Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

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Zyklus Was ist Aufklärung?

Zyklus Geld
Erster Abend
Teilnehmer eMail
Weitere Abende

Zyklus Kredit und Credo
Leo Allmanns Zehnerkarte zur Diskussion:


Was ist Aufklärung?


Diskussionsverlauf

Sammlung war das Gebot des ersten Abends; hier eine etwas sortierte Aneinanderreihung der genannten Aspekte von Aufklärung

Aufklärung: Es werde Licht!
Licht und Dunkel: Sonnenlicht, Licht des Verstandes, Licht des Geistes, Licht Gottes - mit welchem wollen wir arbeiten?
Geschichte des Lichtsymbols: Von Mythos zu Wissenschaft (Rationalisierung; Vernunft; Heraustreten aus dem gefühlsmäßigen Verständnis). Aber auch Dialektik der Aufklärung: Der 'Helle' kann in gewisser Weise auch der Naivling sein.
Mir geht ein Licht auf, und dazu kommt Nachprüfbarkeit. Hinter Aufklärung steckt: Vermutung eines Zuwenig-Wissens: mich aufklären oder jemanden aufklären.
Aufklären: Etwas unter einem bestimmten Licht erscheinen lassen wollen. Belehren, indoktrinieren.

Mythos ist auch Aufklärung als Welterklärung; Aufklärung kann aber nicht heißen: Ersetzen eines Wissens durch ein anderes; sondern: Mich in Bezug bringen zur 'Vernunft' (nicht: Aufgehen in der Vernunft)

Aufklärung und Esoterik (geheimbündlerisch): Ist es Aufklärung, wenn zwei etwas wissen? - Aufklärung setzt beim Individuum an, aber sie ist nichts für Eliten. Werde hell! > Wozu?
Muß Aufklärung gestattet werden? (z.B.: Wahlzettel, den viele/manche nicht lesen können. - Erklärungsangebot: X steht für Durchstreichen der Stimme).
Verbrechensaufklärung. Frage nach den Wissenden und der Autorität (Weißer-Kittel-Problem).

Der Typus des Aufklärers: Wie konkret darf ich mit Empfehlungen sein, wenn ich jemanden zur Autonomie führen will? Wer ist der Aufklärer, wen will er aufklären, mit welchem Optimismus? (Bspl. Sokrates und sein Daimonium: Wissender jenseits des Fachwissens).
Wie kann ich mich aufklären? Kriterium: Sind sie daran interessiert, zu einer spezifischen Fragestellung eine Lösung zu finden? Aufklärung individualisiert.
Aufklären als Prozeß der 'Belehrung': A klärt B auf; sonst müßte es heißen: Aufklaren. Aufklärung als Klima (zwischen gleichberechtigten Partnern).

Zum Besser-Wissen gehört sodann auch ein Besser-Machen

Aufklärung an Inhalte binden: Aufklärung über Sinn des Lebens, das Woher und Wohin als wesentliche Aufgaben (?)
These: Man soll auf die Dichter-Aufklärer hören; überhaupt seien die Künstler (Kunst von 'künden') Wissende aus dem Geist/Bauch heraus - hier aber keine Möglichkeit des Rechenschaft-Gebens. Kritische Anmerkung: Diese Sicht basiert auf Kunstbegriff des 19. Jahrhunderts: Bürgerliches Kunstverständnis der Kontemplation. Dagegen im 18. Jahrhundert (Epoche der Aufklärung): Vollzug als Gespräch über Gelesenes, erlebtes Theater ... Aufklärung im 18. Jahrhundert: Öffentliches Gespräch unter Gleichberechtigten (> Habermas: rationaler Diskurs); Aufklärung als Befreiung von Vorurteilen.

Sind wir so aufgeklärt, daß wir über die unterschiedlichen Inhalte reden können?
Epochen der Aufklärung sind auch Epochen der Ideologie - Gefahr des Krieges über die Inhalte der jeweiligen Aufklärung.
Aufklärung bringt zwangsläufig Verklärung mit sich: Aufpassen, nicht die Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert zu verklären; gibt auch Aufklärung im 16., 17., 19., 20. Jahrhundert.
Fortschreitender Prozeß, ja: Aufklärung ist eigentlich Menschwerdung.
Aber auch: Aufklärung muß wegen Verklärungsaspekt immer auch scheitern. Geht um Korrektive im aufklärerischen Bemühen.

