Philosophische Naturerkundung


Umsetzung der Skripten von 1992

Die Naturerkundungen wurden als Wochenendveranstaltung durchgeführt in den Jahren 1988 bis 1993 (Projektleitung Wolfram von Berg), teilweise in Verbindung mit Volkshochschulen im Münchener Raum.

Impressionen von den Naturerkundungen (205 kB)


1. Das abendländische (wissenschaftliche) Drama
2. Das Dilemma alltäglich-pragmatischer und wissenschaftlicher Schizophrenie
3. Das philosophische Experiment
4. Verstehensvielfalt und Verunsicherung
5. Angesprochene Fragestellungen
6. Abriß der Geschichte der Naturphilosophie
7. Gegenwärtige An- und Einsichten zur Natur
8. Weiterführende Literatur


Abgesehen von Teilen des philosophiegeschichtlichen Abrisses unternehmen wir hier den Versuch, die Sichtweise zu erläutern bzw. zumindest in Ansätzen auszuführen, die als Leitidee der "Philosophischen Naturerkundung" vorsteht. Der Leitgedanke weist dahin, die Natur als Möglichkeitsgrund für die verschiedenen Interpretationen, welche hier 'natürliche' (d.h. auf Natur bezogene) genannt werden, zu erkennen.

Die Darstellung versucht, die an unseren Erkundungs-Wochenenden angesprochenen Aspekte aufzugreifen, soll jedoch in der Kommentierung und Ausführung nicht Manifestcharakter haben, sondern lediglich die Frag-Würdigkeit des etablierten und manches Mal widersprüchlichen Naturverständnisses herausstellen.


1. Das abendländische (wissenschaftliche) Drama:

"Die Eule der Minerva beginnt ihren Flug in der Dämmerung" erläutert HEGEL einmal das philosophische Tun und faßt damit nicht allein den Zugang zum Natürlichen (und darauf fußend die 'Stellung des Menschen im Kosmos'), wie er für das beginnende 19. Jahrhundert repräsentativ ist, in eine Metapher. Hier ist die Sichtweise, welche sich im Zuge einer 2500-jährigen Geschichte der abendländischen Philosophie und Kultur machtvoll etabliert hat und noch in unserer Zeit vehement wirkt, auf den Punkt gebracht:
Minerva (Athene) ist in der antiken griechischen Mythologie die Beschützerin aller forschenden Betätigung. Die Eule ist ihr Symbol, im weiteren das Sinnbild der Weisheit. Erstaunlich mag anmuten, daß dieses Vorbild des Forschenden zwar ein natürliches Wesen ist, jedoch ein Wesen der Nacht. In der Nacht nämlich sieht der Mensch zunächst einmal nichts.
Zwei Möglichkeiten sind gegeben, das nächtlich Verdeckte (von dem HERAKLIT bereits sagt: "Die Natur liebt es sich zu verbergen") zu erkennen. Zum einen, indem sich die Augen an das Dunkel gewöhnen, oder aber zum anderen, indem ein künstliches (un-natürliches?) Licht entfacht wird. Letzteres ist die Entscheidung der abendländischen Forschungsgeschichte fast seit Anbeginn: Es wurde das Licht des Geistes (Ratio, Vernunft, Wissenschaft) entzündet, das die zu erforschenden Gegenstände beleuchtet.
Natur meldet sich allerdings bei dieser Sicht nicht von sich her, sondern ist gleichsam passiv und schläft, während der Mensch durch eine kulturelle Überhöhung/Gegenüberstellung ihr zu Leibe rückt, sie fest-stellt und im weiteren sich dienstbar macht. Die Natur, wie sie ist, erscheint nicht so interessant wie die Frage, was man mit ihr machen kann.

Das Verhängnis dieses im modernen Sinn vor allem 'naturwissenschaftlich' zu nennenden Naturverständnisses liegt in erster Linie darin, daß die Wissenschaftler (und Techniker) der Natur gegenüber stehen und von dieser Position aus monologisch (einseitig) die Natur auf den Begriff des 'Natürlichen' bringen wollen. Dieser Zugang besteht auch heute noch weitestgehend, wenngleich bereits in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts von der sogenannten KOPENHAGENER SCHULE (BOHR, HEISENBERG u.a.) erkannt wurde, daß der Naturwissenschaftler in einem dialogischen Zusammenhang (gegenseitiges Aufeinanderwirken) mit seinem Forschungsgegenstand gesehen werden muß.

Hierzu einige Zitate von HEISENBERG (aus "Physik und Philosophie"): "Und wir müssen uns daran erinnern, daß das, was wir beobachten, nicht die Natur selbst ist, sondern Natur, die unserer Art der Fragestellung ausgesetzt ist." ... "Das ist allerdings ein sehr merkwürdiges Resultat, das zu zeigen scheint, daß die Beobachtung eine entscheidende Rolle bei dem Vorgang spielt und daß die Wirklichkeit verschieden ist, je nachdem, ob wir sie beobachten oder nicht." ... "Die Naturwissenschaft ist ein Teil eines Wechselspiels zwischen Natur und uns selbst." ... "In den Experimenten über Atomvorgänge haben wir mit Dingen und Tatsachen zu tun, mit Erscheinungen, die ebenso wirklich sind wie irgendwelche Erscheinungen im täglichen Leben. Aber die Atome oder die Elementarteilchen sind nicht ebenso wirklich. Sie bilden eher eine Welt von Tendenzen oder Möglichkeiten als eine von Dingen und Tatsachen." - Aus ihnen aber besteht die Welt!

Sinnliche Erfahrung ist auf vielfältige Weise - Apparateforschung, Unabhängigkeit der Naturabläufe von Beobachtung, hohe Abstraktion auf makro- und mikroskopischer Ebene - zunehmend als eigentliche Grundlage des Wissenschaftlichen ausgeblendet.

Desweiteren gilt die Forderung der Wiederholbarkeit (des Experiments) mit gleichem Ergebnis zur Feststellung von Gesetzmäßigkeit und 'Wahrheit' gar nicht unbedingt für manche als wissenschaftlich akzeptierten Erkenntnisse. Die modernen Zyklotrone zur Auffindung von neuen Elementarteilchen laufen nur so lange, bis einmal Eines gefunden ist, dann gilt der Beweis als erbracht. Auch sind z. B. die Theorien DARWINs, alle Natur sei evolutiv gemäß bestimmten Naturgesetzmäßigkeiten, nicht experimentell wiederholbar. Daß in der Evolution bsplw. Dinosaurier entstanden sind (und wieder ausstarben) ist ein einmaliger und irreversibler Vorgang. Als solcher ist er definitionsgemäß wissenschaftlich nicht einholbar. Es handelt sich bei der Evolutionstheorie um einen (unreflektierten) philosophischen Entwurf, welcher durch ausschnitthaft verengende, aber wissenschaftlich genannte Sichtweise (bsplw. des Ausgrabens von Knochen) belegt werden soll. Wir 'wissen nicht', ob es eine Evolution im darwinistischen Sinne gegeben hat, wir wissen lediglich, daß es an bestimmten Stellen (ehemals unter der Erde) Knochen gibt, die wir nun einem Tier mit dem Namen "Dinosaurier" zurechnen. In Bezug auf Natur bedeutet dies, daß sich Natur in diesem Fall in der Weise von verstreuten Knochen meldet. Hätten wir sie auf anderes hin befragt, wir hätten evtl. anderes gefunden.
Das heißt nicht, daß der Ausschnitt als Ausschnitt falsch ist, als solcher ist er richtig. Erst von einer anderen Warte aus, nämlich der eines menschlichen Horchens auf die Phänomenwelt genannt 'Natur', ist jedoch zu entscheiden, ob spezifisch wissenschaftlich genanntes Suchen sinnvoll ist und die sich darin meldende Natur insgesamt adäquat verstanden ist.


2. Das Dilemma alltäglich-pragmatischer und wissenschaftlicher Schizophrenie:

Als 'natürlich' ist von den Menschen immer, wenngleich auf unterschiedliche Weise, verstanden, was interpretierend in 'Natur' hineingelegt ist. Natur ist, was der Mensch natürlich nennt.

Im Alltag zeigt sich oftmals, daß eine unreflektierte und gleichermaßen nicht zur Bedeutung erhobene Doppeldeutigkeit von Natur Platz hat:
Einerseits versteht sich der gegenwärtige abendländische Mensch zumeist als 'naturverbunden', wenn nicht gar als 'Naturliebhaber' (in Assoziation dazu heißt Philosophie übersetzt: "Liebhabe der Wahrheit"). Andererseits ist das klassische, naturwissenschaftlich festgestellte Welt- und Naturverständnis allgemeinstes Bildungsgut.
Und auch im naturwissenschaftlichen Weltbild zeigt sich zunehmend (auf kompliziert versteckte Weise) eine Doppeldeutigkeit: Das naturwissenschaftliche, auf technischen Fortschritt abzielende Denken hat sich immer auch auf das Funktionieren der Technik als Beweis für die Richtigkeit bzw. Wahrheit ihres Vorgehens berufen. Heute stellt sich in zunehmendem Maße heraus, daß dieses Funktionieren lediglich in einem eng begrenzten Rahmen zutrifft. Industrielle Maschinen oder solch ein Alltagsgegenstand wie ein Auto funktionieren nur in sich, nicht jedoch im Gesamt der Natur (Ökologie), in der der 'Gift'-Ausstoß zumindest aspekthaft, auf alle Fälle in immer größerem Maße, tödliche Wirkung entfaltet. Nur im 'Weghören' von Natur (als Gesamtbestand) kann diese Wirksamkeit noch als 'natürliche (im Sinne von: zweckrichtige) Reaktion' verstanden werden, obgleich sie allemal Reaktion von Natur ist, einer Natur die wissenschaftlich und alltäglich immer eindringlicher gesucht wird.
Entsprechend einer ungedeuteten Schizophrenie wird weiter wissenschaftlich auf die in ihrer 'Zerstörung' sich meldende Natur in der Weise reagiert, daß naturwissenschaftliche Forschung weiter- und noch exakter betrieben werden muß, um die Mängel und Fehler auszugleichen.
Der Begriff der 'natürlichen Reaktion' dient dabei der Rechtfertigung, nicht dem Erkenntnisbereich, der gemäß dem 'Drama' eingeengt bleibt. In der Rechtfertigung wird (für den Nicht-Wissenschaftler) jedoch ersichtlich, daß der Natur eine Eigendynamik zuerkannt wird, sonst könnte sie nicht reagieren. Dies Eigene ist jedoch verborgen und bleibt als Eigenheit unberücksichtigt.

