Aufklärung in pädagogischer Landschaft


Die Wörlitzer Gärten: Zu Landschaft gewordene Aufklärung

Die Wochenenderkundung zur Aufklärung in den Wörlitzer Anlagen, sie scheint nicht für das Publikum im Münchener Raum vermittelbar zu sein. Auf alle Fälle steht leider kein neuer Termin für ein solche Erkundungsfahrt in Aussicht.


Ankündigung der Veranstaltung
Wörlitz aus touristischer Sicht
Anmeldung
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Ankündigung Wochenendseminar

Die Wörlitzer Anlagen - ungefähr in der Mitte zwischen Dessau und Wittenberg im anhaltischen Land - sind ab 1764 entstanden. Sie wurden entworfen auf Veranlassung und nach den Vorstellungen von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817). Einfluß auf die Gestaltung hatten vor allem die Ideen der bürgerlichen Aufklärung. Wenngleich das Gartenreich den sichtbaren Mittelpunkt bildet, so ist dieses Gesamtkunstwerk jedoch nicht allein auf Gestaltung von Landschaft in ästhetisch-pädagogischer Hinsicht angelegt.

Zentrale Rolle spielt der Gedanke und die Verwirklichung des "Philanthropin" - der Schule des ganzheitlichen Menschen.

Diese Aussage steht in direkter Beziehung auch zur Bauhaus-Idee des 20. Jahrhunderts, die wiederum in dem nahegelegenen Dessau ihre Entwicklung fand:

In Anwendung eines alle Lebensbereiche umfassenden Reformprogramms verwandelte Fürst Franz Anhalt-Dessau in einen "Garten für Menschen". Im Zeichen der Aufklärung wurde hier "das Nützliche mit dem Schönen" verknüpft und jedem zur Bildung und Erbauung freigegeben.
(Garten-)künstlerischer Höhepunkt ist der Englische Garten zu Wörlitz. In allen Gartenteilen geben Zeichen - ob Gedenkstein, Plastik, Zitat, Gebäude oder Brücke - Denkanstöße zur Auseinandersetzung mit der Natur, der Kunst, der Geschichte, der Philosophie.

Unsere Unternehmung will im Zusammenhang mit dem "Wörlitzer Konzept" an einem verlängerten Wochenende den Begriff der AUFKLÄRUNG in verschiedenen Facetten und in seiner Bedeutung für unsere Gegenwart erarbeiten.


Wörlitz (aus touristischer Sicht):

"Hier ists jetzt unendlich schön, wie wir durch die Seen Canäle und Wäldgen schlichen sehr gerührt wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben einen Traum herum um sich zu schaffen. Es ist wenn man so durchzieht, wie ein Mährgen, das einem vorgetragen wird und hat ganz den Charakter der Elisischen Felder ..."
J.W. v. Goethe, 1778

"Silbersee" - von Wörlitzer Wasser gespeist - Eine Parkanlage bei Dessau war der erste Englische Landschaftsgarten auf dem Kontinent

Dorothee Baer-Bogenschütz, SZ, 26.3.1996

Wer weiß, vielleicht war es ja das Gewässer vor seiner Haustür, das Kurt Weill zu seinem Wintermärchen vom "Silbersee" inspiriert hat, welches das Dessauer Theater soeben höchst erfolgreich neu inszenierte. Der Sohn eines Dessauer Kantors, berühmt geworden durch seinen großen Wurf mit kleinen Münzen; die Dreigroschenoper, mag den lauschigen Ort ebenso gern aufgesucht haben wie sein jetziger Interpret. Ernstgeorg Hering, Regisseur des hochaktuellen musikalischen Märchens vom armen und reichen Mann, schlitterte nach den Proben mit Wonne über die tiefgekühlten Wörlitzer Wasser in den Elbauen, die der Winter in ein Eismeer verwandelt hatte. Dorthin, wo man gewöhnlich nur mit Fähren hinkommt: zur Roseninsel und zum Eiland, das Jean Jacques Rousseau gewidmet ist zum Zeichen der Verbundenheit mit dem Gedanken der Aufklärung.
Leopold III., Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, ein der erlebnisorientierten Landeskultivierung zugeneigter Fürst, hatte den Park samt See von 1764 anlegen lassen: In einzigartiger Weise trifft hier das Schöne das Praktische. Landwirtschaftliche Nutzflächen grenzen an reine Gartenzonen, eine Vielzahl von Brücken überspannt die Kanalarme, die den See speisen. Keine gleicht der anderen; ihre Vorbilder - von der wackligen Kettenbrücke bis zur modernen Eisenkonstruktion - stammen aus höchst unterschiedlichen Weltgegenden und Zeiten. Ist das Wasser zugefroren, dann stellt die schönste Verbindung vom Venustempel zum Dianenhain oder vom "Elysium" zur Grotte der Egeria freilich der See selbst dar.
Am 29. März möge nun - so hofft man, der Silbersee vom Eise befreit sein und ein laues Lüftchen wehen. Dann wollen die Wörlitzer den Saisonauftakt in ihrem rund zwanzig Kilometer von Dessau entfernten Parkstädtchen feierlich mit einem Umzug in historischen Kostümen einläuten. Mit von der Partie ist selbstredend das Fürstenpaar, Leopold Friedrich Franz und Gemahlin Luise.