Kritische (?) Distanz zur Aufklärung: Wir haben mehr Erkenntnis als gut tut.
Es scheint wichtig zu sein, aufgeklärt zu sein: Aber dies vielleicht in Frage stellen: Warum Aufklärung?

Aufgeklärt sein heißt: Selbst durch Vernunft etwas herausgefunden haben (sapere aude); Aufklärung sodann: Anstiftung zum Gebrauch der eigenen Vernunft - Anstiftung zu kritischer Auseinandersetzung mit anderen und mit mir selbst (Gefahr der Indoktrination durch transitives Element in Aufklärungsanspruch).
Aufklärung dabei als 'Versuch': Richtigen Gebrauch der Vernunft erforschen. Dieser Aspekt steht gegen ein Verständnis von Aufklärung als rationalistische (dogmatische) Position.
Reflexionen auf Kant: Kants Kritik am Rationalismus seiner Zeit.
Kritik an Kants Ausage: Angst vor dem Heraustreten ist nicht selbstverschuldet; braucht Hilfestellung des Auslösers, nicht des Aufklärers; wir werden nicht mit einem Weltbild geboren, sondern erobern es uns.
Bedeutung der Beziehungshaftigkeit des Menschen: Kind glaubt Antwort der Eltern, derjenigen von jemand anderem womöglich nicht. Erziehungsaufgabe bzgl. Aufklärung: Stützendes Dabeisein.
Problem ist nicht: zum Denken führen, sondern: zwingend denken.

Mythologisches Bild der Höhle zwischen Himmel und Erde als Ort des Menschen; Aufklärung als Menschwerdung und Zurechtfinden in dieser Situation.

Kritische Betrachtung des Aufklärungsbegriffs: Einen Gegenstandpunkt einnehmen oder aber das Denken als insgesamtes in Anspruch nehmen, alles neu durchleuchten (-> Sloterdijks 'Sphären').
Problematik des Begriffs: Anspruch der Wahrheit (?)
'Dialektik der Aufklärung': Anspruch der Aufklärung schlägt in sein Gegenteil um.
Umdrehen des Licht-Bildes zur Veränderung des Standortes: Das Dunkle ans Licht bringen - Subjekt ist der Inhalt

Zusammenfassende Frage:
Wenn Aufklärung 'Heraustreten aus dem Haus' heißt, wieviel konkrete 'Aufklärung' inhaltlicher Art darf/kann ich leisten, um mitzuteilen, daß da überhaupt eine Tür ist, wo sie sein könnte ...?

Ist der Philosoph der Aufklärer? (: Hätte er zumindest in der Zeit der Industrialisierung verpaßt; Gegenrede: Gewerkschaftsarbeit)
These: Mit Aufgeklärtsein macht man in der Industrie keine Karriere.
Inhaltliches Beispiel: Aufklärung ist die Informationsverbreitung, daß mittels Gentechnik das Hungerproblem der Welt gelöst werden kann.

Wer ist an Aufklärung interessiert und wie soll sie ablaufen? Hat das mit verantwortungsvollem Handeln zu tun?
Gegenfrage: Warum hat der Vorstandsvorsitzende einer Firma Verantwortung für ...? (Wirtschaft für Menschen?)

Zur Diskussion gestellt: Thesen der englischen Aufklärung(sepoche):
• Rede- und Denkfreiheit
• Kritik der Religion
• Wert des Verstandes und der Wissenschaft
• Einverständnis des sozialen Fortschritts
• Bedeutung des Individuums
• Ehrliche Erziehung
Zusatz Kant: Bedeutung der Ergebnisoffenheit des Aufklärungsbemühens.
Kritik an den Thesen: Inhaltsorientiertheit, ethisches Konzept.

These: Aufklärung primär als Reaktion; wohin das führen soll, unter Umständen offen.
Ethischer Impetus der Aufklärung: Leiden lindern (per Religionskritik)

Aufklärung und Ästhetik (Gottsched, Lessing) - Schiller: Briefe zur ästhetischen Erziehung: Der Aufklärung fehle das ästhetische Moment; Rationalismuskritik: Die Herzen sollen erreicht werden.
Ästhetik dabei als Vehikel (Schiller: Schaubühne als moralische Anstalt; Bedeutung des Bildungsromans). Dadurch Verbindung zur Aufklärung als Bildung (später Arbeiterbildungsvereine).
Marketing-Konzept der Aufklärung aber vielleicht für uns nicht so interessant; demgegenüber Aufklärung im Horizont von Aufdeckung von Irrtümern und darauf aufbauendem Neuem.