Es wird so in der Rechtfertigung wie in der alltäglichen Doppeldeutigkeit eine Schizophrenie erkennbar, womit ein 'Leben' in zwei nicht übereinbringbaren 'Welten' gemeint ist. Nicht nur der naturwissenschaftliche Forscher, sondern ein ganzer Kulturbereich, der sich mehr oder minder fraglos bzw. die Widersprüchlichkeit pragmatisch akzeptierend an die Vorgaben der Forscher hält, obliegt diesem Gespaltensein zwischen dem Beharren auf der einmal etablierten Verständnisweise und dem sich immer lauter meldenden (und als sinnvoll ersehnten) eigenständigen 'Handeln' der Natur. Solche Eigenständigkeit bezieht sich nicht allein auf die 'äußeren' Naturphänomene, sondern gleichermaßen auf die - wie auch immer interpretierte - 'innere' Natur. Vielleicht ist in diesem Bereich von Natur sowohl der hier verwandte Begriff der Schizophrenie leichter verständlich, als auch der so bezeichnete Phänomenbereich leichter aufweisbar. Schizophrenie kann in diesem Bereich verstanden werden als mehr oder minder deutliches, nicht unbedingt bewußtes, auf alle Fälle jedoch sich auf der Erlebnisebene meldendes Abgespaltensein vom - wie nun auch immer wiederum als Natürlichkeit des Menschlichen interpretierten - autochtonen Selbst.


3. Das philosophische Experiment:

Aus dem dramatisch gefaßten Dilemma, das zunächst und zumeist nicht als solches aufgefaßt wird (womöglich im Sinne eines unproblematisch lebbaren Lebens), ergibt sich das Konzept und die Methode der "Philosophischen Naturerkundung".
Statt eines Versuchs, die Philosophiegeschichte der Natur zu erörtern, steht das Vorhaben unter dem Motto: "Zu den Sachen selbst!". D.h. wir fragen nach unseren eigenen Sichtweisen und unserem Verständnis von Natur, aber darauf aufbauend gezielt danach, was es an der Natur selbst ist, das die unterschiedlichen Interpretationen wie auch die unterschiedlichen Ausformungen ermöglicht und sich dabei und in der Umgestaltung ihrer selbst so flexibel zeigt.

Es handelt sich also um eine phänomenologische (die Eigensprachlichkeit der Phänomene betreffende), aber zumindest ansatzweise (und für unseren speziellen Verlauf sich manches Mal fast als roter Faden durchziehend) auch anthropologische (die Eigensprachlichkeit des Menschen betreffende) Untersuchung.

Für diese Unternehmung sollen einige methodische Leitsätze aufgezeichnet werden:

Für die "Philosophische Naturerkundung" steht im Vordergrund, auf Natur in ihrer Phänomenvielfalt aufzubauen. Nicht im Vordergrund steht, spezifische naturphilosophische Verständnisformen über Natur darzustellen (und zu reflektieren). An dieser Vorgehensweise ist problematisch, daß jeder bereits in der mehr oder weniger genauen bzw. reflektierten Kenntnis von naturphilosophisch zu nennenden Sichtweisen (wozu auch die modern naturwissenschaftliche gehört) Natur vorinterpretiert betrachtet. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Naturerkundung setzt sich also mit einer 'Befreiung' von der einseitigen Dominanz solcher Interpretationen auseinander.

Die Frag-Würdigkeit des jeweiligen Naturverständnisses des Einzelnen kann dadurch herausgestellt werden, daß es auch eine Anzahl von alternativen Naturverständnissen gibt, die mit gleichem oder ähnlichem Recht von sich behaupten können, die Natur angemessen wiederzugeben. Sie sind jeweils interessegeleitet. Daß auf diese Weise mehrere Naturverständnisse bestehen, stellt uns vor das Problem, entweder, daß zu erforschen ist, welches Verständnis denn nun zurecht das richtige oder gar 'wahre' zu nennen ist, oder, ob ein adäquater Naturbegriff dort zu suchen ist, wo die Frage nach dem Grund der Möglichkeit solch verschiedener Naturverständisse anzusetzen ist.

Als Beispiel für die Unterscheidung dieser beiden Problemebenen kann der 'Baum' angeführt werden:
Verschiedene Menschen nehmen diesen Baum unter Umständen auf ganz verschiedene Weise wahr. Der Naturwissenschaftler sieht die physikalischen bzw. biochemischen Gesetze und Prozesse, die in dem Baum wirken und seine Gestalt erklären; ein Maler fühlt sich evtl. inspiriert, den Baum auf sogenannte naturalistische oder auch abstrakt/symbolische Weise zu zeichnen; der Wanderer erfreut sich an dem Schattenspender; das Liebespaar ritzt ein Herz in seinen Stamm; der Tischler betrachtet den Baum in Hinblick auf die Möglichkeiten, Gegenstände daraus zu verfertigen; der Meditierende entdeckt durch ihn universale Zusammenhänge usw. Es erscheint nun wenig sinnvoll, einen Streit zwischen diesen verschiedenen Verständnissen des Baumes auszufechten in Hinblick darauf, welches Verständnis denn das Beste sei. Ein solches Unternehmen müßte allererst untersuchen, auf welche Weise denn ein 'wahres' Verständnis zu erlangen ist, das hieße in unserem Themenzusammenhang vor allem, die Frage nach dem Menschen als dem Beobachtenden und Interpretierenden zu stellen und allgemeingültig zu beantworten.
Unsere Unternehmung hat jedoch zum Ausgangspunkt, das Hören auf die Natur selbst zu fördern und die menschliche Selbstreflexion zumindest versuchsweise aus ihrer zentralen Stellung zu entlassen.

Die Problematik des menschlichen Selbstverständnisses bzw. auch des Verständnisses der 'Natur des Menschen' könnte in Hinblick auf 'Natur als Natur' vorläufig folgendermaßen aufgelöst werden: Der Mensch versteht sich selbst jeweils entsprechend seinem Naturverständnis (und umgekehrt), d.h. es kann eine korrespondierende (dialogische) Entsprechung angenommen werden. In diesem Sinne entsprechen sich auch Phänomenologie und Anthropologie ohne deckungsgleich zu sein.

So verspricht die philosophische Frage, was denn der Baum selbst als all die Sichtweisen ermöglichender in der Durchgängigkeit der verschiedenen Verständnisse eigentlich ist (was er von sich her in seine dialogische Angewiesenheit mit dem Menschen mitbringt), eine Möglichkeit, die Naturphänomene von sich selbst her adäquat zu verstehen und von daher evtl. auch den Streit der unterschiedlichen Naturverständnisse zu befrieden.


4. Verstehensvielfalt und Verunsicherung

Betrachtet man die Vielzahl der unterschiedlichen Naturverständnisse, von denen die abendländisch tradierten (mit nur geringer Ausnahme auf dem Gespaltensein von Mensch und Welt beruhenden) nur einen Teil ausmachen, und nimmt diese Vielfalt ernst, so entsteht daraus eine Beängstigung, wie sie bsplw. bereits bei NIKOLAUS VON KUES (15. Jh.) angesprochen ist. Er stellt fest, daß wir ohne ein Verständnis vom Wesen der Natur in die Ungewißheit der Grenzen des Kosmos, die Unbestimmbarkeit der endlichen Welt (in der wir leben) stürzen würden, der Mittelpunkt fehlen würde. Natur (als Orientierungssystem) verliert dadurch nämlich den zuverlässig tragenden Charakter, dessen man sich bei Bedarf stets ohne große Mühe versichern können muß. Da solche Verunsicherung nicht alltäglich aushaltbar ist, verfällt der Einzelne immerzu an das alltäglich im Hier und Jetzt etablierte (u.U. jedoch mindestens begrenzte oder gar 'falsche') Naturverständnis bzw. bewegt sich in einem innerlich widersprüchlichen Dilemma von aspekthaften Verständnissen, ohne sich diese Widersprüche vor Augen zu führen.

Diese Not verstärkt sich eher noch, wenn versucht wird, auf die Ebene der Frage nach dem bei der Natur selbst zu suchenden Grund der Möglichkeit der verschiedenen Naturverständnisse zu steigen. Natur erscheint hier zunächst als 'leere Form', von der nicht ausgesagt werden kann, mit welchen 'Inhalten' sie adäquat gefüllt ist. Die Inhalte ergeben sich interessegeleitet, wobei auf ein mögliches Eigeninteresse von Natur im heute gängigen Normalfall nicht gehört wird. Das Interesse des mit Natur umgehenden Menschen steht heute nicht mehr in Frage, obwohl kaum jemand es zu benennen wüßte.

