichen Trennung von ICH und SELBST im Horizont einer Explikation menschlichen Seins. (Wurde nicht verteilt und in die Diskussion einbezogen.)

Menschen sind.
Solches Sein kann (zumindest versuchsweise) näher bestimmt werden.

Menschen sind je selbst, d.h. sie sind niemals (zur Gänze) ein anderer, sie sind jeweils bestimmt als "sie selbst". Mit diesem Ansatz sind Menschen in ihrem jeweiligen Sein faßbar als SELBST.
Solches SELBST kommt jedem Menschen zu, im Sinne einer Strukturaussage sind alle Menschen dadurch bestimmt, daß sie je selbst sind: Gleiche Struktur des Menschlichen bedeutet je 'einzelne' und einmalige Ausprägung eines SELBST.

Sofern Menschen sich selbst wahrnehmen und über diese Wahrnehmung (sich oder anderen) Auskunft geben, sagen sie: "Ich" (Ich habe..., Ich bin ..., Ich will ..., ...). ('Gleichwertig' zu verstehen wäre eine entsprechende Auskunft im Horizont eines "Wir" (Wir haben ..., Wir sind ..., Wir wollen ..., ...)

Es scheint deshalb einigermaßen naheliegend (vielleicht: sinnvoll), folgende Unterscheidung zu treffen:
Der je konkrete Mensch, insofern er 'einfachhin' ist, ist SELBST; der je konkrete Mensch, insofern er sein Sein (sein SELBST) (mittels Bewußtsein) bestimmt, über sein Sein Auskunft gibt (sich selbst oder anderen), es in Reflexion beschreibt bzw. zu beschreiben versucht, faßt sich als ICH.

ICH ist allerdings nicht (und nicht vorrangig oder gar allein) "erfahrbares Objekt", sondern zentral gemeint (in der philosophischen Tradition ebenso wie in der Aussage "Ich habe ..., ...") als die Instanz - das Organisationsgefüge -, die solche Erfahrung macht.
Das ICH als Instanz der Erfahrung von Aspekten des SELBST (der Gesamtheit des konkreten Menschen) kann auch sich erfahren und somit nochmals sich zum Objekt machen.

Statt des hierfür oft benutzten Begriffes 'Selbstbewußtsein', welcher doppeldeutig ist, wäre es schicklich, einen neuen 'dritten' Begriff zu finden.
Eher jedenfalls wäre dieses Sich-zum-Objekt-machen zu fassen als ICH-Bewußtsein oder ICH-Reflexion (obwohl es 'logisch'-exakt auch eine besondere Form von SELBST-Bewußtsein ist, denn ICH ist eine perspektivenschaffende und perspektivische Differenzierung von SELBST.
ICH-Reflexion (also Reflexion des ICH auf sich als ICH) ist sodann eine besondere Perspektive des SELBST als Reflexion auf sich selbst via ICH als ICH).

Es wäre also folgende Unterscheidung zu überdenken:

Einführende These zu einem 'verwandten' Begriff:

SELBSTGEFÜHL:
Die fundamentale Weise der Erlebens meiner selbst (des Seins). SELBSTGEFÜHL ist ein Phänomenbegriff, während SELBST ein Theoriebegriff ist. In der Vermittlung beider könnte "Selbstgefühl" als die fundamentale Auskunftgabe des SELBST an sich selbst verstanden werden (Vielleicht wäre es ja angemessen, "Gefühl" als den Horizont von "Bewußtsein" zu verstehen!?)
Das zentrale Moment im "Selbstgefühl" ist die inhaltslose Sicherheit des Sein-Könnens. "Selbstgefühl" wäre somit die phänomenal menschenadäquate SELBST(Seins)-Bestimmung. "Selbstgefühl" als umfassendes Erleben des Seins zeigt sich in tautologischen Aussagen wie "Ich bin ich" oder (in der hier vorgeschlagenen Begriffsbestimmung besser) "Ich bin ich selbst" oder in affirmativen Befindlichkeiten wie "Ich fühle mich aufgehoben", "Ich fühle mich anerkannt", "Ich vertraue mir selbst", zum (unzureichenden) Ausdruck gelangt. Unzureichend erscheinen solche Aussagen, da mit der Vermittlung durch Sprache bereits Bewußtsein auf der Ebene der Instanz ICH im Spiel ist, während das "Gefühl" sozusagen vorsprachliche - weil vorinstanzliche - Bereiche meint.


Entfremdung


Ankündigung

Der Philosophische Gesprächskreis ist ein Forum für gemeinsame Überlegungen auf der Grundlage unterschiedlicher persönlicher Meinungen. Dabei hat er das Bestreben, in so freier Form wie möglich miteinander ins Gespräch zu kommen und philosophische bzw. philosophierelevante Themen zu durchdenken.
Der philosophische Gehalt unserer gemeinsamen Unter-nehmung entwickelt sich nicht aus der Übernahme bestehender philosophischer Theorien und Postulate, sondern aus der eigenen Kreativität, der argumentativen Vertiefung und dem kontroversen aber fruchtbaren Austausch.
Der Gesprächskreis dient dabei nicht als Stätte der reinen Wissensvermittlung sondern als philosophischer "Aufwachraum".
Unsere Diskussionen kreisen momentan um ethische Fragestellungen; nach der Sommerpause wird es zunächst um die Frage nach dem nicht bei sich seienden Menschen (Entfremdungsbegriff) gehen.

Keine Aufzeichnungen zum Diskussionsverlauf vorhanden