Themenaspekt Aufklärung und Autorität; Aufklärung und Verführung. Inwieweit Aufklärung gegen Autoritäten arbeitet (und arbeiten 'darf') ist im Horizont der Aufklärung als Handlung gegen Vorurteile zu entscheiden.

Aufklärung als Wettstreit stellt Frage nach der Bestimmung des Menschen. Brauche ich eine solche in Bezug auf Aufklärung? Ist Aufklärung überhaupt an Inhalt gebunden?:
Schon die einfache Frage kann Aufklärung sein, sie setzt einen Denkprozeß in Gang. Die überprüfende Frage zu stellen, stimmt das?, macht bereits ein Licht an.
Aufklärung muß (deshalb) nicht an den Wissensbegriff gebunden sein, sondern ebenso als Zweifel beginnen. Allerdings ist Kritik selbst eine bestimmte 'Wissensform'.

Aufklärung kann heute sein bezüglich einem 'großen' Thema das weitreichende gesellschaftliche Bedeutung impliziert (diskutiert an dem Beispiel der Rentenversicherung, die wohl zukünftig so nicht haltbar ist, worüber aber eine 'Mehrheit' nichts hören will), aber auch - und evtl. vor allem - als 'kleines' Thema in der Alltäglichkeit, wo alles überprüfbar, fragbar gemacht werden kann. (Bezüglich dem Thema der Rentenversicherung ist anzumerken, daß es nicht der Aufklärung über das Woher, Wieso, Wohin anzulasten ist, daß dieses Problem überhaupt besteht oder das viele nicht sich damit konfrontieren wollen.)

Als Problemaspekt stellte sich dar die "Normative Kraft des Faktischen". An ihr hat sich Aufklärung zu reiben. Hier kann immanent philosophische Situation entstehen: Nachdem Aufklärung begann als ein 'wir machen das', 'wir können das', gerät sie an dieser Bastion in Verlegenheit.

Muß sich Aufklärung mit einer Hoffnung (einer Utopie) verbinden? Habermas, so wurde referiert, sieht Aufklärung als Bruch zwischen Kultur (Expertenwissen) und Gesellschaft (die in diesem Falle nicht mehr funktioniert): Es entsteht ein Traditionsbruch, der durch die Utopie der Aufklärung 'gemildert' werden soll. Dies funktioniere heute nicht mehr in der traditionellen Form (des Fortschritts).
Demgegenüber wurde gefragt, ob nicht das Herausstellen des Bruches mehr mit Aufklärung zu tun hätte, aber auch, ob nicht vielleicht der Prozeß der Aufklärung selbst sein Ziel findet, gar keine Utopie braucht.
Es wurde kritisch befragt, ob denn der Fortschrittsbegriff hier und heute tatsächlich keine solche Bedeutung mehr hätte, in den Ländern der 2., 3., 4. Welt würde dies noch wesentliche Rolle spielen. Fortschritt sei doch wesentlicher Ansatz von Aufklärung.
Das Beispiel des arbeitslosen Lehrers, der nun als Taxifahrer arbeitet, die Fakten seiner Zukunftschancen vor oder während des Studiums nicht wahrgenommen, wurde kontrovers diskutiert. Ist es nicht im Horizont favorisierter Aufklärung sinnig, daß (auch) Taxifahrer einen möglichst hohen 'Bildungsstand' haben?

Die Abschlußfrage des letzten Abends nach dem Zusammenhang von Aufklärung und Fortschritt wurde insgesamt positiv beantwortet.
Aufklärung setzt 'Nebel' voraus. Zentraler Aspekt der Selbstkorrekturfähigkeit.
Aufklärung ist Theorie (Zerstückelung, Analyse); Aufklärung hat Impetus.