Wir stehen damit vor zwei Unbekannten, sowohl der Natur als auch dem Menschen selbst. Die Not ist aber nicht dadurch gelindert, daß wir die zwei Unbekannten zusammenziehen und nach der 'Natur des Menschen' fragen. Sie scheint allein dadurch auflösbar, daß wir von einer dialogischen Situation zwischen Mensch und Natur ausgehen, ohne dabei auf die Meinung zu verfallen, es handele sich hier um zwei autonom getrennte Dialogpartner. Dialog meint hier gerade, daß eine komplexe Verzahnung, eine gegenseitige 'Angewiesenheit' vorliegt. In diesem Dialog - wie auch immer er geführt wird, und er muß geführt werden, wenn auch bsplw. in der gegenwärtig verbreiteten Form des gegenseitigen oder einseitigen Anschweigens - verändern sich die beiden Partner zwangsläufig in Abhängigkeit der jeweils geführten Rede. Da aber Rede und Gegenrede nicht vorherbestimmbar sind - solche Annahme wäre als zwangsweises Einschränken der Dialogmöglichkeiten zu werten - besteht die permanente Möglichkeit der Verunsicherung und Beängstigung. Selbst in der modern praktizierten Naturbeherrschung kann die Möglichkeit der Beängstigung durch Natur nicht genommen werden (was allzuoft als Ziel der Naturforscher angegeben wird). Dies bedeutet im weiteren, daß mit der Situation der Beängstigung lediglich ein Auskommen zu erreichen ist, nicht jedoch eine entgültige Bewältigung bzw. Überwindung. 'Denkbar' allerdings ist eine dynamische, immer wieder dialogisch neu herzustellende Harmonisierung des Umgangs.

Problematisch bleibt auch hier allerdings die Bedürftigkeit eines tragenden Grundes, eines Vertrauens in die Bewegung. Dieses zu finden bedeutet gerade für den heutigen Menschen, der sich 'naturverbunden' in einer vor allem als rebellierend gegen ihre Rolle des Schweigens und Stillhaltens sich zur Wehr setzend und zu Wort meldend verstandenen Natur - jener Natur, die wir nicht als natürlich akzeptieren wollen (z.B. in Form der infizierenden Zecken) - zurecht finden will, eine schwierige, allerdings auch lohnende Aufgabe. Denn erst aus der Dialogstruktur selbst heraus ergibt sich auch das Vertrauen in den Dialogpartner.


5. Angesprochene Fragestellungen:

Zur Veranschaulichung eine Aufreihung einiger an unserem Wochenende vom Sommer 1992 von den Teilnehmern aufgeworfenen Fragestellungen:

Ist alles Naturverständnis eine Frage der Definition?
Ist Natur nicht vollkommen genug?
Wer ist das Subjekt in unseren Fragen?
Gibt es eine der Natur immanente Entwicklung?
Was ist gemeint mit dem Gegensatz Natur-Kultur? Was mit dem Gegensatz Natur-Kunst? Warum gibt es bzw. was ist gemeint mit dem Gegensatz natürlich-widernatürlich?
Ist Glücksstreben beim Menschen natürlich? Ist Glück von der Natur vorgesehen?
Wo hat der Einzelne seine Wurzeln?
Regiert noch immer der menschliche Anspruch, das für die Natur Beste zu wissen und sie entsprechend zu vervollkommnen?
Drückt sich die Natürlichkeit der Natur zentral in der Begrenztheit aus? Mangelt es dem Menschen an der Anerkennung solcher Begrenztheit?
Ist die `Entwicklung' des abendländischen Naturverständnisses der Weg einer Emanzipation von Ohn-Macht?
Existieren die Naturgesetze in der Natur oder nur in unseren Köpfen?
Wäre es sinnvoller, nicht alles zu wissen, zu können, ...?
Was heißt eigentlich: "Die Natur liebt es sich zu verbergen"?
Wertet die Natur für sich selbst?
Ist Natur nicht (nurmehr) als `Kulturlandschaft' erholsam, anregend, ...?

6. Abriß der Geschichte der Naturphilosophie:

Die Frage nach der Natur als Natur ist in der Philosophiegeschichte der Auseinandersetzung mit Natur wenig bearbeitet worden. Das Schwergewicht der Naturphilosophie lag zumeist auf der Ebene des Streites zwischen verschiedenen Naturverständnissen und in der Auseinandersetzung in Hinblick auf eine beste Sichtweise. Daß die Natur es liebt sich zu verbergen, ist eher als Aufforderung zu kämpferischer Aufdeckung und Bemächtigung denn als positive Aussage verstanden worden. Im folgenden soll zu den philosophiehistorischen Aspekten des Naturverständnisses ein (nicht Vollständigkeit beanspruchender) Überblick gegeben werden.

Als Übergang zwischen der vorphilosophischen und philosophischen Weltdeutung kann ein Absehen von göttlichen (übermenschlichen) Wirkmächten und der Versuch, die Phänomene auf 'inner-weltliche' Weise zu verstehen, angesehen werden. Wann, wie und warum aber überhaupt ein 'Verstehen' von der Natur, das der Mensch als natürliches Lebewesen immer schon hat, zugunsten eines Fragens nach Natur aufgegeben wurde, muß unbeantwortet bleiben.

Physis, der griechische Begriff für Natur, hat vor allem die Bedeutung, daß die Welt über eigenen Bestand, eigene Wirklichkeit verfügt, also unabhängig ist von einer 'überirdisch' waltenden Götterwelt. Desweiteren bedeutet physis für die griechische Antike nicht allein Beschaffenheit, Wesen, sondern ebenso auch Werden, Wuchs; physis hat also gleichermaßen den Charakter des Vorgefunden-Stabilen wie den der Entwicklung. Der Mensch ist in die physis als ein Bestandteil eingebunden.
Die philosophische Frage nach der Natur ist dabei vergangenheitsbezogen, ist letztlich die Frage nach dem Urgrund (allen Werdens). Natur wird in dieser Fragestellung aber auch zur Norm, bsplw. im Sinne von Gesundheit; physis ist gut und wohlgeordnet.

Am Beginn der philosophischen Tradition steht THALES (etwa 625-545 v.Chr.), dem es gelingt, die Sonnenfinsternis vom 28. Mai 585 v.Chr. vorherzusagen. THALES sieht im "Wasser" den Ursprung der Welt und des Lebens. Mit den Elementen ist allerdings nicht ein Naturverständnis im modernen Sinn angesprochen, das Wasser als 'Urgrund' hat hier einen symbolischen Charakter des Tragens.

Solchem 'Elementar-Verständnis' folgend prägt HERAKLIT (etwa 544-483 v.Chr.), bei dem jedoch das "Urfeuer" die ursprüngliche Einheit bezeichnet, die Sichtweise des "panta rei" (alles fließt), bzw. man könne nicht zweimal in denselben Fluß steigen. In der Welt der Erscheinungen ist nach HERAKLIT aus der ursprünglichen Einheit durch Kampf Vielheit entstanden, die in ständiger Wechselwirkung die Dynamik des panta rei bedeutet. Die verborgene Einheit ("Die Natur liebt es sich zu verbergen") hinter der Vielheit zu erkennen, das ist das Anliegen des Philosophen-Forschers. Geforscht wird jedoch im Hin-Hören, nicht im Experimentieren.

EMPEDOKLES (495-435 v.Chr.) erkennt vier Elemente: Feuer, Wasser, Erde und Luft, die nicht aufeinander zurückführbar sind und durch Mischungsverhältnisse alle Stoffe bilden. Die Beweger solcher Mischungen sind Liebe und Streit.

Als Schüler des LEUKIPP (5. Jh. v.Chr.), der wohl die Atomlehre begründet hat, sucht DEMOKRIT (460-371 v.Chr.) auf nicht elementgebundene Weise nach dem Urgrund und benennt ihn in den Atomen als kleinsten und letzten festen und vollen Teilchen, die sich im Leeren bewegen. Die einzelnen Erscheinungsdinge zeigen sich durch die jeweilige Gestalt, Lage und Anordnung der Atome.

PARMENIDES (540-480 v.Chr.) ist der erste Naturphilosoph, der Sinneserfahrung als Illusion brandmarkt. Wahr sei einzig das unvergängliche, unveränderliche, kontinuierliche eine Sein. Die Alltagserfahrung stetiger Veränderung der Erscheinungen sei trügerisch. Daß die Erscheinungen, die werden und vergehen, unzulänglich sind, sich darauf keine rechte Wahrheit bauen läßt, diese Sicht etabliert sich zunehmend und machtvoll.

Für PLATON (427-347 v.Chr.) bzw. SOKRATES (469-399 v.Chr.) ist die physis demgemäß etwas hinter aller Erscheinung diese Bewirkendes, durch die Veränderung der Erscheinungen sich unverändert Durchhaltendes: die Idee. Natur wird zum formalen, geistigen Prinzip. Um die Ideen 'schauen' zu können, dazu bedarf der Mensch der Übung und Belehrung. Er bedarf dazu des Organes der Seele (der Vernunft), die vom Leiblichen sich distanzieren muß, von der Welt der veränderlichen Erscheinungen Distanz gewinnen muß. In der Schau der Ideen ist der Mensch dem blinden Naturwirken in den materiellen Erscheinungen übergeordnet, mittels der "techne" als vernünftiger Tätigkeit reicht er über die Natur als Erscheinung hinaus, ohne dabei Natur im höheren Sinne - die eigentliche physis/Natur als Prinzip - zu verlassen. Der Mensch gehört (samt seiner Körperlichkeit) nun vor allem dieser höheren physis an, Denken und Leiblichkeit sind im Bereich vergänglicher Naturerscheinung unwesentlich.

Mit dieser Vorstellung ist der Beginn des 'gespaltenen' Natur- und Menschenverständnisses benannt, das die gesamte abendländische Tradition bis zum heutigen Tage bestimmt. Der Mensch steht aus der Natur als Erscheinungswelt heraus, die Natur ist als Erscheinung nicht mit der Natur als Prinzip identisch. Leiblichkeit und Sinnlichkeit des Natürlichen/Erscheinenden werden zu Abkünftigem, Un-Wesentlichem erklärt, man kann (vor allem gefördert durch die christlich geprägte Tradition) 'schadlos' mit ihnen umgehen, wie man Vernunft- und erkenntnisgesteuert will, am besten ist es gar, sie zu negieren.