Gondelfahrt zur Krokuswiese

Das nach den Plänen von Erdmannsdorff erbaute Schloß öffnet wieder seine Pforten ebenso wie das Gotische Haus, prächtige Herberge eines Teils der fürstlichen Kunst- und Porzellansammlung, in deren Dunstkreis sommers wie winters eine zutrauliche Schar schönster Pfauen haust. Ab sofort wird nicht nur die Amtsfähre wieder von einem Ufer zum anderen gleiten: Auch die Ausflugsgondeln nehmen ihren Betrieb auf und bringen die Besucher ganz nach Wunsch zur Krokuswiese, zum Rhododendronhain oder zum Nymhäum, wo Goethe für Frau von Stein eine Inschrift ersann: "Man streift umher, ohne zu fragen, wo man ausgegangen ist ..." Die Wörlitzer Anlagen sind voller Merkwürdigkeiten, und man sollte nicht davor zurückscheuen, die Bootsführer auszufragen: stattliche, in die italienischen Landesfarben gekleidete Gondoliere, die manches über die Geschichte des Parks sowie über die amourösen Abenteuer zu berichten wissen, die sich hier einst zutrugen.
Warum Grün-Weiß-Rot? Möglicherweise deshalb, weil nicht nur der englische Landschaftsgarten Modell für Wörlitz war; der Fürst brachte auch von seinen Italienreisen Gestaltungsideen mit. Für den Venustempel zum Beispiel oder für die Grotte im Souterrain der "Monument" genannten künstlichen Ruine.
Leider ist das Idyll bedroht. Unsensible Politiker haben zwar zunächst das Kraftwerk im nahen Vockerode stillegen lassen, dann jedoch ein Spannbetonwerk genehmigt. Und das unmittelbar am Fürst-Franz-Wanderweg, einer der wichtigsten und für den Tourismus maßgebenden Fährten durch das Biosphärenreservat mittlere Elbe! Damit nicht genug. Die Elbe selbst soll ausgebaut und für den technischen Frachtverkehr schiffbar gemacht werden. Die geplanten Ausbaustufen würden freilich den Tod der einzigartigen Landschaft bedeuten. Man fürchtet schon jetzt Hochwasserkatastrophen wie am Rhein.

Schlafen in Bauhausmöbeln

Noch ist das verwunschene Wörlitz und seine noble Nachbarschaft - das Georgium in Dessau mit Schloß und Tiergarten eine nicht minder stimulierende Anlage - ein Kleinod unter den ostdeutschen Reisedestinationen und empfängt den entzückten Parkwandler mit offenen Armen. Es existieren inzwischen Unterkünfte in allen Kategorien, vom Landesgasthaus bis zum Edelhotel mit Bauhaus-Möbeln in Dessau, und das leibliche Wohl garantieren eine Reihe von Restaurants mit lokalen Spezialitäten, zu denen der Bacchus-Wein aus der Saale-Unstrut-Region gut paßt. In Zerbst, der im Nu erreichbaren Heimatstadt der russischen Zarin Katharina II., hat gar der Gault Millau zwei Sehlemmertempel ausgezeichnet.
Bleibt zu hoffen, daß das Zentrum von Wörlitz weitgehend erhalten wird und daß man nicht auch hier so frevelt wie im angrenzenden Oranienbaum, einem zauberhaften Barockstädtchen, das gerade auf Westlook getrimmt wird. Der früher so romantische Marktplatz ist eine Riesenbaustelle; die uralten Bäume. die ihn säumten, sind verschwunden. Und schon melden sich Stimmen, die den Wörlitzer Marktplatz mit seinem Obelisken und der baumbestandenen Promenade, der bereits zum Parkplatz degradiert wurde, ebenfalls aufmotzen wollen. "Berge werden sich glätten, um euren Fortschritt zu retten", singt der Chor in Weills "Silbersee".


Anmeldung zur Veranstaltung:

Anmeldungsformalitäten sind zum Zeitpunkt dieser Vorankündigung nicht festgelegt. Es würde eine Teilnehmerbegrenzung von circa 10 Personen geben. Die Veranstaltungskosten incl. Führung und Arbeitsmaterialien würden voraussichtlich 200,- DM (zuzüglich Anreisekosten) betragen. Die Übernachtung wird von uns zum Preis von (hoffentlich) circa 100,- DM für 2 Nächte in Einzelzimmern organisiert.
Anfragen über unsere eMail-Adresse: webmaster@die-philosophen.de


Siehe auch:

Weltbild Wörlitz: Entwurf einer Kulturlandschaft: Vom INM - Institut für Neue Medien, Frankfurt - realisierte virtuelle Installation, die im Frühjahr 1996 im Architekturmuseum Frankfurt besichtigt werden konnte. (Seite hat neue Adresse; wird gerade recherchiert.)
Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Die Wörlitz-Seite und Stadtinformation Wörlitz