Eine andersartige Position wurde während der Diskussion immer weiter 'abgearbeitet': "Der Aufklärer ist der Wissende", er hat ein 'vorgefundenes' Wissen, eine Weisheit, die er den anderen zu vermitteln versucht. (Wissen woher?:) Göttlicher Genius? Allgemeiner: Intuitives Wissen. Auch: Überlieferung von Bildern über Generationen.
Eine der Gegenpositionen fand sich in der 'Alltäglichkeit', dem Alltagsanspruch von Aufklärung: In der Epoche der Aufklärung wendet sich Philosophie zum Aktuellen; auch: Aufklärerische Fähigkeit der Kinderfragen, Bürgerinitiativen.
Wieder: Aus besser wissen folgt (soll folgen) besser handeln (z.B. Hygiene).

Aber: Abschaffung des Metaphysischen ist kein aufklärerischer Zug, sondern Hau-Ruck-Aufklärung. Triade Sinnlichkeit-Verstand-Übersinnliches; Bedeutung der Vermittlung; 'Glück der Fehlbarkeit'. Nicht zu Ende gehender Prozeß: "Solange man denkt, irrt man; Aufklärung ist Ausräumen von Irrtümern"; Bedenklichkeit.

Problematik des aufklärenden Lehrers in bezug auf 'intuitives Wissen'; Bedeutung des Ergriffenseins für Lernprozeß. Lehrer sind Episode in Prozeß der (Selbst-)Aufklärung.
Darf von der Aufklärung nicht zu viel verlangen, aber: Redlichkeit, Roß und Reiter zu benennen. Dennoch: Aufklärung kann nicht sagen: Tu dies, tu jenes.

Durch Interview-Situation (Kronewiter, SZ): Aufklärung und Journalismus: Betreibt der Aufklärung? Oder liefert er nur Information? Aufklärung demgegenüber: Über Horizont hinaus fragen (der 'Philosophie', der Sinnfrage vorbehalten).
Was wäre Aufklärung ohne die Frage nach der Wahrheit? Zum Aufklären gehört mehr das Denken als das Wissen.
Aufklärung als besondere Form der Erklärung: Aufdecken, was bewußt versteckt ist (z.B. auch : Sexuelle Aufklärung; Verbrechensaufklärung) - Nachprüfbarkeit gegenüber Mystifizierung.

Aufklärung als Vermittlung einer bestimmten Umgangsform / Methodik. Aufklärung als Anregung zum Reflektieren.
These: Fragen setzt bereits Aufklärung voraus. Fragender setzt sich mit Fragen selbst in Frage: Sehe ich das da richtig?

These: Rationalismus: Eine Form des Denkverbots im Namen der Vernunft.
Aufklärung muß durchgestimmt sein für 'adäquate' Umsetzung im Handeln.
Problematik der Vernunft als erstem Ideal der Aufklärung

Problematik der Aufklärung bezüglich konkreter Inhalte: An dieser Stelle entschied sich die Runde, nun das Experiment eines inhaltlichen Versuches zu machen: Wir wollen das zum Begriff Aufklärung Erarbeitete 'anwenden' an einem speziellen Thema. Als dieses Thema wurde gewählt: "Geld"


Geld


Diskussionsverlauf

Geld als Reichtum oder Geld als 'Münzen'; Geld als Funktion; Geld als Generalnenner für menschliche (wirtschaftliche) Tätigkeit; Geld als Verrechnungseinheit. Geld als Medium, mediatisieren von Beziehung.

Wollten wir ein 'Lexikon des Geldes' verfassen, was für Aspekte müßten aufgeführt sein: Z.B. Wirtschaft, Handel, Besitz, Prestige, Macht ...

Bedeutung des Tausches: Tauschwert, Konvertierbarkeit, Substituierung; Speicherfunktion
kein Gebrauchswert.
Vom Münzwert zum Bankversprechen (Wertrepräsentanz und Glaubwürdigkeit) (Historisch: Renaissance: Geldwesen als Bankwesen)
Wertvereinbarung ist Geldvereinbarung - Geld ist kein Wert, sondern Versprechen einer Macht (Garantie?) Der Substanz-Ersatz bleibt Ersatz.

Für diese Diskussion: differenzieren und auseinanderhalten: 'Sein des Geldes' und Fragen: Was mache ich mit Geld? Was macht das Geld mit mir? Fragen zur Fehlentwicklung der Funktion des Geldes.