ARISTOTELES (384-322 v.Chr.) verwirft den Begriff der Natur als Idee, nicht aber die Frage nach dem hinter den Erscheinungen liegenden 'Wesentlichen'. Solch Wesentliches sei der "Prozeß", das in sich Gleichbleibende und die Veränderung der Erscheinung Ermöglichende (im Apfelkern steckt der ganze Apfelbaum). Er sieht in den Naturerscheinungen vier Grundursachen wirken: die causa materialis (aus was ein Gegenstand ist), die causa formalis (zu was die Substanz wird), die causa efficiens (durch was die Substanz ihre Form erhält) und die causa finalis (wozu der Gegenstand ist). Dabei sei es die der Natur inhärente Kraft, die ordnet, schafft, gestaltet und nach dem Besten strebt. Dieser Prozeß steuere sich von der Möglichkeit zur Verwirklichung (Erfüllung). Zwar sei die Substanz selbst unvollkommen, d.h. sie braucht die Form (den Geist) etc., zur Entwicklung von der Möglichkeit zur Wirklichkeit, dieser formende Geist sei jedoch selbst natürlich und nicht 'menschlich'. Entsprechend könne die techne (die menschliche, vernünftige, 'künstlerische' Tätigkeit) nur nachahmen und analog schaffen, was von Natur vorgegeben ist, sie könne nicht über die Natur (den Prozeß) hinaus. Dennoch spielt auch bei ARISTOTELES die Seele eine herausragende Rolle gegenüber der Leiblichkeit des Menschen: Es verhält sich nämlich Leib/Seele wie Substanz/ Form (wie z.B. Auge/Sehkraft). Mittels seiner Seele ist der Mensch dem Beweger des Bewegten, dem Former des Geformten, dem selbst unbewegt bewegenden und ungeformt formenden Urgrund (einem noch nicht christlichen, d.h. vor allem dem noch nicht barmherzigen Gott) verwandt.

Für die STOA (um 300 v.Chr. gegründete philosophische Schule) gilt in besonderem Maße, was bereits bei PLATON intendiert ist, daß nämlich das Naturverständnis in direktem Bezug zur Sittlichkeit steht. Allerdings prägt sich diese Sichtweise hier differenzierter aus: Spielte für PLATON Erziehung (der Seele in Hinblick auf die höhere Natur/Idee) eine maßgebliche Rolle, so wird hier zunächst das naturgemäße Leben selbst als gut und tugendhaft gesehen. Dazu allerdings muß man auch als Stoiker die Allnatur kennen, Naturgemäßheit bezieht sich nicht auf die Natur des einzelnen Geschöpfes. Sind Körper und Geist beim Menschen zunächst Eines, so kann der Einzelne aufgrund seiner Vernunft sich auch von der Natur abwenden und so Böses schaffen. Ist Vernunft bzw. Seele für PLATON ausschließlich der Leiter zum Guten, so liegt für die STOA in der menschlichen Vernunft die Gefahr der Verführung, obwohl die (Große) Vernunft der 'All-Natur' als Ordnung und Regelhaftigkeit wirkt. Es gilt deshalb zu vermeiden, daß die Vernunft Affekte erzeugt, indem sie falsche Zwecke setzt; der richtige Gebrauch der Vernunft ist zu fördern.

Für EPIKUR (um 342-271 v.Chr.) (der allerdings nicht der STOA zugehört) gewinnt deshalb der ethische Anspruch an Bedeutung, zur Natur zurückzufinden. Denn der Mensch ist Spiegel der Natur und der Naturordnung. Ziel ist eine Befreiung von Furcht und unmäßigen Begierden und Förderung der naturgemäßen Lust. EPIKUR ist damit eine erste 'Ausnahme' von dem abendländisch etablierten Verständnis, indem er nicht primär auf die menschliche Vernunft als wesentlichem Maßstab setzt; er ist damit allerdings auch durch die ganze Philosophiegeschichte hindurch (als 'lüstern') verrufen.

Mit der Übernahme der antiken griechischen Philosophie in das frühchristliche Denken ergibt sich bei AUGUSTINUS (354-430) eine platonisch-christliche Verknüpfung: Natur wird verstanden als von Gott geschriebenes Buch, die Bestimmung der Natur liegt in ihrer Fähigkeit, anderes (Gott) zu repräsentieren (Ideenlehre - Wille Gottes - paradiesisches Ideal).

Mit Beginn des Mittelalters finden sich neue Ansätze des Naturverständnisses. Zugunsten des AUGUSTINISCHEN Verständnisses ist die 'wissenschaftliche' Erforschung jedoch zunächst verboten.
Dies drückt sich insbesondere im sogenannten NOMINALISMUS-REALISMUS-STREIT aus. Die Positionen im Streit sind folgende: Für den Realismus (der zunächst die mächtige Position innehat) besteht eine Deckungsgleichheit zwischen den Dingen (als erscheinende 'Idee') und der menschlichen Erkenntnis dieser Dinge, sprich: Ding und Name sind wesensgleich; Wissenschaft erübrigt sich. Für den Nominalismus existieren lediglich die Einzeldinge real, die sogenannten Universalien bestehen nur im menschlichen Geist, d.h. die Begriffe von den Dingen und Sachverhalten decken sich nicht mit den Dingen selbst, sind abstrahiert. Es besteht eine gewisse Willkür der Namen, welche jedoch göttlichen Geistes sind. Die mögliche Willkür wird als Ergebnis wissenschaftlicher Abstraktionen aufhebbar. Hierzu gehört auch das auf ABAELARD (1079-1142) zurückgehende Bspl. des "Namens der Rose": Der 'Name' der Rose kann zwar von nicht mehr ausgesagt werden, wenn es keine Rosen mehr gibt, jedoch hat selbst dann noch der Satz 'Es gibt keine Rosen' eine Bedeutung.

Bei AVICENNA (980-1037), einem aus Persien stammenden Philosophen, finden sich Gedanken, die die Sichtweise einer 'unterschiedliche Naturverständnisse ermöglichenden Natur' grundlegen könnten, die sogenannte Lehre von der dreifachen Betrachtung des Wesens: Darin heißt es, ein Begriff wie z.B. 'Mensch' könne nur ausgesagt werden von einer Mehrzahl von Individuen, wenn die dadurch ausgesagte Natur oder Wesenheit von sich her weder universal (allgemein, prinzipiell) - sonst könne es keine einzelnen Menschen geben - noch singulär (erscheinungsmäßig) - sonst gäbe es nur einen einzelnen Menschen - sei. Natur oder Wesenheit seien im sinnlich wahrgenommenen Individuum und im universalen Prädikat die gleiche. Singularität und Universalität (veränderliche Erscheinung und durchgängiges Gesetz/Prinzip) würden demnach nicht zur Definition von Natur oder Wesenheit gehören, sondern zu dieser erst hinzutreten. Entsprechend sei der Verstand zwar die Ursache der Erkenntnis, nicht aber die Ursache dessen, was Natur als Natur ist.

THOMAS VON AQUIN (1225-1274) forscht dennoch nach der Ursache von Natur als göttlichem Naturprinzip, stellt jedoch dabei immerhin bsplw. die Frage nach der Naturgemäßheit der Mängel der Natur, als welche insbesondere in Bezug auf den Menschen Krankheit, Alter und Tod - also leibliche Phänomene - anzusehen seien. Dies seien zwar Mängel der besonderen Natur - der Leiblichkeit des konkreten Einzelnen - nicht jedoch der allgemeinen Natur, die durch Vernunfterkenntnis als hinter aller Erscheinung liegend 'wahrgenommen' werden kann und das eigentlich Wesentliche (Göttliche) ist.

Dies übersteigend meint DUNS SCOTUS (1265-1308), die gelegentlichen Mängel des Einzelnen würden das Ganze nur verschönern. Die universelle Natur intendiere Mängel aufgrund von Zufall oder durch den Zusammenfluß zu vieler Ursachen.

Ein weiteres - wenn auch gegensätzlich ausgelegtes - Beispiel für die Unterscheidung zwischen natura universalis und natura particularis findet sich bei ROGER BACON (1215-1292), der meint, der Zweck der Natur wie der Schöpfung Gottes sei nicht die Gattung oder Art, also das Universale, sondern die einzelnen Individuen. Damit leitet er, ohne AVICENNA zu berücksichtigen, den Vorrang der Technik, die zweckgerichtet ist, gegenüber der Philosophie, die ja keinen Fortschritt kenne, machtvoll ein.

Mit der Zeit des Mittelalters etabliert sich die lateinische gegenüber der griechischen Sprache. Dies ist in soweit bedeutungsvoll, als der griechische Begriff der physis andere Bedeutung darstellt als der Begriff natura. Mit dem lateinischen Begriff natura ist zentral der statische Gedanke verbunden (wie bsplw. in der Vorstellung von 'Naturgesetzen' oder der Natur als dem 'Angeborenen'), vor allem aber die Zukunftsperspektive der Lenkbarkeit und Machbarkeit von Natur.
Wurde der Mensch zunächst als immanenter Teil der vollkommen geschaffenen Natur betrachtet, so entwickelt sich nun zunehmend der Gedanke der Autonomie der Wesen innerhalb der vom Schöpfer gewollten Ordnung, d.h. für den Menschen, er sei nicht allein mittels seiner Vernunft befähigt, die Gesetze und Prinzipien des Göttlichen nachzuvollziehen, sondern er sei beauftragt, die von Gott unvollständig geschaffene Natur zu vervollkommnen. Der Arzt/Astrologe (der Unterschied Astrologie-Astronomie entsteht erst nach KOPERNIKUS) und der Magier sind die Berufenen, die Natur zu veranlassen, verstärkte und neue Wirkungen hervorzubringen. Es regiert der Impuls der Praktiker, die Natur ein zweites Mal zu erschaffen, allerdings auch hier wieder mittels des Herausstehens des Menschen aus der Natur aufgrund seiner Vernunftfähigkeit.

