Jubiläum eines kleinen Vereins: Die Philosophen e.V. wird 25


Vor 25 Jahren gründeten wir DIE PHILOSOPHEN. Dies geschah in erster Linie, um dem Bedürfnis nach philosophischer Auseinandersetzung, wie es besonders außerhalb der Universitäten und Hochschulen spürbar war, zu entsprechen. Solch ein Bedarf entsteht aus den lebensproblematischen Situationen des Einzelnen ebenso wie der Gesellschaft insgesamt und zeigt sich im Mangel an Orientierung einerseits und fehlendem Mut zu den wirklich eigenen Fragen und Lösungsansätzen andererseits. Es galt und gilt, dieses philosophische Anliegen zu stärken und allgemein ins Gespräch zu bringen.

Ausgangspunkt für die Vereinsgründung war eine Gruppe von Philosophiestudenten. Wir wollten weder die akademische Laufbahn einschlagen (eine von uns hat es aber dann trotzdem bis zur Professur gebracht) noch uns gegenseitig Konkurrenz machen. So suchten wir nach einer Plattform für fruchtbare Zusammenarbeit und Vernetzung, was damals noch sehr neumodisch war. Ergebnis war die Vereinsgründung zum 15. Mai 1987.

Schwerpunkt aller Beteiligten im Vorfeld der Vereinsgründung war das Feld der Anthropologie: Der Mensch stand für uns alle im Mittelpunkt der Forschung. Mit dieser Position ging es uns allerdings nicht vorrangig um die Aufarbeitung der seit alters her bekannten Problemstellungen und ihrer Lösungen, sondern wir sahen und sehen unseren Ansatz vor allem darin, gerade das alltägliche Erleben und das allzu Selbstverständliche in den Mittelpunkt eines forschenden Dialogs zu rücken. Unser Plakat heißt: Wir wollen nicht über den Menschen philosophieren, sondern mit ihm! Philosophie soll aus dem Dialog selbst heraus ermöglicht werden. Deshalb versuchen wir, einseitige Sichtweisen auf vergessene Möglichkeiten hin zu befragen und verfestigte Denkstrukturen neu in Bewegung zu bringen. Einzelne Erfahrungen werden für die Vielfalt der Lebenszusammenhänge entdeckt und in Beziehung gesetzt.

Im stetigen Auf-der-Suche-Sein bemühen wir uns, neue Möglichkeiten der Auseinandersetzung anzubieten. Dabei verstehen wir uns nicht als therapeutisches oder weltanschaulich gebundenes Zentrum, sondern bieten Foren für einen offenen, partnerschaftlichen Austausch von Fragen und Meinungen. Wenngleich die Verstärkung der Wechselwirkung von Denken und Handeln ein wichtiger Bezugspunkt ist, so ist doch zu betonen, dass unser Vorhaben sich konzentriert auf Selbst-Erfahrung und -Bildung mittels gedanklich reflektierender Beschäftigung.

Noch sind Mensch und Welt nicht gültig beschrieben - immer bleibt ein Rest oder eine Widersprüchlichkeit bestehen. Dieses Phänomen ist nicht allein eine wissenschaftliche und philosophische Triebfeder, sondern beschäftigt auch den Alltagsmenschen in vielerlei Aspekten und Formen. Gleichermaßen aber ist unser Alltag aufgeräumt und lässt eine intensive und 'echte' Beschäftigung mit dem Sachverhalt nicht zu. Es ist vonnöten, dass Freiräume unterschiedlicher Art geschaffen und angeboten werden, um der Offenheit von Welt und Mensch ihr Anrecht zu geben. DIE PHILOSOPHEN wollen mit ihren Unternehmungen Spielräume anbieten, einerseits um die Fragen, die das Leben aufwirft, auch tatsächlich zu stellen und ihnen ein gutes Stück nachzugehen, andererseits um Entwürfe von Denkern aus Tradition und Gegenwart anzubieten, welches solches Fragen sein kann und wie mit diesem Fragen umgegangen werden kann. Wir sind in diesem Bestreben nicht weltanschaulich gebunden. Für uns hat das Fragen vorrangigen Wert gegenüber dem Antworten. Philosophie ist die Kunst des rechten Fragens nicht der richtigen Antwort.

Ursprünglich in der Innenstadt beheimatet hat der Verein seit nunmehr 18 Jahren seinen Hauptsitz in Waldperlach. Durch die Zusammenarbeit mit dem Verein für nachbarschaftliches Leben e.V. hat sich dabei inzwischen hier ein eigener Philosophischer Gesprächskreis gebildet, der vielleicht durch sein Jahresthema für 2012 zu den „Philosophen und Humanisten als Namensgeber Waldperlacher Straßen“ neuen Zulauf erhält.