Geld zu positiv dargestellt? Bereich der Tätigkeiten ohne Entlohnungserwartungen.


eMail eines Teilnehmers

vielleicht kannst Du ja mit den folgenden Definitionen etwas anfangen.
Kapital (lat.: capitale = Hauptgut)
Geld (germ.: von gelten; das was allgemein gilt)
Währung (mittelhochdeutsch: werunge = Gewährleistung)

Kapital und Geld sind grundsätzlich voneinander zu unterscheiden. Kapital kann in Geld umgewandelt werden und umgekehrt.
Kapital stellt unverbrauchte Kaufkraft dar, die in Gestalt von Geld als Geldkapital und in Gestalt von Gütern als Realkapital (Kapitalgüter, Produktivkapital) Verwendung findet. Das Kapital dient der Erzeugung und Bereitstellung von Gütern. Betriebswirtschaftlich wird Anlagekapital, Betriebskapital, Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden.
Geld ist im Unterschied von Kapital dazu bestimmt verbraucht zu werden. Es stellt verbrauchbare Kaufkraft dar. Indem Geld verbraucht wird, erfüllt das Geld seine wichtigste wirtschaftliche Funktion: die Vermittlung des Gütertausches. Das Geld ist das rechtlich vom Staat anerkannte Zahlungsmittel. Man unterscheidet Münzgeld, Papiergeld und Buchgeld.
Unter Währung versteht man die Verfassung (Ordnung) des Geldwesens eines Landes.
Die Geldmenge ist die Summe des Bargeldes und des Buchgeldes und ist für die Stabilität des Geldwertes von Bedeutung. Wenn der Geldwert stabil bleiben soll, muß die gesammte Geldmenge der Warenmenge entsprechen. Da die Warenmenge nur in Preisen meßbar ist, steht der Geldmenge die Preise der Waren gegenüber.
Der Geldwert hängt ab von der Geldmenge, der Kaufkraft und der Umlaufgeschwindigkeit. (Die Umlaufgeschwindigkeit gibt an, wie oft eine Geldeinheit zum Kauf von Waren herangezogen wird).
Die Bundesbank ist eine bundesunmittelbare juristische Person des öffentlichen Rechtes. Sie wurde mit dem "Gesetz über die Deutsche Bundesbank" 1957 gegründet. Die Aufgabe der Bundesbank ist die Regelung des Geldumlaufes, die Kreditversorgung der Wirtschaft und der Sicherung der Währung.


Weiterer Disskusionsverlauf

Vorgetragene Verständnisaspekte im philosophischen Horizont:
Simmel (Philosophie des Geldes): Schlüsselbegriff des modernen Kulturwesens.
Kant: Geld ist bloßes Mittel des Handels, da es kein Nahrungsbedürfnis befriedigt.
M. Stockhammer: Jeder Geldschein ist ein demokratischer Stimmzettel, der dem Unternehmer ein Mandat zu einer bestimmten Produktion erteilt. Die sozialistische Abschaffung des Geldes macht auch der Demokratie ein Ende. Geld bzw. der sich in ihm ausdrückende Warenpreis ist auch für die unentbehrliche Wirtschaftsrechnung notwendig, die ohne Preistafel unmöglich ist.

Historisch: Geld stammt aus dem sacralen Bereich: Muß mir etwas wert sein, daß ich es als Tempelabgabe opfere (ethymologischer Zusammenhang Opfer-opera / Arbeit - Mühe, Anstrengung).

Zwei unterschiedliche Aspekte: Vollzug: zahlen, bezahlen vs. Gelten

Gibt es einen Wert von Substanzen an sich? Wohl nicht, wie am Beispiel der 'Wertlosigkeit' von BSE-Rindern diskutiert wurde. Wie kommt der Wert von Dingen zustande? Werte als Konvention; also unabsolute Werte, die jedoch funktionieren. Offenbar sicherer Umgang mit dieser Unsicherheit.
Der Wert als Konvention sei dann doch zu hinterfragen, z.B.: Ist es in Ordnung, daß ein Schönheitschirurg deutlich mehr verdient als ein Kinderarzt?
Kritik des Marxismus: Dort Sehnsucht nach (absoluten) Substanzwerten; Abschaffung der Subjektivität des Tauschwertes 'zugunsten' des Gebrauchswerts.

These: Geld ist die Macht, über die Dinge, die es repräsentiert, verfügen zu können.
Macht und Ohnmacht des Geldes: Gibt Dinge und Verhalte, die ich mit Geld nicht kaufen kann. Das eventuell anzustrebende Auseinanderhalten von kapitalorientierter Tätigkeit und freier Beschäftigung kontrovers diskutiert.