Der Gedanke der Naturbeherrschung entsteht mit der Entwicklung erster Maschinen im eigentlichen heutigen Sinn. Auch in der Kunst entsteht ein neues Verständnis: Wurde die Kunst, insbesondere die Malerei, zunächst als Wiederspiegelung der Natur verstanden, so wird sie bei LEONARDO DA VINCI (1452-1519) auch zur Betrügerin der Natur.

KOPERNIKUS (1473-1543) denkt die Natur in der Weise einer innerweltlichen mathematischen, nur durch Vernunft erkennbaren Ordnung. Die Mathematik (die Logik als System menschlicher Vernunft) wirft die Heimat des Menschen aus ihrer zentralen Rolle: Die Erde dreht sich um die Sonne.

GIORDANO BRUNO (1548-1600) gelingt es nurmehr, die entstandene Mächtigkeit des Menschen durch 'Romantisieren' zu relativieren, der Natur einen besonderen Eigencharakter zu verleihen, jedoch ist für den Schöpfergott im christlichen Sinne kein Platz mehr, hier wirkt die Weltseele, der innere Künstler. BRUNO postuliert die Unendlichkeit und in diesem Sinne auch Un-Ursprünglichkeit des Alls, das ebenso eine Monade (letzte Einheit) ist, wie der Mensch selbst, der leidenschaftlich (nicht mit 'Herrschaftsanspruch') nach der Erweiterung seines Bewußtseins strebt.

Mit DESCARTES (1596-1650) radikalisiert sich die 'Zwei-Welten-Lehre' zu ihrem Gipfel: DESCARTES unterscheidet die Gesamtheit der Dinge unter zwei Kategorien, der res extensa (dem ausgedehnten Ding, der Substanz) und der res cogitans (dem denkenden Ding, der Seele bzw. Vernunft). Die damit bezeichneten Bereiche sind völlig voneinander getrennt, in ersterem ist alles Mechanik, in zweiterem ist die Erkenntnis des reinen Denkens. Gilt beim Menschen ein Parallelismus zwischen diesen beiden Bereichen, so fällt die gesamte außermenschliche belebte und unbelebte Natur unter die erste Kategorie, d.h. z.B. Tiere funktionieren wie Uhrwerke.

Für SPINOZA (1632-1677) ist es in 'klassischer' Tradition von zentraler Bedeutung, zwischen der natura naturans (der schaffenden Natur, für SPINOZA: Gott) und der natura naturata (der geschaffenen Natur) zu unterscheiden. Die Naturerkenntnis zielt zwangsläufig auf die natura naturans ab, denn ohne sie ist nichts und kann nichts begriffen werden. In der Folge allerdings wird die natura naturans als christlicher Gott von der Vorstellung der immanenten Naturgesetze abgelöst.

Während auch NEWTON (1643-1727) noch das theologische Interesse an den naturphilosophischen Ergebnissen zu rehabilitieren versucht, spricht sich BERKELEY (1685-1753) strikt für eine Trennung der beiden Bereiche aus.

BOYLE (1627-1691) schlägt vor, den Begriff 'Natur' fallen zu lassen und konsequenterweise durch den des Mechanismus zu ersetzen.

Als Wissenschaftler der Vernunft kommt LEIBNIZ (1646-1716) zu dem Ergebnis, diese Welt sei die Beste aller möglichen. Der sich hierin aussprechende Optimismus der Aufklärung wird in der Naturkatastrophe des Erbebens von Lissabon 1755 deutlich ins Wanken gebracht, der Wille zur Beherrschbarkeit jedoch bleibt ungebrochen.
VOLTAIRE (1694-1778) jedoch gemahnt an eine gewisse Bescheidung, wenn er die Beherrschbarkeit auf den kleinen Bereich des Gartens reduziert sieht.

Mit all diesem Denken gewinnt die Welt an Perspektive, aber verliert ihre Grenzen (ein nur auf der Grundlage einer bedeutsamen Sinnlichkeit beängstigender Umstand). NIKOLAUS VON KUES (1401-1464) stellte - wie schon erwähnt - fest, daß die Welt ohne ein Verständnis vom Erzeuger des Erzeugten in eine Ungewißheit der Grenzen des Kosmos, eine Unbestimmbarkeit der Lebenswelt stürzen würde, der Mittelpunkt fehlen würde.
Solch ein in irgendeiner Weise allemal nötiger Mittelpunkt wird nun neu geschaffen durch die zentrale Stellung des Menschen, vor allem des Menschen als Naturwissenschaftler und Techniker.WOLFF (1679-1754) prägt den Begriff der Naturwissenschaft. Indem der Mensch hier aber nicht als konkretes Körperwesen auftaucht, sondern der Forscher mittels Vernunft ist, wie seit der Antike interpretiert, verschwindet eine mögliche Begrenztheit aus sich selbst heraus. Das beschriebene Dilemma nimmt seinen dramatischen Lauf.
Im neuzeitlichen Denken wird Natur zwar als Inbegriff des Angeborenen verstanden, jedoch wird das Prinzip des Wesens - und damit eine Möglichkeit des 'perspektivischen' Blickes auf die Frage, was die Natur eigentlich 'ist' - ersetzt durch das Prinzip des (wirkungsgerichteten) Gesetzes, in dem Natur weniger 'ist' als 'gemacht wird' für ein 'um zu'. In keiner Weise wird mehr auf Natur hingehorcht, sondern Natur muß gehorchen, sich der technischen Verfügbarkeit öffnen. Dieses Öffnen ist ein Verschließen der Natur in ihrer Eigen-Sprachlichkeit. Je heller das Licht des menschlichen Geistes leuchtet, desto mehr verdunkelt sich Natur.

Nach KANT (1724-1804) soll die Natur vorgeführt werden, wie ein Verbrecher vor den Richterstuhl (der menschlichen Vernunft). Der Mensch stellt die Natur unter die Idee (nicht im platonischen Sinne, sondern als autonome Leistung der Vernunft) einer intelligiblen Kausalität. Die darin lauernde Frage, ob denn dann nicht die Naturgesetze nur in unserem Kopfe gelten würden, nicht aber in der Natur selbst, wird in mehr als ihrer praktischen Bedeutung übergangen.

Lediglich SCHELLING (1775-1854) weist auf die Problematik des Vorhabens hin, setzt sich damit aber erneut dem Vorwurf des Romantizismus aus. Da über Natur philosophieren soviel hieße, als die Natur schaffen, so müsse vorerst der Punkt gefunden werden, von welchem aus die Natur überhaupt ins Werden gesetzt werden könne. Dieser Punkt werde erreicht in der Gleichsetzung von Natur und Vernunft, in der Weltseele.

Ins 'rechte Licht' setzt HEGEL (1770-1831) diesen Ansatz, indem er statt von der Weltseele vom Weltgeist spricht und feststellt, daß die Natur nichts weiter sei als der Geist in seiner Äußerlichkeit, also Natur erst in dem Sinne wirklich werde, als der Geist sie eingeholt (auf den Vernunft-Begriff gebracht) hätte.

Im 19. Jahrhundert entwickeln sich allerdings auch Gegenbewegungen zu diesem vernunftorientierten und a-körperlichen Naturverständnis.
SCHOPENHAUER (1788-1860) sieht in der Welt, und damit auch im Menschen, einen nie erlöschenden Willen (zum Leben) wirken, dem alle Vernunft untergeordnet ist. Direkter Ausdruck der Manifestationen des Willens (der natura naturans) sei die leibliche Äußerung (die natura naturata).

DARWIN (1809-1882) versteht die Natur und den Menschen in ihrer naturgesetzlichen Entwicklungsgeschichte, die zwar durch Vernunft erkennbar, nicht aber regulierbar sei. Der Mensch ist dabei primär durch seinen animalischen Charakter, durch seine Abstammung vom Tier zu verstehen, der Geist ein Naturprodukt und den Naturgesetzen des Überlebens des Stärksten, der Mutation und Selektion, die nicht vom Menschen gemacht sind, unterworfen.
Im Sozialdarwinismus und in der modernen Soziobiologie gilt dies auch für die menschlichen Verhaltensweisen, nicht allein für seine materiell-biologische Gestalt. Das je etablierte Naturverständnis wäre somit Ausdruck genetischer (natürlicher) Veranlagung.

Für MARX (1818-1883) ist die Naturgeschichte die Vorgeschichte des Menschen, der Bereich der noch nicht absichtsvoll (vernünftig) geleiteten Tätigkeit. Für den Menschen ist Natur gesellschaftlich-geschichtlich, die Arbeit vermittelt den Stoffwechsel mit der Natur, der Mensch vermenschlicht die Natur in der Arbeit. Naturbeherrschung ist die natürliche Aufgabe des Menschen in der Arbeit als wesentlichem Lebensausdruck. In der Abhängigkeit des menschlichen Bewußtseins von den jeweiligen Arbeitssprozessen kommt zwar in gewisser Weise auch die Abhängigkeit von Natur zum Ausdruck, dennoch steht auch hier die Natur als solche unter dem Primat des Menschlichen, das jedoch nicht allein als das Vernünftige, sondern materialistisch verstanden wird.

Bei NIETZSCHE (1844-1900) wird erstmals die abendländische Stellung des Menschen gegenüber der Natur deutlich kritisiert: NIETZSCHE behauptet, daß mit dem philosophischen (unter dem Primat der Vernunft stehenden) Naturverständnis das Mißtrauen gegen die Natur zur zweiten Natur des Menschen gemacht worden sei. Diese Sicht gelte es zu überwinden, die Eingebundenheit ins Ganze der Natur gelte es zu bejahen. Die Große Vernunft des Natürlichen bestimmt und regiert die Kleine Vernunft des menschlichen Denkens: "Die Kleine Vernunft denkt Ich, die Große Vernunft tut Ich."

