Die Projekte Philosophischer Gesprächskreis

Zur Konzeption


Der Gesprächskreis hat es sich zum Ziel gesetzt, in so freier Form wie möglich miteinander ins Gespräch zu kommen und philosophische und philosophierelevante Themen zu durchdenken.
Zur Freiheit der Form gehört die weitgespannte Toleranz, die keine Sicht verbieten will, sondern die kreative Eigenleistung, die argumentative Vertiefung und den fruchtbaren Austausch sucht.
Es werden keine philosophischen Vorkenntnisse und kein Teilnehmerbeitrag erhoben.


Der Philosophische Gesprächskreis besteht seit Frühjahr 1987 - lediglich für circa ein halbes Jahr unterbrochen -; er wurde als erstes Projekt des Vereins gleich nach dessen Gründung organisiert.
Inzwischen hat er den Weg von der Münchner Peripherie ins Zentrum (Schwabing) gefunden. Wir treffen uns nach wie vor 14-tägig, jeweils mittwochs ab 19.30 Uhr in der Seidlvilla (Nikolaiplatz 1b, U-Bahn Giselastr.).
Moderiert wird der Gesprächskreis von Wolfram von Berg.

Anfangs setzte sich der Gesprächskreis aus Teilnehmern eines VHS-Kurses zusammen, die eine kontinuierliche Veranstaltung wünschten. Aus dem eher als Informationsveranstaltung durchgeführten VHS-Kurs wurde aus den Teilnehmerwünschen heraus eine Diskussionsrunde und alsbald kamen durch Mund-zu-Mund-Propaganda auch neue Teilnehmer hinzu. Hatten wir anfangs für jeden Abend ein separates Thema vorbereitet - den Teilnehmern sollte die Möglichkeit gegeben werden, frei zu bestimmen, ob sie den einen oder anderen Abend fernbleiben wollten, so entwickelte sich doch recht schnell (ab Herbst 1987) die - wenn auch von einigen 'zyklusfreien Phasen' unterbrochene - bis jetzt durchgehaltene Struktur der Themen-Zyklen. Ein fundamentales Thema wurde über mehrere Abende hinweg in seinen unterschiedlichen Aspekten behandelt. Dabei wurde die Konzeption des 'geschlossenen Abends' beizubehalten versucht, d.h. jeder Abend sollte so gestaltet sein, daß neue Teilnehmer oder Ab-und-zu-Teilnehmer an jedem Abend einen Einstieg finden konnten. Die damaligen Themenzyklen (z.B. 'Weltbild', 'Täuschungen-Enttäuschungen', 'Meinen-Meinung', 'Macht') ließen diese Möglichkeit weitgehend zu. Von Beginn an war die Veranstaltung als open-end konzipiert.

Es bildete sich in den ersten Jahren des Gesprächskreises ein 'harter Kern' von Teilnehmern heraus (circa fünf), zu denen sich verschiedentlich neue oder auch assoziierte Mitdiskutierende fanden. Mit den Jahren kannten wir uns aber in diesem Kreis auch so gut und waren so eingefahren aufeinander, daß es für neue Teilnehmer immer schwerer wurde, in diesen Kreis hineinzufinden; für die 'etablierten' Teilnehmer jedoch wurde es mit den eingefahrenen Strukturen zunehmend auch absehbarer und langweiliger. Daraufhin legten wir 1994 für circa ein halbes Jahr eine schöpferische Pause ein, um neue Ansatzpunkte und neue Lebendigkeit für den Kreis zu finden.

In diese Pause fiel ein Interview mit einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung und ein daraus resultierender Artikel mit Angabe von Kontaktmöglichkeit. Allein am Tag des Erscheinens dieses Artikels am 26.10.1994 erhielten wir über 100 Anrufe mit interessierten Nachfragen. Wir veranstalteten daraufhin einen allgemeinen Informationsabend zu den Vorhaben des Vereins, zu dem circa 70 Personen erschienen. Da diese große Zahl eine auch nur einigermaßen überschaubare Diskussion nicht mehr ermöglichen würde, stellten wir verschiedene Überlegungen an, unterschiedliche Gruppen zu bilden etc. Jedoch wollten die Gesprächswilligen sich nicht auseinanderdividieren lassen. Wir suchten zunächst einen zentral gelegenen Versammlungsort, fanden diesen zunächst im Münchner Selbsthilfezentrum und schließlich in der Seidlvilla, Münchens renommiertem Bürgerhaus. Die Teilnehmerzahl an den Gesprächsrunden nahm - es gab keine aktive Anstrengung zur Reduktion - allmählich von circa 40 auf reichlich 25 ab. Diese Phase des Gesprächskreises war immer wieder geprägt von Fragen, wie in dieser Größenordnung sinnvolle Diskussionen zustande kommen könnten. Das Problem konnte aber nur durch ein Fernbleiben von Teilnehmern gelöst werden. Erstaunlich dabei ist, daß eine ganze Reihe von Teilnehmern, die zunächst der Veranstaltung fernzubleiben begannen, sich später wieder einfanden. Es kamen und kommen aber auch immer wieder neue Philosophieinteressierte hinzu, so daß auch nach so langen Jahren der Kreis lebendig und dynamisch ist.

Inzwischen hat sich ein Kern von an die 30 Personen herauskristallisiert, die teils regelmäßig, teils sporadisch oder je nach behandeltem Zyklusthema zu den Diskussionsrunden erscheinen. Insgesamt kommen gegenwärtig zu den 14-tägigen Treffen jeweils um die 15 Teilnehmer.

Die inhaltliche Auseinandersetzung mit unseren Themen ist nicht geleitet von historischer Aufarbeitung. Die Diskussion zu Standpunkten bestimmter Denker der Tradition ist nicht unser Anliegen. Der Gesprächskreis versteht sich ausdrücklich nicht als Informationsveranstaltung oder bestimmte Art und Weise der Heranführung an philosophisch etabliertes Gedankengut. Unser Anliegen ist vielmehr, im Rahmen des gewählten Themas uns auszutauschen, miteinander ins Gespräch zu kommen und uns gegenseitig zu überprüfen und weiterzuhelfen in dem Themenverständnis. Dies entspricht unserem Satzungszweck, der Förderung des dialogischen Philosophierens. Bereits zu Beginn unserer Vereinstätigkeit prägten wir den Slogan: Wir wollen nicht über Menschen philosophieren, sondern mit ihnen!

Das vorrangige Interesse der Teilnehmer besteht in der Gesprächskultur und im gegenseitigen Austausch, der gegenseitigen Bereicherung. Das 'Ergebnis' unserer Arbeit ist gar nicht so entscheidend. Die Schlüsse, die aus unseren Gesprächen von dem einzelnen gezogen werden, sind wahrscheinlich sehr unterschiedlich. Dennoch haben diese Diskussionen nicht Beliebigkeitscharakter. Es geht sehr wohl um 'die Sache', es wird ernsthaft geforscht und gestritten. Aber es war von Beginn an gewünscht und hat sich weitestgehend etabliert, die Gespräche in Freiheit zu führen. Nicht jeder Teilnehmer konnte im Laufe der Jahre die Offenheit von Meinung und Gegenmeinung bei der Möglichkeit von Überzeugungsarbeit und Meinungsänderung und Abbau von Vorurteilen so akzeptieren und verließ die Runde wieder. Wesentlich blieb uns immer, daß wir nicht alleine Meinungen austauschen, sondern sie zu hinterfragen bzw. hinterfragen zu lassen fordern und fördern. Absolutheitsanspruch wollen wir nicht erheben.