Begriff 'Vermögen' (des Reichen; des Künstlers, des Könners).
Geld ist Quantität, nicht zu verstehen im Horizont von Qualität
Diskussion zu Quantität / Qualität. Warum wehren wir uns nicht gegen Quantifizierung von allem?

Habermas - Drei Gewalten: Geld (Regelung von anonymen Märkten), Macht (zwingende Bürokratie), Solidarität.

1. Was ist Geld? 2. Was macht es mit uns? Was machen wir mit ihm? (Können Phänomenologie und Kritik überhaupt so auseinandergehalten werden?)

Was ist Geld außer Warenströmen? Dienstleistungsgesellschaft und Produktion.
Warenfetischismus; erwartet von Geld, daß es mehr wird. Geldschöpfung vs. Wertschöpfung

Geldfunktionen: Tauschfunktion; Wertaufbewahrungsfunktion (Möglichkeiten werden aufbewahrt); Maßstabsfunktion; (weitere Funktionen: Macht, Ansehen)

These: Am Geld hängt Gier, institutionalisiert als Zins (Geld will zu Geld). "Geld frißt Leben" (nimmt wo was weg).
Wirtschaft sollte ursprüngliche Aufgabe haben, Gesellschaft zu versorgen; stattdessen: Versklavung in Arbeitsverhältnissen, um Gewinne zu machen.

Neutralität des Geldes: Braucht 'nur' Geld, um etwas zu kaufen (Gegensatz DDR: Ständegesellschaft mit Bezugsrechtssystem). Was geschieht, wenn Brot nichts kostet? (Sowjetplan 1960) Entsteht Kontrolle: Was machen die Leute mit dem Brot?

Ob der Begriff des Geldes nicht mehr verschleiert als erhellt? Ablenkungsbegriff? Geld steht immer für etwas. Z.B. Einkommen nicht als abstrakte Summe, sondern zur Erfüllung von Lebenswünschen.

Mentalität des Geld-Ausgebens und des Schenkens passen nicht zusammen (?)
Investieren (in etwas kleiden) in Materielles oder in Ideeles.

Eigentum wird heute zumeist als Geld verstanden; kann heute (wahrscheinlich) von Grund und Boden alleine nicht mehr leben.

Geld als Dienstleistung: Als Tauschmittel zur Verfügung stellen (von Zentralbank). Geld als zeitliche Entzerrung der Tauschwirtschaft.
Geld als Tauschmittel kann nicht von Kapital entzerrt werden (verliert seinen Wert)

Kapital: Grund und Boden; Arbeit; produziertes Kapital; Kapital als Umsetzungsmöglichkeit (Vermögen)


Kredit und Credo


Ankündigung

Nachdem wir im ersten Zyklus des Jahres begannen, den Begriff (nicht die Epoche) der Aufklärung näher zu untersuchen, erreichten wir nach Ostern einen Zwischenstand, an dem wir uns entschieden, das bislang Erarbeitete an einem konkreteren Phänome-Sach-Bereich zu überprüfen bzw. Aufklärung praktisch geschehen zu lassen. Dies wurde im folgenden am Konkretum 'Geld' experimentell probiert. Im Dschungel von Phänomenologie, Kritischer Theorie und Wirtschaftswissenschaft haben wir uns ein klein wenig Übersicht verschaffen und vielleicht auch den einen und anderen Pfad anlegen können.

Bisherigen sich orientieren, und so haben wir uns als Überschrift für die Treffen im Herbst als dritten Teil der Beschäftigung mit Aufklärung

Kredit und Credo“

gegeben.

Diskussionsverlauf

Angeregt durch die aktuelle öffentliche Diskussion zu Sloterdijks Rede in Elmau versuchten wir dem Thema KREDIT UND CREDO mittels 'Menschenbild-Inhalten' näher zu kommen:

Wieviel Kredit gebe ich einem Menschenbild, das nicht meinem Credo entspricht? (> Frage nach den Verfahren und Möglichkeiten von Aufklärung)
Die Diskussion entwickelte sich im Zuge des Abends um den Kern: Vertrauen. Hierzu gehörte z.B. auch die Frage (in Zusammenhang mit der Epoche der Auflärung: Voltaire): Will ich dem Credo (in diesem Fall der institutionalisierten Religion) noch Kredit geben?
Geht 'es' aber überhaupt ohne Credo? - Das Credo der Aufklärung z.B. lautet wohl: Habe Mut, Dich Deines Verstandes zu bedienen!