Im 20. Jahrhundert tritt in zwei Weisen Kritik am klassischen Naturverständnis und vor allem an der daraus resultierenden Vormachtstellung der Technik/Technologie als Naturbeherrschung hervor.

Die erste Kritiklinie gründet sich auf MAX HORKHEIMER (1895-1973) und THEODOR W. ADORNO (1903-1969). HORKHEIMER meint, daß die unter dem Primat der Technologie organisierte Weltsicht ein das Denken einengendes Weltverständnis bedeute. Das Denken sei verkürzt zur subjektiven instrumentellen Vernunft, nämlich der bloßen Alltagsbewältigung, und bedeute den Verlust der objektiven Vernunft, der Frage nach dem Sinn des Ganzen. Mit solchen Aussagen wie 'Aller Fortschritt ist gut', genauso aber auch 'Ab morgen bin ich sinnlich' sind bereits Antworten gegeben auf eine Frage, die nicht mehr wahrgenommen wird, die Frage nämlich 'Was wollen wir eigentlich?'.
Hierzu zwei Zitate aus "Kritik der instrumentellen Vernunft":
"... Diese Art der Vernunft kann subjektive Vernunft genannt werden. Sie hat es wesentlich mit Mitteln und Zwecken zu tun, die mehr oder minder hingenommen werden und sich vermeintlich von selbst verstehen. ... Im Brennpunkt der Theorie der objektiven Vernunft stand nicht die Zuordnung von Verhalten und Ziel, sondern die Begriffe - wie mythologisch sie uns auch heute anmuten mögen -, die sich mit der Idee des höchsten Guten beschäftigen, mit dem Problem der menschlichen Bestimmung und mit der Weise, wie höchste Ziele zu verwirklichen seien. ... Die Beziehung zwischen diesen beiden Begriffen von Vernunft ist nicht bloß eine des Gegensatzes. Historisch hat es beide Aspekte der Vernunft, den subjektiven und den objektiven, seit Anbeginn gegeben, und das Vorherrschen jenes über diesen kam im Verlaufe eines langen Prozesses zustande."
"Die instrumentelle subjektive Vernunft preist entweder die Natur als pure Vitalität oder schätzt sie gering als brutale Gewalt, anstatt sie als einen Text zu behandeln, der von der Philosophie zu interpretieren ist und der, richtig gelesen, eine Geschichte unendlichen Leidens entfalten wird. Ohne den Fehler zu begehen, Natur und Vernunft gleichzusetzen, muß die Menschheit versuchen, beide zu versöhnen."

Bedauerlicherweise gelingen das richtige Lesen und die Versöhnung bei HORKHEIMER nicht. ADORNO findet einen Ausweg in seinem Ästhetikbegriff, in dem er Naturschönheit und Kunstschönheit verwandt setzt: Beide seien Chiffren des noch nicht Seienden, schön bsplw. an der Natur sei, was als mehr erscheint, denn was es buchstäblich an Ort und Stelle ist. Im Wahrnehmen des Schönen könnte also ein Aufbrechen der Einengung sich ereignen, könne eine Harmonisierung des geschichtlich Aufgespaltenen erreicht werden.

Die zweite kritische Sichtweise fußt auf MARTIN HEIDEGGER (1889-1976). HEIDEGGER spricht nicht von einem bestimmten Naturverständnis, das sich in der Technik manifestiert und zum bestimmenden wird, sondern von einem Seinsverständnis. Dieses Seinsverständnis zeichnet sich durch Seinsvergessenheit aus, d.h. der Mensch ist nurmehr bekümmert um die Auslegung des Seienden als Seiendem, dem Gegenstand als Gegenstand. Übersetzt in 'unseren Naturbegriff' bedeutet dies - und das gilt gemäß HEIDEGGER in zunehmendem Maße seit dem philosophischen Aufbruch der Antike -, daß der Mensch sich nicht um die Natur als solche, die Natur in ihrem Sein kümmert, sondern nur um das Natürliche in Hinblick auf seine Bearbeit- und Veränderbarkeit. Natur als solche gerät zunehmend in Vergessenheit, obgleich sie immer die 'Grundlage' des menschlichen Schaffens darstellt. In diesem Sinne ist die Vergessenheit auch kein allein negativer Begriff, sondern bedeutet eine positive (dennoch Kritik herausfordernde) Auslegung der Natur als dem herrschenden Naturverständnis. Indem Natur lediglich in der Weise der Machbarkeit und Beherrschbarkeit verstanden wird, entzieht sich Natur, ist jedoch nicht 'weg', sondern eben in dieser Weise 'da'. Die 'positive Anwesenheit' von Natur zeigt sich uns heute vor allem in der Weise zerstörter Umwelt und durch 'aus der Bahn geratene' Formen der sinnlichen Wahrnehmung, in der Weise des Heuschnupfens genauso wie in der der nurmehr durch hochkomplizierte Apparate übersetzten wissenschaftlichen Naturerkenntnis.


7. Gegenwärtige An- und Einsichten zur Natur:

Für die gegenwärtige - durchaus auch unter dem Aspekt des Philosophischen zu sehende - Diskussion zum Thema Natur steht die Gefahr im Vordergrund, daß sich Natur auf doppelte Weise entzieht: Zum einen durch die zunehmende 'Umweltverschmutzung', zum anderen durch die bedrohliche Ressourcenabnahme (Rohstoffverknappung, Ausbreitung der Wüsten, Verödung durch Abholzen, Abschmelzen der Polkappen etc.). In eine zentrale Position rückt deshalb in den letzten Jahren die Vorstellung eines Eigenwertes der Natur (zu der evtl. auch der Mensch gehört).

Hierzu noch eine Sammlung von Zitaten mit unterschiedlicher Intension, die zum Weiterdenken anregen sollen, nicht unbedingt unsere Intention des Wochenendes widerspiegeln [die Zitate-Auswahl ist auf dem Stand von 1992, nicht von 1998!]:

Jürgen MITTELSTRASS - Leben mit der Natur. Über die Geschichte der Natur in der Geschichte der Philosophie und über die Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur in: SCHWEMMER, Oswald (Hg.) - Über Natur. Philosophische Beiträge zum Naturverständnis Frankfurt/M 1987, 37-62:

"Die Naturwissenschaften wissen heute mehr über die Natur, als man jemals über sie wußte. Doch dieses Wissen ist einerseits ein rein theoretisches Wissen, andererseits ein Verfügungswissen. Es hilft uns, über die Natur zu verfügen; es hilft uns nicht, oder doch weit weniger, als dies früher die Naturforschung tat, uns in der Welt zu orientieren. Je mehr wir über die Natur wissen, desto erfolgreicher nehmen wir sie technokratisch in unsere Dienste, desto weniger aber taugt sie auch als Orientierungsinstanz. Mit anderen Worten: Orientierungsprobleme moderner Gesellschaften rühren nicht nur daher, daß diese Gesellschaften technische Kulturen ausbilden, die nur teilweise noch an die Orientierungsleistungen früherer Kulturen anschließen können, sondern auch daher, daß das Werden technischer Kulturen mit dem Verlust ehemals über die Natur vermittelter Orientierungen einhergeht. Wissenschaftstheoretisch gesehen handelt es sich dabei um die Ablösung des Naturparadigmas jeglicher Ordnung, auch der Ordnung des menschlichen Lebens, durch das Technikparadigma der modernen Naturwissenschaft."

"Charakteristischerweise haben wir als Angehörige einer technischen Kultur bereits Schwierigkeiten, genau zu sagen, was und wo Natur ist. Natur, so sagen wir, ist das, was wir in der Regel vermissen - die grüne Welt, die vor unseren Häusern sein soll und dort in der Regel schon lange nicht mehr ist, mit ihren Kornblumen und Ritterspornen, die unter den Bedingungen moderner Landwirtschaft allmählich verkommen, mit Sonnenaufgängen im Dunst der Industrie, kaputten Ufern toter Flüsse, sterbenden Wäldern. Wo überhaupt noch Natur ist, da ist sie entweder eine Rohstoffressource oder der Boden, auf dem technische Kulturen bauen und in den sie ihre Abfälle stecken, oder ein Freizeitszenarium, das die Touristikindustrie mit ihren falschen Träumen besetzt. Natur ist die `bearbeitete' Welt der Land- und Forstwirtschaft, der Landschafts- und Städteplanung, der 'begrünten' Betonwüsten und der Schrebergärten. 'Unberührte' Natur gerät zunehmend zum alleinigen Inventar von Märchen und Abenteuergeschichten, daneben - zumeist vom Hörensagen - zur Eigenschaft der 'Fremde', etwa des australischen Busches, der Regenwälder des Amazonas, der Wüsten. Auch die Natur, die in dieser veränderten Natur lebt, die Tierwelt, ist alles andere als 'unberührt'. Da ist, in der Jägersprache, Hege und Pflege einerseits, und da sind die Legebatterien und Mastanstalten andererseits. Natur ist ein Teil technischer Kulturen geworden, ein Teil des 'Raumschiffs Erde' - in der konsequenten Sprache einer technischen Kultur. Wohin man auch 'in der Natur' kommt, der erkennende, bauende, wirtschaftende Verstand war immer schon da."

"Da Leben ohne Natur nicht geht und in rationalen Kulturen ein Leben in der Natur nicht mehr geht, bleibt als Aufgabe rationaler Kulturen ein vernünftiges Leben mit der Natur."

"Mit der Aneignung der Natur in technischen Kulturen geht auch der Verlust von Ganzheiten und unmittelbaren Erfahrungen in der Natur einher. Wo diese dennoch, wie in der Kunst und im ästhetischen Urteil, in den Blick treten, werden sie als 'subjektive' und 'private' Zugänge zu etwas, das der wissenschaftliche und technische Verstand längst auf seine Art besitzt, depotenziert. Das aber bedeutet: Wie Natur ist und wie sie sein soll, bleibt technischen Kulturen im Grunde ein Rätsel."

