Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Fragen zur Philosophie

von Leo Allmann, Februar 2006


Warum 'Fragen zur Philosophie'?

Weil sie im Rahmen eines 'philosophischen Gesprächskreises' am Platze sind.
Die in der Münchener Seidlvilla jeden zweiten Mittwochabend stattfindende Veranstaltung des Instituts "Die Philosophen e. V." steht allen offen, die zusammen mit anderen nachdenken wollen. Nachdenken über ein gemeinsam verabredetes Thema, das ein- bis zweimal im Jahr wechseln kann. Jeder solche Gegenstand des Nachdenkens lässt es zu, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet zu werden: aus jedem persönlichen wie aus jedem fachlichen. Dieser Natur der Sache getreu, ist auch in unserem Kreis die Vielfalt der Zugänge willkommen - nicht etwa bloß der 'streng-philosophische', was immer das heißen mag. Dennoch können in einer 'philosophisch' genannten Runde Neulinge mit Recht erwarten, dass es darin vor allem eben philosophisch zugeht. Darum lässt sich die Frage nicht beiseiteschieben:

Was heißt das: 'philosophisch'?

Streng genommen - im Gegensatz zu seinem vielerorts heruntergekommenen Begriff - ist das philosophische Denken das eigentliche Nach-Denken: Wir können erst philosophisch 'arbeiten', wenn jede andere Arbeit getan ist. Wollten indessen die Philosophen das beherzigen, wären sie zum 'ewigen' Schweigen verurteilt; denn niemals wird jede andere Arbeit getan sein. Damit uns aber all die notwendige Arbeit nicht über den Kopf wächst, brauchen wir Pausen, in denen wir uns auf das bisher Getane besinnen können. Auf diese Weise ist die Philosophie statt einer auf immer hinausgeschobenen eine Feierabend-Beschäftigung geworden. Freilich gibt es seit alters privilegierte 'Arbeiter', die nicht täglich auf den Feierabend warten müssen, ehe sie zum Nach-Denken kommen. Ökonomisch fortgeschrittene Gesellschaften können sich einen solchen Luxus leisten. Aber gleichgültig, ob Freizeit- oder Vollzeit-Philosoph: der mehr oder weniger ausgedehnte Feierabend ist keine Gelegenheit zu der Weisheit letztem Schluss. Beide haben sich mit bloßer 'Weisheits-Liebe' (philo-sophia) zufriedenzugeben. Unterm Strich wird man als 'praktizierender' Philosoph ebensowenig aus allem klug wie als sonstiger Praktiker. Dann erhebt sich in aller Schärfe jedoch die Frage:

Welchen Sinn hat das Philosophieren?

Das Philosophieren hat den Sinn, uns zu unseren Daseinsmöglichkeiten frei zu verhalten. Das heißt zum einen, diese Möglichkeiten überhaupt zu sehen - trotz oder gerade wegen der Begrenztheit unseres Wissens, also trotz oder gerade wegen unserer fundamentalen Ungewissheit. Es heißt zum anderen, uns auf keine dieser Möglichkeiten derart einzuschwören, dass wir sie als Weisheitsersatz überstrapazieren. Das Philosophieren hält also Kurs zwischen Skeptizismus und Dogmatismus, zwischen dem in sich widersprüchlichen Standpunkt vollkommenen Nichtwissens und jedem Glaubenssystem im Sinne eines bloß vermeintlichen Wissens.

Sind Philosophie und Glaube unverträglich?

Glaube kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Das Spektrum reicht vom blindwütigen Fanatismus bis zur Weisheit des Herzens, von Leichtgläubigkeit bis zu wohlerwogenem In-Betracht-ziehen. Von mit Philosophie vereinbarem Glauben kann überall dort die Rede sein, wo sich ein Mensch nicht starr, sondern erwägend zu einer Möglichkeit von Religion oder Weltanschauung verhält.

Wie verhält sich Philosophie zu Wissenschaft?

Philosophie ist als die 'erste Wissenschaft' (prima philosophia) zugleich die fragwürdigste. Anders als die übrigen Wissenschaften befindet sie sich nicht ausnahmsweise, sondern ausnahmslos in einem 'paradigmatischen', d. h. kritischen Zustand. Insofern vereitelt sie eigentlich jede effektive Teamarbeit. Vielmehr mutet sie den miteinander Philosophierenden permanent schwierige Gespräche zu, in denen sich weder objekt- noch metasprachlich Einigungen erzielen lassen - allenfalls Duldungen. So lässt sie sich nie als 'normale' Wissenschaft betreiben, die institutionellen oder privaten Normalverbrauchern zweckdienlich ist. Aber gerade dieser ihr Eigensinn vermag die Nachdenklichen, denen es in den kostbareren Teilen ihrer Zeit um keinen bloßen 'Wissensstand' zu tun ist, nachhaltig zu begeistern.