Das Credo der Aufklärung findet sich auch in einer anderen Weise: Ist es prinzipiell möglich, eine Wahrheit zu erkennen?
Dieser 'rote Faden' leitete uns durch den Abend, wobei im Horizont von Kredit und Credo das Vorschuß-Geben im Vertrauen ein zentrales Anliegen war. Die Welt schient überhaupt erst in diesem Vertrauen zu tragen (konkreter Aspekt: Das Versicherungswesen lebt vom mangelnden Vertrauen der Menschen).
Eine These wurde kontrovers diskutiert: Vertrauen wird von äußeren Einflüssen geprägt, ist nicht unbedingt.
Und zum Ende hin eine ähnliche Fragestellung, wie am Abend zuvor: Wieso braucht Aufklärung überhaupt ein Credo? Sind nicht die wesentlicheren Fragen: Woran erweist sich ein Ergebnis von Aufklärung? Was sind die Kriterien für eine Aussage: jetzt bin ich aufgeklärt?

Der Aufklärungsbegriff rückte wiederum stärker in den Vordergrund unserer Diskussion: Betreiben wir mit unserer Runde selbst Aufklärung? Besinnung auf Aufklärung und Aufklärung über Aufklärung.
These von der Janusköpfigkeit der Aufklärung: Einerseits die Suche nach dem besseren Argument (dem geben wir Kredit), andererseits das Ungenügen an dem besseren Argument, das Nicht-stehen-bleiben-wollen beim jeweils Erreichten (das macht das Credo aus).
Wiederum auch: Wo findet konkret Aufklärung statt; Einklagen des Alltagsanspruchs.

Ausgangspunkt war eine Kritik am Zusammenfügen-Wollen von Aufklärung und Credo: Aufklärung hätte doch eine beunruhigende Komponente.
Gefragt wurde nach dem Kriterium für Aufklärung: Dies sei die Tradition selbst, wenngleich Aufklärung Traditionsbruch meint - wie es 'eigentlich' sein soll, zeige sich in der Reflexion auf das bislang Entwickelte. (Dabei stelle die Tradition keine Qualitätsentwicklung dar, sondern einen Steinbruch von synchronen Jahrtausenden.)
Der Standort des aufklärerischen Bemühens würde sich im Austausch der Argumente ausweisen.

Aufklärung und kein Ende: Inwieweit steht unsere als aufgeklärte Position vorgestellte Anschauung selbst im Verdacht von Ideologie? Wagen wir es, uns aufgeklärte Personen zu nennen? Wie schnell kommen wir an fundamentale 'Glaubenssätze'? Oder, positiv formuliert: Soll Rationalität nicht selbst auf Werten (über die man sich einigt, geeinigt hat) aufbauen?
Bausch-und-Bogen-Statement hierzu: Erst haben wir die Zeugen (die, die Zeugnis ablegen über das, was ist) abgeschafft, dann ist die Rationalität gescheitert, und nun wollen wir Werte produzieren!
Keiner behält jedoch die Oberhand, Aufklärung ist argumentativer Streit

Der Wunsch, die Themen des Jahres - Aufklärung, Geld sowie Kredit und Credo - noch einmal in einen Zusammenhang zu bringen, brachte die Diskussion ein weiteres Mal auf die Beziehung von Aufklärung und Glaube (bzw. Credo). Aufklärung, so wurde gesagt, führe zu einem neuen Credo, reduziere sich nicht auf begründetes Wissen, beinhalte vielmehr eine konstruktive Energie, die auch emotionale, motivationale Momente einschließe - so betont Nietzsche in der Idee der "Umwertung aller Werte" das ästhetische Element der neuen moralischen Werte.