"Gerade indem wir uns die Natur angeeignet haben, haben wir sie für ein umfassendes Verständnis unseres Menschseins verloren. Die Natur, die wir erforschen, ist nicht mehr die Natur, in der wir leben oder die wir sind. Natur erscheint auf einmal als das, was wir nicht sind oder bedauerlicherweise, nämlich als Bedürfniswesen, auch noch sind. Verräterisch ist dabei schon die Ersetzung des Ausdrucks 'Natur' durch den Ausdruck 'Umwelt' in der Alltagssprache. Hier wird die Welt der Menschen der Welt der Natur gegenübergesetzt und damit der Eindruck erzeugt, die Welt des Menschen, eine Welt, die der Mensch gemacht hat und in der er uneingeschränkt herrscht, sei ohne Natur, d.h. ohne etwas, das er nicht gemacht hat. Natürlich ist das ein grandioser Irrtum. Doch selbst wo dieser Irrtum als solcher korrigiert wird, indem Umwelt zu den konstitutiven Bedingungen auch der Welt des Menschen genommen wird, bleibt es bei einem Verarmungsphänomen: die Summe der Umwelten macht keine Natur mehr - und schon gar nicht das, was an uns selbst, in einem positiven Sinne, Natur ist."

Gernot BÖHME - Bedingungen gegenwärtiger Naturphilosophie in: SCHWEMMER, Oswald (Hg.) - Über Natur. Philosophische Beiträge zum Naturverständnis Frankfurt/M 1987, 123-133:

"Die Frage, was Natur ist, muß aus der Einschränkung auf Tatsachen und Gesetze herausgedreht werden. Die Natur als Stoffwechselpartner, die Natur als Material, die Natur, die als Trieb erfahren wird, die Natur, die als ästhetisches Gegenüber gesucht wird, die Natur, die als das Andere der Vernunft, als Fremdes, Unheimliches oder gar Feindliches gefürchtet wird, müssen zur Beantwortung der naturphilosophischen Grundfrage zugelassen werden. So aber werden die klassischen Dichotomien von Natur und Kultur, von Natur und Technik, von Natur und Gesetz noch nicht überschritten, denn so bleibt Natur Nicht-Ich, noch immer das andere, nichtmenschliche Relat der Mensch-Natur-Beziehung. - Deshalb kommt dem menschlichen Leib diese zentrale Rolle für die relational gestellte Frage nach der Natur zu, weil im menschlichen Leib die Naturbeziehung zu einer Selbstbeziehung des Menschen wird. ... Einer naturphilosophischen Behandlung des menschlichen Leibes kommt auch praktisch, nicht nur theoretisch, eine pragmatische Rolle zu. Denn die Beziehung des Menschen zu seinem eigenen Leib kann theoretisch gar nicht hinreichend bestimmt werden, weil der Mensch sie in sehr unterschiedlicher Form praktisch bestimmen kann. Die Weise, wie er das tut, ist paradigmatisch für seine Naturbeziehung überhaupt. Deshalb entscheidet sich auch gegenwärtig die mögliche Revision der Beziehungen des Menschen zur Natur in seinem Verhältnis zu sich selbst qua Natur."

Pierre FORNALLAZ - Realitätsbezogene Ökologie und Technik: Echte Lösungen bedingen richtige Fragen in: KIEFFER, Karl Werner et al. (Hg.) - Ökologisch denken und handeln: Strategien mittlerer Technologie Karlsruhe 1988, 15-28:

"Neu erwachte Denk- und Handlungsweisen verzichten auf den Anspruch von Objektivität. Denn der Mensch ist selbst ein Teil des Universums, beeinflußt es und wird von ihm beeinflußt. Als Teilsystem kann er sich nicht mehr außerhalb des ganzen Systems stellen und objektiv beobachten, denn dadurch verändert er das System. Wir schließen daraus, daß die Antworten auf unsere Fragen weder wertfrei noch objektiv sein können."

"Wer sind die richtigen Leute, welche Fragen formulieren dürfen? In allererster Linie sind es die Betroffenen, also die lärmgeplagten Bürger, die Menschen, die nicht auf ihre warme Stube verzichten möchten, aber nicht wissen, daß dieses Bedürfnis auf viel einfachere, effizientere und sichere Weise gedeckt werden kann als mit Atomkraftwerken, die Konsumenten, welche gesunde Kost wünschen und denen mit viel Werbeaufwand chemisch verseuchte Lebensmittel und denaturierte Industrieprodukte aufgezwungen werden."

"Wer sind die richtigen Adressaten? Sicher nicht diejenigen Personen, welche ein persönliches - gesellschaftliches, politisches oder wirtschaftliches - Interesse haben, die Frage in der einen oder anderen Art und Weise zu beantworten. ... Im Zeitalter der Experten-gläubigkeit, das wir gerade zu überwinden im Begriff sind, kann gar nicht genug betont werden, daß ein Experte per Definition nie neutral sein kann. Das heißt allerdings auch wieder nicht, daß wir auf Experten ganz verzichten können. Wir müssen uns nur bewußt sein, daß ihre Antworten immer nur eine Facette der Wirklichkeit darstellen kann, und daß die ganze Wirklichkeit aus vielen Facetten besteht. ... Wenn wir also Experten und Gegenexperten befragen, so interessiert uns nicht ihre Antwort - denn diese kennen wir von vornherein -, sondern wir wollen die Voraussetzungen erfahren, die sie stillschweigend ausgewählt haben, die Bedingungen kennen, die ihren Antworten zugrunde liegen, und die Wertungen überprüfen, mit welchen sie intuitiv die Qualität ihrer Lösung bestimmt haben."

Klaus Michael MEYER-ABICH - Wege zum Frieden mit der Natur. Praktische Naturphilosophie für die Umweltpolitik München, Wien 1984:

"Ein Hauptproblem für die Wahrnehmung der Natur durch die heutigen Wissenschaften ist ..., daß natur- und sozialwissenschaftliche Ergebnisse in keinen Zusammenhang gebracht werden. Denn Umweltprobleme entstehen dadurch, daß menschliche Bedürfnisse in der Natur geltend gemacht werden. Die Naturwissenschaften verstehen nun zwar mehr von der Natur als die Menschheit je von der Natur verstanden hat, sind aber blind für die menschlichen Bedürfnisse. 'Bedürfnis' ist kein naturwissenschaftlicher Begriff. Und die Sozialwissenschaften verstehen zwar etwas von Bedürfnissen und wie man sie weckt, sind jedoch ... blind für die Natur. Das eigentliche Problem, die Relation: Bedürfnisse in Bezug auf die Natur, fällt also gerade in den blinden Fleck zwischen den beiden Wissenschaftsgruppen. ... Die Industriegesellschaften haben die Welt immer nur verändert; es kommt darauf an, die Lebensbedingungen besser zu verstehen, um sie nicht aus Mangel an Einsicht zu zerstören. - Ein Beispiel dafür ist das Naturverständnis der heutigen Wissenschaften, im Kern also der Naturbegriff der Physik. Derselbe Unterschied, den die Physik nicht kennt, wird nämlich auch im wirtschaftlichen Umgang mit der Natur und in der Wirtschaftswissenschaft nicht gemacht, der zwischen umweltverträglichen und umweltzerstörerischen Prozessen."

"Ein ursprünglicher Sinn von Natur ist sprachlich auch dort aufbewahrt, wo ein natürliches Verhalten von einem gezwungenen, verstellten, unsicheren oder manirierten Verhalten unterschieden wird. ... Ob ein Verhalten natürlich ist, bemißt sich vielmehr an dem, was im Menschen wirkt. Aus dem Gegenstandsbereich der Dinge der Natur tritt hier sozusagen die Natur der Dinge hervor. ... Die wirkende Natur ist die Natur der Dinge der Natur."

"Die eine, hervorbringende Natur ist Ein-und-Alles und umfaßt dadurch alles Entgegengesetzte in der Erscheinung. Sie ist es, die überall in der Sinnenwelt erscheint. Wo der Wind weht, weht die Natur, und wo er nicht weht, weht sie nicht. Sie weht also und sie weht nicht, zugleich. Sie gibt allem Raum, Entgegengesetztem zugleich. Sie blüht, in dieser Pflanze, und sie blüht nicht, in jener. Sie weht als Wind, und sie wird geweht als Zweig, zugleich. Sie zeigt sich überall. In uns kommt sie zur Sprache."

"Wenn wir unter der Natur im eigentlichen Sinne die in den ganzheitlichen Dingen und Lebewesen 'der Natur' (als dem Gegenstandsbereich) wirkende lebendige Kraft verstehen, können auch Kunstprodukte natürlich sein, denn der Mensch gehört zur Natur, aber nicht alle Kunstprodukte sind notwendigerweise natürlich. Sie werden natürlich sein, wenn die Natur des Ganzen als unsere eigene Natur in uns wirkt, aber sie können auch unnatürlich ausfallen, denn diese Bedingung ist nicht immer erfüllt." ... "Eine zunächst paradoxe Konsequenz ist freilich, daß nach dem hier vorgeschlagenen Naturverständnis nicht einmal notwendigerweise alles `natürlich' ist, was `in der Natur' entsteht. Denn so wie im Menschen die gesunde Natur nicht immer als ein Ganzes wirkt, ist damit zu rechnen, daß ebendies auch in unserer natürlichen Mitwelt passiert. ... Die Natur leidet, und sie leidet gerade darunter, daß nicht alles natürlich, sondern daß vieles nicht gut ist, was in der Sinnenwelt passiert. Vor allem das Verwildern, z.B. von Gärten, sollten wir nicht ohne weiteres als natürlich gelten lassen. Sondern die Natur wirkt durch uns auf ein Ziel hin, das noch nicht erreicht ist. ... Die Natur, die sich mit uns forttreibt, ist noch nicht dort, wohin es sie treibt."

"Zusammengefaßt: Umwelten sind Wahrnehmungszusammen-hänge und Umweltprobleme sind Wahrnehmungsprobleme. - Meine These ist, daß Wissenschaft und Technik zu einer Deformation des menschlichen Wahrnehmungsvermögens geführt haben und daß diese nur nach Kriterien der ästhetischen Bildung unserer Sinne als solche erkannt werden kann."

"Der Frieden mit der Natur sollte die in der Seele erkenntnisleitende Norm einer solchen wissenswerten Rechts- und Gesundheitswissenschaft sein, deren ausgleichend heilender Besprechung die industrielle Welt auszusetzen ist. In Bezug auf die Natur wissenswert und gut zu wissen wäre, was dem Frieden mit der Natur dient."

Odo MARQUARD - Futuristischer Antimodernismus. Bemerkungen zur Geschichtsphilosophie der Natur in: SCHWEMMER, Oswald (Hg.) - Über Natur. Philosophische Beiträge zum Naturverständnis Frankfurt/M 1987, 91-104:

"Jedes moderne Naturverhältnis gerät in den Verdacht, die 'lebendige' Natur zu 'töten', weil der geschichtsphilosophische Antimodernismus die Natur so heil verlangt, daß die moderne - die bürgerliche - Welt, wie sorgfältig auch immer sie mit der Natur umgehen mag, zuverlässig als ihre Zerstörung erscheint."

"Mehr als die moderne Welt ist der futurisierte Antimodernismus ihr Ausbeuter: Er ernennt zwar die Natur - schon Schelling sprach von ihrer 'Autonomie' - zum Selbstzweck; aber wichtig ist die Natur - die neue 'unterdrückte Klasse' - ihm nur als Mittel, die moderne Welt zu liquidieren. ... Und wenn diese große avantgardistische Solidarität und Harmonie der Natur gestört wird - wenn der Fuchs den Hasen frißt und der Mensch die Tuberkelbazillen nicht liebt -, ist das falsches Klassenverhalten der Natur, der dann - gegenüber diesem nur 'empirischen' Klassenverhalten - das richtige Klassenverhalten kontrafaktisch 'zugerechnet' werden muß durch jene Menschen, in deren Köpfen die Natur das ist, was sie antimodernistisch sein soll: das revolutionäre und heilige Andere zur bestehenden - zur modernen, zur bürgerlichen - Welt: eben das - modern nur sabotierte - Paradies. Und wehe der Natur, wenn sie nicht bereit ist, das zu sein!" ... Die Folge: "Sie wehrt sich - aufgrund ihres Eigenlebens - gegen ihre revolutionäre Instrumentalisierung und Disziplinierung; und sie wehrt sich - weil sie eine irdische Größe ist - gegen die Zumutung, das himmlische Paradies sein zu sollen. Darin steckt: die Natur wird von ihren neuen Anbetern enttäuscht; und ihre neuen Anbeter werden von der Natur enttäuscht."

Robert SPAEMANN - Das Natürliche und das Vernünftige in: SCHWEMMER, Oswald (Hg.) - Über Natur. Philosophische Beiträge zum Naturverständnis Frankfurt/M 1987, 149-164:

"Das An-den-Tag-kommen des für alle gemeinsamen Guten heißt: Vernunft. Und insofern Vernünftigkeit zur Natur des Menschen gehört, ist die Aufhebung des natürlichen Interessenantagonismus nicht unnatürlich. Vernunft ist nicht identisch mit Natur. Aber das Vernünftige ist das An-den-Tag-kommen der Wahrheit über das Natürliche, und dieses An-den-Tag-kommen liegt selbst in der Teleologie der Natur. Natürliches als bloß Natürliches verhält sich antagonistisch zu anderem Natürlichen. Aber die Wahrheit über das Natürliche ist eine gemeinsame, und wo natürliche Wesen als vernünftige an dieser Wahrheit Interesse nehmen, da hebt sich der unmittelbare Antagonismus auf. Dieser platonische Grundgedanke ist nicht irgend ein philosophischer Gedanke, es ist der Gedanke, der die Philosophie konstituiert."

Hans-Martin SCHÖNHERR - Von der Schwieirgkeit, Natur zu verstehen. Entwurf einer negativen Ökologie Frankfurt/M 1989:

"Muß daher eine praktische Ökologie nicht vor allem negativ werden, wenn sie nämlich einsieht, daß wir mit unseren Möglichkeiten an die Natur, wie sie ist, prinzipiell nicht heranreichen? Erklären wir wissenschaftlich die Natur nicht immer bloß mittels unserer Methoden, von denen wir nicht wissen können, ob sie der Natur angemessen sind? Erfassen wir technisch Natur sowieso nur als Rohstoff, den wir dann künstlich aufhäufen? - Folglich dürfen wir uns ökologisch nicht vormachen, wir wären in der Lage, so einfach wieder Frieden mit der Natur zu schließen; denn wir könnten dazu generell nur über unzureichende Mittel verfügen. Wenn Ökologie auch biologisch und naturwissenschaftlich Zusammenhänge und Kreisläufe der Natur erklären und feststellen möchte, dann könnte sie Natur just verfehlen, weil sie überhaupt nicht in der Lage ist, sich der Natur zu nähern, weil sie immer Irrtümer über Natur produziert. - So muß sich Ökologie, die nicht wieder gewalttätig und zerstörerisch werden will, dieser wissenschaftlichen und technischen Unfähigkeit, ihrer Hintergründe und Dimensionen bewußt werden."

"Viel eher geht es um den künstlerischen Umgang mit der Welt, von dem wir uns ökologisch, politisch, wissenschaftlich und technisch inspirieren lassen sollten. ... Kunst behauptet im Gegensatz zur Wissenschaft nicht irgendeine Wahrheit, sondern eher die Fragwürdigkeit von Wahrheiten. Kunst konstruiert keine Welt, sondern formt sie vorsichtig nach den Bedingungen der jeweiligen Materialien. ... Wenn Ökologie mit Natur vorsichtig umgehen, wenn sie Natur nicht einfach in ein neues oder altes Schema pressen will, dann muß sie sich von dieser Schwäche der Kunst anstecken lassen und Natur vorsichtig in vielzähligen Möglichkeiten und Dimensionen künstlerisch und nicht künstlich entwerfen, als Selbstzweck und in Schönheit - und das keinesfalls als Norm, sondern als bloßer Versuch, in Form vieler verschiedener Versuche. Denn Natur ist nicht faßbar als diese Natur hier, sondern nur in unzähligen ästhetischen Weisen, Natur nachzuempfinden, mit Natur umzugehen, Natur künstlerisch zu verstehen. ... Uns gaukelt das technische Weltbild das gute Leben als unbedingt technisches bloß vor. Negative Ökologie heißt Einsicht in diesen technischen Schein, heißt Natur als Kunst zu begreifen, heißt das gute Leben wieder anzustreben."


8. Weiterführende Literatur:

Dieses Verzeichnis kann keineswegs vollständig sein, ist sicherlich auch subjektiv. Lassen Sie sich also nicht vom Lesen eines Buches oder Autors abhalten, das/ der hier nicht erwähnt ist.

HANS BLUMENBERG - Das Lachen der Thrakerin. Eine Urgeschichte der Theorie, Frankfurt/M 1987 (Suhrkamp TB Wissenschaft 652) Die Interpretationsgeschichte der Thales-Anekdote.

GERNOT BÖHME (Hg.) - Klassiker der Naturphilosophie, München 1989 Eine Zusammenstellung der wichtigen naturphilosophischen Positionen.

CHARLES DARWIN - Die Abstammung des Menschen, Stuttgart 1982 (Kröner) Alle reden darüber, aber keiner hat es gelesen!

RENE DESCARTES - Von der Methode, Hamburg 1960 (Felix Meiner)

MARTIN HEIDEGGER - Die Technik und die Kehre (Zwei Vorträge), Pfullingen 1962 (Neske) Muß ganz langsam, Satz für Satz gelesen werden. Ist dann ganz verständlich. Sehr zu empfehlen!

WERNER HEISENBERG - Physik und Philosophie, Hamburg 1977 (Ullstein TB 249)

MAX HORKHEIMER/THEODOR W. ADORNO - Dialektik der Aufklärung, Frankfurt/M 1971 (Fischer TB 6144)

JACQUES MONOD - Zufall und Notwendigkeit. Philosophische Fragen der modernen Biologie, München 1975 (dtv 1069)

PLATON - Phaidon> (verschiedene Ausgaben) Grundlegung des Leib-Seele-Dualismus in Zusammenhang mit dem bevorstehenden Tod des Sokrates.

PLATON - Timaios (verschiedene Ausgaben) Platons Naturphilosophie, allerdings ohne explizite Bezugnahme auf die Ideenlehre.

ILYA PRIGOGINE/ISABELLE STENGERS - Dialog mit der Natur. Neue Wege naturwissenschaftlichen Denkens, München 1986 (Piper; gibt es wohl inzwischen auch als Taschenbuch) Eine Standortbestimmung der modernen Naturwissenschaft. Es geht hier in erster Linie um die Relativierung des naturgesetzlich deterministischen Denkens (unter Einbeziehung der "Synergetik") Der Hauptautor ist Nobelpreisträger für Chemie und hat ein etwas anderes Dialogverständnis als ich.

ARTHUR SCHOPENHAUER - Die Welt als Wille und Vorstellung (verschiedene Ausgaben; die Beste: Diogenes Taschenbuch)

VOLTAIRE - Candide oder der Optimismus, Frankfurt/M 1972 (Insel Taschenbuch 11)


Dokumentation zu

"Natur in der Philosophie - Philosophie in der Natur"

Fürstenfeldbruck-Schöngeising und Dürnhaar-Aying

27. und 28. Juni 1992

(c) Wolfram von Berg, Die Philosophen 1992