Das Stichwort des Glaubens nahm ein Beitrag auf, um ihn durch den moderneren, "wissenschaftstheoretischeren" Begriff der Fiktion zu ersetzen: Bereits Kant liefert mit der "Transzendentalen Ästhetik" in der "Kritik der Urteilskraft" ein Beispiel für ein "Als-Ob", das heute als ästhetisches Element im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens allgemein anerkannt ist. Dass Fiktionen - wie im Bereich der Wissenschaft - nicht nur aufklärungsfördernd sein können, betonte ein Beitrag, der die Bedeutung der Fiktion im mordernen Alltagsleben der allpräsenten Bilder herausstellte: diskurslose Bilder gewissermaßen, die - so wurde von anderer Seite präzisiert - die individuelle Imagination aufklärungsfeindlich zugunsten einer "gleichgeschalteten" sozialen Imagination aus Medienbildern verdränge.

Im folgenden trat mit dem Hinweis auf Diderots Encyclopédie die praktische Aufklärung ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Diderot liefert mit seinem Lexikon Antworten auf die Fragen einer Gesellschaft, in der sich die Selbstverständlichkeiten aufzulösen begannen: ein qualitatives Moment der historischen Aufklärung, wohingegen - so die These - Lexika heute nur noch quantifiziertes, "verdinglichtes" Wissen zur Verfügung stellen - Fragen des Umgangs mit Wissen, die im weiteren Verlauf auf das Problem der "Aufklärung heute" führten, dem möglichen "Tod" einer Aufklärung, die - so wurde angemerkt - in der Kulturgeschichte der Menschheit keine Breitenwirkung gehabt habe. Aufklärung als Rücksichtnahme auf die Würde des Menschen; Aufklärung als jeweils historisch lokalisierbare Bewegung, die mit konkreten sozialen Entwicklungen verbunden ist; Aufklärung als Form von Kritik, die mit anderen Kräften in ein "neues Mischungsverhältnis" eingetreten sei; Aufklärung als kritische Verhältinisbestimmung innerhalb eines "Ganzen", das - mit Hegel - immer noch "das Wahre" sei: Dies waren die Hauptgedanken, mit denen die Situation einer "entzauberten" Aufklärung in der modernen Gesellschaft umrissen wurde.

Am Schluß leitete der Hinweis auf die Sogwirkung einer Wirtschaft, die die Aufklärungsansprüche immer wieder aufsauge, zurück zu einem Zitat von Günter Grass, mit dem die Diskussion eröffnet worden war: Aufklärung tue gerade heute not.


Leo Allmanns 'Zehnerkarte' zur Diskussion

(1) Was ändert sich an Geschäftsbeziehungen bei Kreditgeschäften? - Der Zeithorizont: Leistung sofort, Gegenleistung später.
(2) Was für ein Verhältnis ist das Gläubiger-Schuldner-Verhältnis? - Ein mit zweierlei Risiko behaftetes: Der eine riskiert seinen Einsatz, der andere seinen Ruf.
(3) Sind Kreditgeschäfte mehr durch Vertrauen oder durch Misstrauen charakterisiert? - Durch Misstrauen wäre ein Misskreditgeschäft charakterisiert.
(4) Ist Kontrolle besser als Vertrauen (Lenin)? - In Vertrauen gründet die beste "Kontrolliertheit", sprich: Lebensform.
(5) Wie verhalten sich Glauben und Wissen zueinander? - Wir können nur hypothetisch wissen, also nur "raten" (Popper), weil wir letztlich nicht wissen, sondern nur glauben können, dass alles mit rechten Dingen zugeht ("credo ut intelligam", Anselm von Canterbury).
(6) Woran glaubt, wer nicht glaubt? - Diese rhetorische Frage (Buchtitel, Gespräch zwischen Umberto Eco und Kardinal Martini) setzt voraus, dass es keine Ungläubigen gibt, sondern nur Andersgläubige. Dem stimme ich zu.
(7) Wie verhalten sich Glaube und Aberglaube zueinander? - Aberglaube ist irrational begründet, Glaube rational.
(8) Wie verhalten sich Glauben und Meinen zueinander? - Eine Meinung ist eine beiläufige Überzeugung, ein Glaube besteht in Grundüberzeugungen.
(9) Wie viel Courage gehört zu einem (neuen oder alten) Credo (beides von lat. "cor" = Herz, Gemüt)? - Das hängt vom bestehenden Konsens ("concordia", Einmütigkeit) ab.
(10) Welches Credo genießt gegenwärtig den größten Kredit (im Sinne von Salonfähigkeit, nicht unbedingt von Popularität)? - Das antimetaphysische der konkurrierenden Endgestalten von Auf- und Abklärung.